BZ-Aktion Wohnungsnot ist das Hauptproblem

Bietigheim-Bissingen / bz 30.11.2018

Ich suche dringend eine Wohnung.“ Dieses Anliegen beschäftigt die Mitarbeiter im Familienzentrum der Caritas Bietigheim-Bissingen nahezu täglich. Ob im Zuge von Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Nachwuchs – nichts scheint akuter für die Menschen in und um Bietigheim zu sein als die Suche nach einem passenden zu Hause, so die Erfahrung in der Einrichtung. Diese wird daher schon seit Jahren von der BZ-Aktion Menschen in Not unterstützt. Auch in diesem Jahr soll ein Teil der Spendengelder dorthin fließen.

Was für die meisten Bürger selbstverständlich sei, stelle sich für die Klienten der Sozialberatung im Familienzentrum oft hoffnungslos dar, erzählt Natalie Vivaldi, Leiterin Gemeindecaritas aus der täglichen Arbeit. So auch für Familie D. Vivaldi: „Sie lebt seit mehr als zehn Jahren in einer viel zu beengten Wohnung mit zwei Kindern. Von energetisch einwandfreier Bauweise kann sie nur träumen. Die Tapeten hätten es mal wieder nötig. Aber das wäre ja schon Luxus.“ Die Familie lebt von Arbeitslosengeld 2. Beide Eheleute gingen in der Vergangenheit verschiedenen Arbeitsgelegenheiten nach. Sie leben auf dem Land. Die Anbindung der öffentlichen Verkehrsmittel macht es schwer, dauerhaft den Arbeitszeiten gerecht zu werden und wieder einen Arbeitsvertrag zu bekommen. „Im Sommer können wir das noch irgendwie überbrücken, mit dem Rad oder auch zu Fuß. Da ist es länger hell. Im Winter ist es nahezu utopisch, pünktlich zu erscheinen. Ein Auto können wir uns nicht leisten“, so der zweifache Familienvater.

Mieterhöhungen, Mietschulden, Räumungsklagen – das sei oft der Weg in die drohende Wohnungslosigkeit, sagen die Mitarbeiterinnen im Familienzentrum. Sie werden meist dann gerufen, wenn es kurz vor Zwölf schlägt. „Jeder Mensch versucht doch erst einmal selbst, wieder alles ins Lot zu bekommen. Das ist bei unseren Klienten nicht anders“ sagt Susanne Lier von der Schwangerschaftsberatung im Familienzentrum. Claudia Dressler, Sozialberaterin, fügt hinzu: „Für uns wäre es natürlich einfacher, wenn wir früher eingebunden wären. So können wir zunächst nur noch das Schlimmste verhindern.“

Das sei beispielsweise das Absperren von Gas und Strom in einem Haushalt mit Säugling wie im Falle von Familie C. Damit ist es aber nicht getan. „Wenn wir intervenieren, sind für uns drei Prinzipien ausschlaggebend: Wir brauchen einen klar definierten Auftrag, die Mitwirkung des Gegenübers und eine Perspektive, die den Menschen wieder in die Lage versetzt, eigenständig nach einer Lösung zu suchen“, erklärt Natalie Vivaldi, Leiterin des Fachbereichs Existenzsicherung und Integration der Caritas.

Eine Antwort für die akute Wohnungsnot erhofft sich die Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz mit ihrer Wohnraumoffensive. Unter dem Motto „Türöffner“ sucht sie nach Vermietern, die leerstehenden Wohnraum zwar gerne an Menschen in Not vermieten wollen, aber Sorge um die Zahlungsmoral haben.

Ansprechpartner für Vermieter

„Für uns im Familienzentrum bietet dieser Vorstoß die Möglichkeit, unsere Klientinnen und Klienten im besten Fall nicht nur in Wohnraum zu vermitteln, sondern sie auch währenddessen zu begleiten in allen Fragen des Alltags. So haben auch Vermieter einen Ansprechpartner und die Gewissheit, dass sich jemand um ihren Wohnraum kümmert“, sagt Vivaldi.

Aufsuchende Arbeit werde im Familienzentrum groß geschrieben. Hierzu wurde  das Projekt SAM ins Leben gerufen. Dort wo die Allgemeine Sozialberatung nicht ausreicht, kümmert sich SAM um die weitere Begleitung. Von der Haushaltsorganisation über die adäquate Postverwaltung bis hin zur Begleitung zu Ämtern, Ärzten und anderen Stellen gibt SAM Orientierungshilfe für diejenigen, die durch die besonderen Herausforderungen ihrer Lebenslage danach fragen. „Oft sind es alleinerziehende Mütter. Da kommt nicht nur der knappe Geldbeutel zur Sprache, sondern auch die Frage nach praktischer Unterstützung auf“, schildert Natallia Aniskevich.

Neben der Sozialberatung bietet das Familienzentrum Veranstaltungen und Kurse rund um das Thema Familie an. „Das Familienzentrum ist ein Ort, an den Familien ihre Bedürfnisse adressieren können, egal ob bei individuellen Fragestellungen oder allgemeinen Angeboten“, so Natalie Vivaldi.

Spendensammeln für Menschen in Not

Die 42. BZ-Aktion Menschen in Not wurde am 19. November gestartet. Auch in diesem Jahr sollen die Spenden der BZ-Leser für die Diakonischen Bezirksstellen Bietigheim und Vaihingen, das Caritas-Familienzentrum Bietigheim-Bissingen und den Bietigheimer Krankenhaus-Förderverein „Kusaidia Afrika“ gesammelt werden. Außerdem will der Verein BZ-Aktion Menschen in Not in diesem den Ludwigsburger Kinderschutzbund unterstützen.

Spendenkonto:

Kreissparkasse Ludwigsburg,
DE82 6045 0050 0007 0300 04. knz

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel