Insolvenz Wie geht es weiter bei der DLW?

Bietigheim-Bissingen / Andreas Lukesch 13.10.2017

Hängepartien sind für die Mitarbeiter des Traditionsunternehmens DLW in Bietigheim nichts Neues. Zu viele haben sie schon hinter sich, jetzt erleben sie eine weitere. Dem seit 2015 unter DLW Flooring fungierende Hersteller von Bodenbelägen ist mitten im Sanierungsprozess das Geld ausgegangen und das Managment musste beim Amtsgericht ein sogenanntes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragen (die BZ berichtete am Donnerstag aktuell).

Damit nutzte DLW Flooring mit Standorten in Bietigheim und Delmenhorst ein seit 2012 bestehendes Gesetz, das zahlungsunfähigen Unternehmen dazu bewegen soll, möglichst frühzeitig einen Antrag zu stellen und es ihnen gleichzeitig mit der amtierendenden Geschäftsführung ermöglicht, die Unternehmenssanierung fortzusetzen – unter Beistellung eines sogenannten „vorläufigen Sachwalters“.

Für die 370 Mitarbeiter am Standort Bietigheim-Bissingen (730 beschäftigt DLW Flooring insgesamt) bedeutet das, dass ihre Löhne und Gehälter – wie in einem Insolvenzverfahren üblich – bis Ende des Jahres von der Arbeitsagentur übernommen werden. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Die Geschäftsführung bemühte sich in einer Pressemitteilung, Optimismus zu verbreiten. Eine Garantie für die Sicherung der Arbeitsplätze nach Auslauf der Drei-Monatsfrist wollte Pressesprecher Holger Voskuhl gegenüber der BZ nicht geben.

Stattdessen ließ Geschäftsführer Hans-Norbert Topp verbreiten: „Die Sanierung kommt sehr gut voran und liegt in verschiedenen Bereichen sogar über den Vorgaben des Konzeptes.“ Und: DLW Flooring sei „auf jeden Fall“ weiterhin sanierungsfähig. Dafür nutze man nun die Möglichkeiten des Eigenverwaltungsverfahrens. Persönlich wollte Topp am Donnerstag nicht mit der BZ sprechen.

Interessierte Investoren

Lieber wurde schriftlich auf bereits erfolgreiche Maßnahmen verwiesen. „Wir sind effizienter geworden und haben Produkte und Kollektionen optimiert. Auch die Neu-Ausrichtung des Vertriebs wurde eingeleitet“, so Topp. Auch hätten sich bereits „erste potenzielle Investoren“ gemeldet und ihr Interesse an einer Übernahme des Herstellers von Bodenbelägen signalisiert.

Bei den Zahlungsschwierigkeiten spricht DLW Flooring von einem „kurzfristig aufgetretenen Liquiditätsengpass“, der nicht habe ausgeglichen werden können und so den Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren notwendig gemacht habe. Erste Konsequenz aus dem Verfahren ist zunächst eine personelle Aufstockung im Management, denn die DLW-Spitze kann in diesem besonderen Insolvenzverfahren nicht ganz allein agieren. Von der auf Sanierungen spezialisierten Sozietät Wellensiek wurden Sebastian Rudow und Patric Naumann mit ins Boot geholt, um die Gläubigerinteressen zu gewährleisten. Vom Amtsgericht zum Sachwalter bestellt wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Tibor Braun. DLW Flooring macht weiter, das Verfahren behindere das operative Geschäft nicht, wie es heißt. Das Signal soll vor allen die Kunden beruhigen, die sich auf eine Fortsetzung des Geschäftsbetriebs ohne Einschränkungen verlassen könnten: Das Unternehmen sei weiterhin mit gewohnter Qualität am Markt tätig.

Die DLW-Geschichte

Die DLW entstand 1926 aus dem Zusammenschluss von fünf Linoleum-Fabriken. Der Konzern beschäftigte rund 4300 Menschen, 1000 davon in Bietigheim. 1998 übernahm der US-amerikanische Bodenbelaghersteller Armstrong World Industries die DLW und agierte eher glücklos. 2007 betrug das Defizit 40,4 Millionen Euro. Selbst als der Chef des US-Konzerns, Michael D. Lockhart, das DLW-Management persönlich übernahm und Investitionen in Höhe von 150 Millionen Dollar vornahm, blieb das Unternehmen weiter tief in den roten Zahlen. 2014 folgte dann die Insolvenz und die Übernahme durch den niederländischen Investor Fields. Mit den aktuell noch 730 Beschäftigten erwirtschaftete das Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt einen Jahresumsatz von rund 133 Millionen Euro. Während in dem Werk am Stammsitz Bietigheim vor allem PVC und Vinyl produziert wird, stellt DLW in Delmenhorst in erster Linie Linoleum her. Es ist das einzige Linoleum-Werk in Deutschland. bz

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