Bietigheim-Bissingen / Frank Ruppert  Uhr

Der Sternlesmarkt in Bietigheim versüßt vielen die Weihnachtzeit. Ohne Schnee will zwar bei machen nicht so recht besinnliche Stimmung aufkommen, dennoch zieht es den ein oder anderen zum Schlendern oder Glühweintrinken auf den Marktplatz. Damit die Stadt auch weiß wie viele Besucher da waren, mietet sie seit ein paar Jahren zwei unscheinbare Geräte, die Handysignale zählt und damit eben die Passantenfrequenz ermittelt.

Jeweils ein Gerät im Rathaus am Marktplatz und eines im Kronenzentrum am Kronenplatz hat die Stadtverwaltung für weniger als 1000 Euro im Jahr von der Firma Vitracom gemietet, teilt Stadtsprecherin Anette Hochmuth mit. Das Karlsruher Unternehmen hat sich auf sogenannte Personenzählsysteme spezialisiert. Mit im Mietpreis inbegriffen ist auch die Auswertung der Daten in eine Statistik. „Es werden jedoch keine personenbezogene Daten erhoben und gespeichert“, sagt Hochmuth. Das Unternehmen wollte sich auch nach zwei Wochen und mehreren Anfragen nicht dazu äußern. Auf ihrer Homepage wird Vitracom-Vorstandssprecher Andreas Drescher jedoch wie folgt zitiert: „Unsere Technologie arbeitet absolut datenschutzkonform.“ Die Vitracom-Sensoren erheben die Daten anonymisiert.

Mit dieser Technik ist die Stadt nicht alleine. Im Einzelhandel, Bahnhöfen, Flughäfen, an Messen oder in Stadien werden Personen gezählt. So gibt es in manchen Geschäften eine Lichtschranke, die beim Eintritt unterbrochen wird und damit die potenziellen Kunden misst. In Bietigheim könne die Stadt bestimmen, wann die Geräte zum Einsatz kommen. Zwar sei es Tag und Nacht an, so Hochmuth, doch ausgewertet wird nur zu großen Veranstaltungen der Stadt, wie Apfelfest, Sternlesmarkt oder Wunderland. Hochmuth kann sich dann in das System einloggen und so eine Statistik über bestimmte Zeiten abrufen. Die zwei Zählgeräte versprechen genauere Zahlen, als das frühere Schätzen der Besucher. Allerdings gibt es auch hier Schwankungen: Besucher ohne Handy werden nicht gezählt. Zudem kann das Messgerät nicht zwischen Veranstaltungsbesuchern und regulärem Passant unterscheiden – das war jedoch schon immer so.

In Ludwigsburg ist der Weihnachtsmarkt derzeit der Besuchermagnet. „Wir rechnen wieder mit bis zu einer Millionen Besucher“, sagt Melanie Mitna, Leiterin der Abteilung Veranstaltungen und Märkte. Eine Technik wie in Bietigheim benutze man für das Zählen allerdings nicht. „Wir lassen die Security mitzählen oder fragen bei den Standbetreibern nach“, so Mitna. In der Barockstadt habe man aber auch schon über die Anschaffung technischer Hilfsmittel für die Passantenzählung nachgedacht. Konkret sei dies aber bislang noch nicht: „Das hat für uns jetzt auch keine Priorität.“

Dem Landesbeauftragten für Datenschutz Stefan Brink ist das System nicht bekannt. Ein solches Tracking sei jedoch zulässig, „wenn die personenbezogenen Daten unverzüglich anonymisiert werden“. Allerdings, so Brink weiter, müssen Hinweispflichten unabhängig von der Rechtsgrundlage und Einwilligung erfüllt werden. Dazu könnten auch Bildsymbole verwendet werden. Brink empfiehlt als Schutz das Abschalten von W-Lan- und Bluetoothfunktion. Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sind solche Passantenzählsysteme bekannt. „Beschwerden hinsichtlich der Datensicherheit gab es bei uns bislang nicht“, sagt Julia Woywod-Dorn von der Stabstelle Recht. Grundsätzlich sei es wünschenswert, wenn in einem solchen Fall der Handy-Nutzer  über die mögliche Aufnahme seiner Daten informiert werde.

So funktioniert das Bietigheimer System

Laut Artikelbeschreibung ermöglicht der Vitracom Wifi-Sensor, der in Bietigheim eingesetzt wird, die Erfassung von Passanten auf Basis der weltweit eindeutigen MAC-Adresse eines Smartphones. Diese Media Access Control-Adresse dient zur Identifizierung spezifischer Geräte im Netzwerk und kann dann erkannt werden, wenn die W-Lan-Funktion des Handys eingeschaltet ist. Anhand dieses Signals könne die Anzahl von Passanten gemessen werden. Durch Kombination von zwei Sensoren kann festgestellt werden wie viele Personen einen bestimmten Bereich durchqueren. „Eine Anonymisierung der Daten erfolgt bereits auf dem Sensor und entspricht den geltenden Datenschutzbestimmungen“, so die  Beschreibung. bz