Baupläne Weniger Schatten, aber trotzdem 17 Meter

Ludwigsburg / bz 21.03.2018

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist mit seinen Plänen, seine Filiale in der Ludwigsburger Oststadt durch einen sehr viel größeren Neubau und zwei Ebenen mit Wohnungen zu ersetzen, in die zweite Genehmigungsrunde gestartet. An diesem Mittwoch entscheidet der Gemeinderat über den Antrag. Von dort war der Antrag zuletzt an den Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt zurückverwiesen worden. Die Mehrheit des Ausschusses stimmte jetzt für die Planänderungen.

Die Gemeinderäte hatten sich mehrheitlich an der Bauhöhe von 17 Meter gestört. Die Bewohner der wesentlich niedrigeren Nachbargebäude hatten entsprechend Druck ausgeübt (Die BZ berichtete). Der Bauausschuss debattierte am Donnerstag nun über eine abgeänderte Planung, die Chef-Stadtplaner Martin Kurt in der Sitzung präsentierte. Im Wesentlichen soll jetzt das oberste Stockwerk zurückgebaut werden, sodass es bei den angrenzenden Wohnhäusern zu fast keiner Verschattung mehr kommen könne, wie Kurt erläuterte.

Höhe bleibt bei 17 Metern

Die Grunddaten sind gleich geblieben: Die zulässige Gebäudehöhe bleibt wie gehabt bei 17 Meter, die Geschosszahl bei vier und die vorgesehene Verkaufsfläche bei 1800 Quadratmeter (800 Quadratmeter mehr als im Bestandsgebäude). Eingefügt wurde vor den Grunddaten jedoch jeweils der Begriff „maximal“. Der veranlasste die Ausschussmitglieder zur Hoffnung, dass in den endgültigen Plänen die zulässigen Maße vom Bauherrn Lidl nicht ausgereizt werden.

Eine Tiefgarage lehnt Lidl weiterhin ab. Das Erdgeschoss soll eine Parkebene werden, das erste Geschoss die Ladenfläche. Draufgesetzt werden zwei Geschosse mit Wohnungen. Peter Mayerhöfer, Immobilienleiter der Lidl-Regionalgesellschaft in Waldenburg, begründete die Ablehnung erneut mit der fehlenden Wirtschaftlichkeit und der Abneigung der Kunden, in eine Tiefgarage zu fahren.

Baubürgermeister Michael Ilk sprach in der Sitzung die anwesenden protestierenden Anwohner direkt an: Eine Bürgerbeteiligung sei keine „Betroffenenbeteiligung“. Bei allen Nachteilen, die die Anwohner durch den Neubau befürchteten, müssten sie „auf die Sprachwahl achten“. In Leserbriefen sei von einem Monsterbau die Rede gewesen und von einem zweiten Marstallcenter für die Stadt. „Das ist unangemessen übertrieben“, so Ilk. Schließlich müsse die Stadt auch an die 1300 Wohnungssuchenden denken.

Kein Recht auf freie Sicht

Die hätten nicht die Möglichkeit, geschlossen gegen die Stadt vorzugehen, wie es die Lidl-Anwohner täten. Jeder Bürger habe auch „Belastungen zu ertragen“, sagte er. Als Beispiel nannte er die Anwohner der Friedrich- oder Stuttgarter Straße, die unter Verkehrslärm und Abgasen zu leiden hätten. Ein Recht auf freie Sicht gebe es nicht, wie es die Lidl-Anwohner forderten.

Die Grünen bezweifelten jedoch, dass die Wohnungen von Lidl günstig vermietet und somit einen Beitrag zur Lösung der Wohnungsnot leisten werden. Zu viele Parkplätze würden auch Kunden von weiter her anziehen. Die Oststadt sei so dicht besiedelt, dass die Lidl-Filiale als Nahversorger sein Auskommen habe. In der Abstimmung enthielten sich die Grünen.