Bietigheim-Bissingen / Von Jürgen Kunz  Uhr

Fotografieren ist die Leidenschaft von Anika Krisch. Die Medienfachwirtin im besten Schwabenalter aus Bietigheim-Bissingen beschäftigt sich aber nicht mit Porträts, Stillleben oder Landschaften, ihr Interesse gilt den letzten Orten der Ruhe – den Friedhöfen.

Anika Krisch fotografiert seit sie im Alter von etwa zehn Jahren ihre erste Kamera geschenkt bekam, und fast zeitgleich wurde ihr Interesse an Friedhöfen geweckt. „Meine Mutter nahm mich damals gelegentlich mit auf den Friedhof, damit auf den Grabsteinen die Namen lesen lernen und das Alter der Menschen errechnen konnte. Auf spielerische Weise habe ich mich so mit dem Friedhof beschäftigt“, sagt die Fotografin, die sich durchaus bewusst ist, dass die Leidenschaft für ihre Friedhofsmotive nicht jedermanns Sache ist und vor allem erklärungsbedürftig ist.

Friedhöfe sind für die 40-Jährige Orte der Besinnung und sie geben Anlass dazu, sich die Vergänglichkeit des Lebens bewusst zu machen. „Es ist immer faszinierend, es gibt immer was zu entdecken“, sagt Krisch. Das was zu entdecken geht weit über die Trauer hinaus, ja in anderen Kulturen findet man Lebenslust und Freude im Gegensatz zu den hiesigen Ritualen.

2007 hat Krisch ihre ersten Fotos von Gräbern auf einem Friedhof in Südtirol gemacht: „Mit den brennenden Grablichtern war es in den Abendstunden fast eine mystische Stimmung.“ Seither hat sie fast jede Gelegenheit genützt, auf Friedhöfe zu gehen. Die Weitläufigkeit in Island, der größten Soldatenfriedhof Europas in Belgien, ein Tierfriedhof in Österreich, die Friedhöfe in Paris, der Zentralfriedhof in Wien waren bisher einige ihrer Stationen, auf denen sie mit der Kamera auf Motivsuche war. „Ursprünglich bin ich einfach in der Urlaub gefahren und habe eher zufällig die Friedhöfe besucht“, erklärt Krisch im Gespräch mit der BZ. Inzwischen sei es bei den Urlaubsplanungen eine Bedingung, dass es einen interessanten Friedhof gibt, „oder ich reise direkt wegen eines Friedhofs an, wie etwa nach Wien oder Hamburg“. Sie nimmt dabei – „ich bin ein bekennender Reisevogel“ – auch lange Anreisen gerne in Kauf, wie nach Madagaskar, nach Kenia, Tschechien, Teneriffa oder auf die Galagos Insel, wo ein Friedhof mitten in den Dünnen liegt.

Doch auch hier in ihrer unmittelbaren Umgebung hat Krisch interessante Motive entdeckt. Auf dem Michaelsberg, dem kleinsten Friedhof in der Region, im Friedwald in Schwaigern oder auf dem alten jüdischen Friedhof in Freudental war sie mit ihrer Kamera unterwegs.

Große Friedhöfe haben weltweit eigen Internetseiten, was die Auswahl der Ziele erleichtert. „Ich habe noch eine ziemlich lange Liste, die ich gerne abarbeiten will“, erklärt die Fotografin, diese reicht vom verlassenen Dorf auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Münsingen auf der Alb, über Sizilien bis nach Hollywood. „Ein ganz großes Ziel ist Mexiko, dort werden jährlich große Feste auf den Friedhöfen gefeiert“, merkt Kirsch an: „Es ist immer wieder faszinierend, wie die unterschiedlichen Kulturen mit dem Tod umgehen.“ Wenn sie über Friedhofsmauern in anderen Ländern schaut, dann sorge dies oft für Erstaunen und Begeisterung zugleich.

Einen Kalender und einen ersten Bildband hat die Medienfachwirtin inzwischen veröffentlicht, Projekt sind für Krisch eigene Bildbände mit Friedhöfen in Deutschland, in Europa und  weltweit. Auch eine Postkartenserie mit Gräbern und Gedanken dazu gibt es. Dass sie ihre ungewöhnliche Leidenschaft durchaus auch mit einem Augenzwinkern versehen kann, beweist sie mit einem Grabmotiv vom Wiener Zentralfriedhof, das sie mit diesem Gedanken verbindet: „Wenn man die Inschriften auf Friedhöfe liest, fragt man sich unwillkürlich, wo denn eigentlich die Schurken begraben liegen.“

Viele ihre Fotos hat Anika Krisch auf ihrer Internetseite veröffentlich.

www.grabangrab.de

Bildvortrag in der Hohensteiner Dorfkirche

Vor drei Jahren hat Anika Kirsch im Rahmen einer Vortragsreihe erste Kontakte mit Anita Ereth von der Bönnigheimer Hospizgruppe geknüpft. „Ich habe so gefreut, das Anita Ereth mein Thema so offen angenommen hat“, erklärt Anika Krisch, mit dem Entschluss damals in der besonderen Atmosphäre der Hohensteiner Dorfkirche den ersten öffentlichen Bildervortrag über Friedhöfe zu zeigen.

Am Mittwoch, 23. Januar, 19 Uhr, gibt es in der Dorfkirche in Bönnigheim-Hohenstein, Kirchheimer Straße, den „Zweiten fotografischer Streifzug über Friedhöfe verschiedener Länder und Kulturen“ Anika Krisch präsentiert neue Impressionen ihrer Besuche von Friedhöfen. Sie war unter anderem auch auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf, dem größten Parkfriedhof der Welt. Für den kleinsten ihr bekannten Friedhof musste sie nicht weit reisen. Dieser befindet sich auf dem Michaelsberg bei Cleebronn. Neue Bilder hat sie auch von ihren Reisen nach Island, den Galapagos Inseln und Kenia mitgebracht. Musikalisch umrahmt wird der Abend wieder von Uli Staudenmaier mit gefühlvollen Liedern. Teilnehmerinnen der Hospizgruppe werden neue, besinnliche Texte zum Thema vortragen. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für die Arbeit der Hospizgruppe wird gebeten. Nähere Infos unter Telefon (0173)  8 27 21 11. bz