In Bietigheim-Bissingen gibt es auf öffentlichen Flächen Bäume, die nicht abgeerntet werden. Oft hängen Bäume oder Sträucher voller reifer Früchte, die dann verrotten. Das betrifft nicht nur kommunale Flächen, sondern ist auch auf privaten Grundstücken zu beobachten.

Der neue Fraktionschef der SPD im Gemeinderat, Thomas Reusch-Frey, hat deshalb einen Antrag mit zahlreichen Punkten gestellt, um Anreize zum Abernten von Obstbäumen zu schaffen.

Band mit Aufdruck

So möge die Stadtverwaltung eigene Bäume mit einem  weißen Band mit entsprechendem Aufdruck markieren, bei denen das Ernten der Früchte für alle künftig erlaubt ist. Die Stadtverwaltung solle diese Kennzeichen kostenfrei allen Interessierten zur Verfügung stellen, die das Ernten für alle auch auf ihren eigenen Grundstücken erlaubt.

Zudem soll die Stadtverwaltung  ein Verzeichnis der markierten Bäume und Sträucher führen, die im städtischen oder privaten Besitz sind. Dieses Verzeichnis kann dann von Interessierten eingesehen werden.

Reusch-Frey sieht gleich eine ganze Reihe von Vorteilen seines Vorstoßes. Einerseits tragen Bäume und Sträucher oft mehr Obst, Beeren oder Nüsse, als die Besitzer selbst ernten, verbrauchen oder verwenden könnten. Teilweise werden auch einzelne Obstbäume von den Besitzern selbst gar nicht genutzt. Andererseits würde es Interessierte geben, die gerne Obst ernten möchten, aber keine eigenen Möglichkeiten dazu hätten. Mit weißen Bändern, wie es etwa schon in Pfullingen praktiziert wird, könnten Grundstücksbesitzer ihre Bäume markieren, so dass ersichtlich ist, welche davon zur Ernte freigegeben sind.

Durch diese Kennzeichnung entstehe eine „win-win-Situation“, so Reusch-Frey.

Baumbesitzer seien  froh, dass das Obst nicht verrottet – und die anderen könnten das vor Ort Geerntete frisch essen oder für andere Zwecke (wie Kuchen, Saft und Marmelade) nutzen und erleben die natürlichen Zusammenhängen von Wachsen und Ernten – näher, als beim Einkauf im Supermarkt.

Der SPD-Politiker weist auch auf die rechtlichen Zusammenhänge und Hintergründe hin.

So sei nur das Ernten von gekennzeichneten Bäumen und Sträuchern erlaubt. Wer beispielsweise Obst ohne dieses Einverständnis von einem Baum pflücke – und sei es auch nur ein Apfel – begehe kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Der Tatbestand des sogenannten Mundraubs war entgegen landläufiger Meinung schon immer strafbar, nur galt er früher, wie in der BZ jüngst umfangreich berichtet, als Notdiebstahl und wurde nicht so stark bestraft wie andere Diebstähle.

Die organisatorische Umsetzung seines Antrages weist Reusch-Frey der  Stadtverwaltung zu. Diese müsse Bäume und Sträucher auf den eigenen Flächen identifizieren und kennzeichnen.

Auch solle die Stadt Bietigheim-Bissingen Markierungsbänder zur Verfügung stellen und  sie etwa in der Stadtinformation und im Rathaus Bissingen kostenfrei ausgeben.

Die Stadtverwaltung müsse  eine Übersicht mit den Standorten der markierten Bäume führen und  diese  in den Ausgabestellen für die Baumkennzeichen zur Einsicht zur Verfügung stellen. Anhand dieser Übersicht, die die jeweiligen Standorte der Bäume und Sträucher enthält, und eventuell auch eine Ansprechperson mit Kontaktdaten, könnten die markierten Bäume einfach gefunden werden. Zu prüfen sei eine weitergehende Verbreitung,  etwa auf der Internetseite der Stadt.

940 Obstbäume

Aus einem Schreiben der Stadt an Reusch-Frey geht hervor, dass Bietigheim-Bissingen rund  940 Obstbäume im Bestand hat, die zur Abernte vergeben werden könnten. Über die Nutzerzahlen führt die Verwaltung keine laufende Liste, die Vergabe erfolgt auf Anfrage von Jahr zu Jahr. Die Nachfrage sei jedoch nicht sehr groß.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen erlaubt darüber hinaus schon seit 2013 das kostenfreie Abernten der städtischen Obstbäume. Vor 2013 wurde der jeweilige Obstertrag der städtischen Obstbäume auf den einzelnen Flächen vor Ort versteigert.

Aufgrund mangelnder Nachfrage wurden die Versteigerungen jedoch eingestellt und der Ertrag auf Anfrage zur kostenlosen Aberntung freigegeben. Bislang ist dies allerdings auf drei Bäume pro Person beschränkt, um eine erwerbsmäßige Nutzung durch die Interessenten auszuschließen. Eine Erhöhung auf fünf Bäume pro Person wird von der Stadt allerdings in Aussicht gestellt.