Es hätte eine einmalige Sache werden sollen. Denn vor vielen Jahren bat die Stadt die Bissinger Vereine nur, zur Eröffnung des Grotztunnels ein Fest zu organisieren. Gesagt, getan. „Wir haben dann gemerkt, dass das gut funktioniert“, erzählt Marcus Sieger, einer der damaligen Organisatoren. Mit „wir“ meint er drei Vereine – den Musikverein Bissingen, die Handball-Abteilung der Spvgg Bissingen und den FSV 08 Bissingen. Die Macher kannten sich teilweise schon aus Schulzeiten und planten kurzerhand ein weiteres „kleines Fest“. Mittlerweile ist daraus eine feste Größe in Bissingen geworden: das Weindorf.

Die kühle Enz

Vor 19 Jahren wurde die Idee das erste Mal umgesetzt und zwar zugunsten der drei Fördervereine der besagten Vereine. Auch heute noch wird mit dem Fest deren Jugendarbeit unterstützt. „90 bis 100 Prozent des Erlöses geht an die Jugendarbeit“, sagt Sieger, „jeder Verein bekommt ein Drittel.“ Angefangen hat alles im Jahr 2000 mit einem Wochenende auf dem Ernst-Silcher-Platz hinter dem Hallenbad in Bissingen. „Wir konnten ja die Stadt nicht jedes Mal nach dem Grotztunnel fragen“, erklärt der Organisator, warum es nun neben dem Musikvereinsheim stattfand. Die Resonanz ermutigte die drei Veranstalter-Vereine und so wurde das Fest bei seiner zweiten Auflage bereits auf drei Tage verlängert und nur ein Jahr später zog es auf den Rathausplatz. „In der Theorie war der Ernst-Silcher-Platz gut, in der Praxis aber zu kühl mit der Enz.“ Beim Rathausplatz jedoch stimmte die Atmosphäre und bei diesem Standort ist es seither geblieben. Hier findet das 19. Weindorf von Donnerstag, 5., bis Samstag, 7. September, statt.

Mehr als 6000 Besucher erwarten die Veranstalter dieses Jahr. Bei der vierten Auflage des Festes 2004 hieß es in der BZ noch „Rekordbesuch vor dem ‚Blauen Bock’ im Ortskern“. Rund 800 Besucher waren es vor gut 15 Jahren an einem Abend – kein Vergleich zu heute. Immer mehr Gäste, nicht nur aus Bissingen, finden sich im September vor dem Rathaus ein. Was vor Jahren primär von den Initiatoren um den Cheforganisatoren Marcus Sieger mit bangen Erwartungen gestartet wurde, ist zu einem Publikumsmagneten avanciert.

190 Helfer

Das Weindorf in der heutigen Form ist nur mit Helfern zu schaffen – jeder Menge Helfer. Rund 190 Vereinsmitglieder, Freunde und Familien packen nicht nur an den drei Festtagen mit an, sondern auch davor und danach. Bereits ab Mittwochabend wird aufgebaut und Sonntag dann abgebaut. Vor einigen Jahren wurde die Entscheidung getroffen, das Fest nicht mehr selbst zu bewirtschaften. „Dafür würden wir bestimmt 50 bis 60 Leute mehr brauchen und das würde schwierig werden“, sagt Marcus Sieger. Auch die Hygienevorschriften hätten dabei eine Rolle gespielt. Sie sind auch der Grund, warum Weindorf-Besucher die Gläser kaufen müssen. „Das hat ja auch etwas Besonderes, weil Bissinger Weindorf drauf steht.“

Eine weitere Sache habe sich über die Jahre hinweg bewährt. Während es beim Bissinger Weindorf in den Anfangsjahren keine Musik gab, war den Veranstaltern schnell klar, dass sie das ändern wollen. „Wir versuchen, an jedem Abend unterschiedliche Musik anzubieten“, sagt der Bissinger. Komme eine Band gut an, werde sie auch ein weiteres Mal engagiert. Nach drei, vier Auftritten sei dann Schluss. So soll es abwechslungsreich bleiben. „Mittlerweile bewerben sich auch Bands bei uns.“ Das macht die Veranstalter stolz. „Den nächsten Quantensprung haben wir mit der Band ‚Familie Hossa’“, erklärt Sieger, „das ist die erste Profiband, die wir dank Sponsoren engagiert haben.“ Die Schlagerband tritt am Samstag auf und beendet damit das Weindorf. Früher fand es samstags und sonntags statt. „Der Sonntag war als Familientag angedacht.“ Doch als Weindorf konzipiert, ging es meist erst abends richtig los und so wurde das Fest kurzerhand verlängert und vorverlegt.

Der Charme des Weindorfs

Eine Sache haben die Bissinger jedoch nicht in der Hand: das Wetter. Denn das Weindorf ist eine Open-Air-Veranstaltung. Eine Überdachung des Platzes sei schwierig. Stellt man ein großes Zelt auf oder spannt eine Plane darüber, müsste diese vom TÜV geprüft werden. „Regnet es dann doch nicht, nimmt man dem Fest den Charme“, findet der Bissinger, „wir haben aber kleine Zelte und Schirme, die wir spontan aufstellen können.“ Bislang hatten die Bissinger und ihre Gäste Glück, noch nie hat es alle drei Tage durch geregnet. Und auch dieses Jahr versprechen die Wettervorhersagen einen guten Start des 19. Bissinger Weindorfs.

Das Bissinger Weindorf in der 19. Auflage startet am Donnerstag


Am Donnerstagabend, 5. September, geht es ab 19 Uhr los mit dem 19. Bissinger Weindorf auf dem Rathausplatz. Zum Auftakt steht die Band „Besser“ ab 19.30 Uhr auf der Bühne. Die Band, die es bereits seit 1998 gibt, hat sich auf Rock- und Pop-Musik spezialisiert – von Brian Adams bis Led Zeppelin.

Tags darauf können sich Wein- und Musikliebhaber ab 18.30 Uhr beim Weindorf einfinden. Am Freitag gibt es ab 19 Uhr Musik von zwei Bands. Zunächst spielen „Die 3 Richtigen“ Oldies und aktuelle Popsongs. Es folgt die Ludwigsburger Band Beat Union ab 20.30 Uhr mit Rock, Pop und Musik aus den 60er- und 70er-Jahren.

Wer am Freitag nicht genug von den „3 Richtigen“ bekommen hat, der kann sie am Samstag, 7. September, erneut hören. Während das Weindorf ab 17 Uhr öffnet, tritt die Band ab 17.30 Uhr auf. Ab 20.30 Uhr gibt es Schlager und Neue Deutsche Welle von „Familie Hossa.

Das Spillmann-Busunternehmen bietet zum Bissinger Weindorf einen kostenlosen Shuttlebus an. Dieser fährt in zwei Touren. Tour A führt von Bietigheim-Buch über den Busbahnhof nach Bissingen. Tour B startet in Bietigheim-Sand, fährt über die Stadt und Ellental bis zum Rathaus. Beide Touren werden in umgekehrter Richtung abends auch wieder bedient. Die Abfahrtszeiten der Busse und weitere Informationen zum Bissinger Weindorf gibt es im Internet. rwe

www.bissinger-weindorf.de