Bietigheim-Bissingen Was taugen Stellplätze im Landkreis Ludwigsburg?

Bietigheim-Bissingen / UWE DEECKE 13.08.2015
Nicht nur Urlauber nutzen das Wohnmobil, auch Selbstständige, Angestellte und Kneipenbesucher, denen ihr Führerschein lieb ist, findet man auf den Stellplätzen an Neckar und Enz. Wir nahmen vier Plätze genauer unter die Lupe.

Ein Thurgauer Kennzeichen aus der Schweiz hat das Fahrzeug, das in Besigheim am Minigolfplatz steht. Der Besitzer sitzt drin und ist an zwei Computern beschäftigt. Jürgen Brunner, der nicht in der Schweiz, sondern im Burgund lebt, ist in ganz Europa unterwegs. Seine Firma kümmert sich um Produkte rund um den Pferdesport, auch die spanische Hofreitschule zählt zu seinen Kunden. Dass es hier am Platz WLAN gibt, ist für ihn von Vorteil. Aber auch die Lage. "Der Platz liegt relativ günstig, wenn man nach Stuttgart oder Heilbronn will", sagt der Unternehmer, der rund 120.000 Kilometer im Jahr im Fahrzeug unterwegs ist. Er mag die Ruhe hier und erzählt von "Wohnmobilhäfen" wie in Spanien, wo es bei über 60 Stellplätze ziemlich turbulent zugeht. "Die Anlage ist hier sehr gepflegt und ansprechend gemacht", sagt Brunner. Das einzige, was fehle, sei eine Dusche, Strom und Wasser gebe es. Die fünf Euro pro Nacht kann er sich locker leisten. Am Morgen geht es für ihn weiter nach Wien, Prag und in die Slowakei, dann nach Südeuropa.

Aus dem Raum Köln ist das Ehepaar, das sich in Bönnigheim am Freibad einen Platz gesucht hat. Peter und Maria Schmidt sind Rentner und setzen schon viele Jahre aufs Wohnmobil. Die aus Apulien stammende Maria lässt hier alte Erinnerungen aufleben: Sie war über 40 Jahre bei Amann beschäftigt und freut sich, wie positiv sich der Ort verändert hat. Gestern seien zwei Belgier da gewesen und ein Österreicher, sagt Peter Schmidt. Es ist wie überall auf den Plätzen ein ständiges Kommen und Gehen, denn Wohnmobil heißt nun mal auch, viele Etappen auf Reisen zu haben.

Am Morgen geht es für sie weiter an den Kaiserstuhl, dann werde man weitersehen. Auch dieser Platz mit Strom, Wasser und WC-Entsorgung hat fast alles, auch wenn die Schmidts das gar nicht brauchen. Sie haben eine Solaranlage auf dem Dach und sogar eine Brennstoffzelle im Innern, was sie sehr unabhängig macht. Mit dem Zelt haben die beiden angefangen, dann kam der Wohnwagen, nun ist es der Fiat mit Aufbau, der alles hat, was man braucht. Die beiden suchen sich immer Plätze mit Freibädern in der Nähe, gekocht wird von Mama Schmidt meist selbst. Mit Vorliebe Nudeln, natürlich. "Der Platz ist schon ideal gelegen, man kann alles machen", urteilen die beiden, die mit E-Bikes auch für Touren in die Umgebung gerüstet sind.

Manfred Schmidt steht mit seinem Wohnmobil auf dem Platz in der Mühlwiesenstraße in Bietigheim-Bissingen. Er kommt aus Ingersheim und hat gestern in der Altstadt ein paar Lokale besucht. Seinen Fiat mit Hobby-Aufbau nutzt er auch beruflich, doch heute macht er Kurzurlaub. Zwei Viererdosen gibt es für Strom hier und auch Wasser zum Spülen oder Waschen. Doch das sei nicht wirklich getrennt, kritisiert er, viele spülen ihr WC an derselben Stelle, wo es Frischwasser gibt. Sonst sei der Platz in Ordnung, auch wenn der Verkehr und die Autos manchmal ihre "Gerüche" hinterlassen. Ein Vorteil seien die Einkaufsmöglichkeiten. "Man ist praktisch mitten im Leben", sagt der Ingersheimer. Neben ihm steht das Mobil eines Mannes, der schon länger krankgeschrieben ist und bald in Rente geht. Auch eine Krankenschwester, die Schwierigkeiten hat, eine bezahlbare Wohnung zu finden, gibt es hier. Alle müssen am Tag fünf Euro für den Platz bezahlen, der relativ gut frequentiert wird. Drei Minuten lang Wasser gibt es für 50 Cent, die Steckdosen reichen für alle acht Plätze.

Sehr beliebt ist der Stellplatz am Lauffener Freibad. Hier ist einiges los, die Urlauber sitzen bei Essen und Getränken an ihren Fahrzeugen. Auch Reinhard und Marga Stratmann aus Leer in Ostfriesland sind seit Samstag hier. Davor waren sie im Odenwald, wo ihnen der Platz empfohlen wurde. Auch hier gibt es mit Wasser, Strom und WC-Entsorgung alles, doch auch sie sind dank Solaranlage unabhängig. Auch 250 Liter weiches friesisches Wasser haben sie dabei - als passionierte Teetrinker sind sie in dieser Hinsicht sehr wählerisch.

Seit 2003 haben sie ihren Iveco mit Concorde-Aufbau, mit dem sie ursprünglich nach Ungarn fahren wollten. Doch bei der Hitze war ihnen die Fahrt zu weit, also ging es nach Süddeutschland, ins Schwabenländle. Der 81-Jährige war früher Binnenschiffer und als Schiffsführer viel auf dem Rhein unterwegs. Auch das Walheimer Kraftwerk versorgte er mit Kohle, als er noch berufstätig war.

1993, mit der Rente, ging es dann los. Ein kleines Wohnmobil, dann ein größeres. Auf der Heimfahrt wollen sie beim Concorde-Hersteller in Schlüsselfeld vorbeifahren. "Nur mal schauen", versichert er. Dort gebe es Modelle, die satte 190.000 Euro kosten. So viel wie ein Einfamilienhaus? Nein, zwei gebe es in Ostfriesland sogar dafür, sagt der Rentner schmunzelnd.

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