Umwelt Wald leidet unter Trockenheit

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 07.09.2018

Revierförster Axel Armburster zeigt auf einen abgebrochenen Ast einer Eiche im Bietigheimer Forst. Das Laub ist noch dran, inzwischen aber ganz braun. Seit geraumer Zeit beobachte er solche Abbrüche von Ästen, die zuvor noch grün waren. Für den Bietigheim-Bissinger Förster eines von mehreren Anzeichen, die deutlich machen, wie der Wald unter der gegenwärtigen Trockenheit leidet.

Armbruster erklärt sich die Astabbrüche bei ansonsten gesunden Bäumen damit, dass der Wasserdruck im Holz mangels Wasser sinke. Das beeinträchtige die Stabilität, mit der Folge, dass waagrechte Äste abfallen.

Um den Zustand des Waldes zu beurteilen, muss man indes nicht nach solchen Ästen suchen. Bereits auf den ersten Blick ist zu sehen, wie sich das Laub herbstlich verfärbt und inzwischen schon in beträchtlichen Mengen auf den Wegen liegt. „Es sieht aus wie Anfang Oktober“, sagt Armbruster. Es sei die Trockenheit, die dazu führe, dass die Bäume drei bis vier Wochen früher als normal ihre Blätter verlieren.

Wie Weihnachtsbäume, die zu lange im Wohnzimmer standen, nadeln im Übrigen auch einige Fichten im Forst, auf die der Förster hinweist. Ein Blick unter die Rinde zeigt, dass hier der Fichtenborkenkäfer am Werk ist und seine Fressgänge angelegt hat. An einem Baum im Anfangs-, am anderen im Endstadium.

Der Borkenkäferbefall sei eine direkte Folge von Hitze und Trockenheit, erläutert Armbruster. Kaum Regen und hohe Temperaturen seien ideale Bedingungen für den Schädling, der während eines Sommers mehrere Generationen bilden könne. Unter Normalbedingungen, bei ausreichend Wasser, könnten sich die Fichten durch ihr Harz gegen den gefräßigen Käfer schützen, nun seien sie jedoch besonders anfällig. Im Bietigheimer Forst gebe es mehrere Stellen mit Borkenkäferbefall, erzählt der Revierförster. Auch Lärchen seien betroffen.

Im Gegensatz zu anderen Kollegen im Kreis, die Wälder mit bis zu 30 Prozent Fichten betreuen, hat Armbruster, dessen Revier in Bietigheim-Bissingen den Stadtwald im Oberen Wald, Teile des Brandholzes und den Forst, der dem Land gehört, umfasst, den Vorteil, dass der Fichtenanteil hier gering ist. Nur noch sieben Prozent der Bäume im Staats- und Stadtwald seien Fichten.

Die Fichte sei zwar ein sehr gefragtes Bauholz, weil sie kleine Äste habe, harzarm, hell und leicht zu verarbeiten sei, doch als Flachwurzler sei sie bei Stürmen gefährdet und schädlingsanfällig. Vor dem verheerenden Sturm Lothar im Dezember 1999 habe auch in seinem Revier der Anteil bei über 20 Prozent gelegen, doch inzwischen würden aufgrund der Nachteile schon seit Jahrzehnten hier keine Fichten mehr nachgepflanzt.

Nur ein Gewitter bringt nichts

Während Freizeiteinrichtungen von der Sonne profitierten, wünscht sich der Förster deshalb sehnlichst Regen. Und zwar kein kurzes und heftiges Gewitter, sondern auf mehrere Wochen verteilter Regen. Am besten auch gleich im Frühjahr wieder, so Armbruster.

Er gehe zwar davon aus, dass der Holzeinschlag im Winter normal verlaufen werde, doch die Schädigung der Bäume könne Spätfolgen haben, mit Ausfällen in den kommenden Jahren. Deshalb sei es wichtig, dass die nächsten Sommer normal, das heißt mit ausreichend Niederschlägen verliefen. Auf diese Weise habe sich der Wald auch nach der Hitzewelle im Jahr 2003 wieder erholt.

Klar sei, so Armbruster, wenn noch zwei so trockene Sommer folgen würden, dann seien die Folgen für die Bäume weitaus drastischer. „Das wäre katastrophal“, sagt der Revierförster.

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