Die Startbedingungen für den städtischen Wald im Jahr 2019 waren denkbar ungünstig – die extreme Trockenheit sowie hohe Temperaturen 2018 setzten den Bäumen zu. Dr. Michael Nill, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Forsten im Landratsamt, wollte bei der Beratung des Nutzungs- und Kulturplans für 2020 im Ausschuss für Verwaltung und Finanzen aber keine Panik machen. Zwar sei auch in Bietigheim der Wald nicht ohne Schäden davongekommen, aber Nill ist guter Dinge, dass neue Bäume die entstandenen Lücken schließen können.

Wie dem Bericht der Verwaltung zu entnehmen war, wurden in diesem Frühjahr wieder zahlreiche Waldbereiche aufgeforstet. Und diese neu gepflanzten Bäume seien überwiegend gut über den Sommer gekommen.

Stärker gelitten haben vor allem die älteren Bäume. Durch die Vorschädigung und den Trockenstress der Vorjahre vertrockneten viele. „Seit 2016 hatten wir viele Ereignisse, die dem Wald geschadet haben“, stellte Nill fest. Bei den Ahornbäumen förderte die Trockenheit die Rußrindenkrankheit.

Vor allem traf es aber die Fichten. Sie fielen dem massenweisen Befall des Borkenkäfers zum Opfer. Nun wollen die Förster dafür sorgen, dass dort, wo durch diese Ausfälle Kahlflächen entstanden sind, eine neue Waldgeneration entsteht.

Überangebot an Schadholz

Das Ganze hat auch Auswirkungen auf den Holzverkauf. Laut dem Waldbericht sind durch das Überangebot an sogenanntem „Schadholz“, das bei der Entnahme von kranken und toten Bäumen anfällt, die Verkaufspreise einiger Holzarten in den Keller gegangen. Für Fichten- und Tannenholz können nur noch 30 bis 40 Prozent des Preises gegenüber dem Jahr 2018 erzielt werden.

„Wir hoffen auf einen verregneten Winter und Frühjahr“, sagte  Michael Nill im Ausschuss. Denn das mögen die Käfer nicht und die Larven haben eine geringere Überlebenschance. Der Borkenkäfer beeinflusse auch den Hiebsatz, der liege höher als vorgegeben. „Der lokale Brennholzmarkt ist aber ungefährdet“, so Nill.

Bei dem geplanten Holzeinschlag von 1250 Festmetern im kommenden Jahr im Stadtwald, der in Zusammenarbeit mit der Forstdirektion angesetzt wurde, wird mit einem Erlös aus den Holzverkäufen in Höhe von 80 000 Euro gerechnet.

Stadtrat Thomas Wiesbauer (CDU) wollte wissen, in welchem Zustand sich die hiesigen Wälder im Vergleich zu den umliegenden befinden. Im Landkreis gibt es verschiedene Schadensschwerpunkte, erklärte Nill. Der Südwesten sei betroffen. Beispielsweise hat es in Ditzingen und Heimerdingen besonders Buchen getroffen. Im Stromberg- und Kirbachtal vor allem Kiefern. Der Borkenkäfer trieb vor allem im Osten sein Unwesen. Schwierigkeiten haben die Bietigheim-Bissinger Wälder vor allem, weil durch Enzschotter wenig Wasser im Boden gespeichert wird.

Keine neuen Fichten mehr

Traute Theurer (GAL) erkundigte sich, welche Baumarten bei den Klimaveränderungen eine Chance haben. Der Fachbereich Forsten setze auf heimische Baumarten, sagte Nill. Allerdings gebe es auch Versuchsflächen, auf denen nicht-heimischen Arten getestet werden. „Wir sind hier ganz am Anfang und sind sehr vorsichtig“, meinte er, weil in der Vergangenheit Fehler passiert seien. Hier werden unter anderem Atlas- und Libanon-Zeder angepflanzt. Diese kommen gut mit Trockenheit aus, kennen aber auch Frostzeiten.

Fichten werden hingegen keine neuen mehr gepflanzt, fasste Michael Nill in der Sitzung zusammen.

Forstbetrieb: Neue Organisation


Im Rahmen der Forstneuorganisation, die inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, wird der Staatswald von einer zukünftigen Anstalt des öffentlichen Rechts verwaltet. Für den Kommunal- und Stadtwald bietet das Landratsamt Ludwigsburg ab 1. Januar 2020 einen forstlichen Betreuungsvertrag an. Dieser beinhaltet Leistungen zum Revierdienst, zur Wirtschaftsverwaltung und zur Kontrolle der Verkehrssicherungspflicht für die Waldflächen. Die Stadtverwaltung geht von Kosten in Höhe von knapp 20 200 Euro aus. Durch den Abschluss des forstlichen Betreuungs- und Holzverkaufsvertrages würde sich aber in der bisherigen forstlichen Praxis für die Stadt nichts ändern. bz