Am Sonntag, 8. März, findet die OB-Wahl in Bietigheim-Bissingen statt. Bislang ist laut Stadtverwaltung nur die Bewerbung des Amtsinhabers Jürgen Kessing von der SPD eingegangen. Der gebürtige Wormser wurde am 28. März 2004 mit 54 Prozent der Stimmen erstmals zum OB gewählt. Jahrzehntelang war die Stadt zuvor mit einem CDU-Mann an der Spitze geführt worden. Die Christdemokraten Karl Mai und Manfred List hatten die Aufbaujahre nach dem Krieg bewältigt und die Zusammenführung von Bietigheim und Bissingen umgesetzt. Kessings Wiederwahl acht Jahre später fiel deutlich aus: 96 Prozent erreichte der Amtsinhaber. Die CDU hatte keinen Gegenkandidaten aufstellen lassen.

Aktuell gibt es auch (noch) keinen Bewerber, den die CDU unterstützt. Warum eigentlich?

„Zunächst einmal stellen die Parteien ja keinen Bewerber auf, sondern die Kandidaten reichen ihre Bewerbungen individuell ein. Erst dann können Parteien sagen, wen sie unterstützen“, sagt Michael Jacobi. Er ist seit Kurzem Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Bietigheim-Bissingen. Auf den Einwurf, dass es für die stärkste politische Kraft in einem Gemeinderat durchaus nicht unüblich ist, Kandidaten für eine OB-Wahl zu suchen, erklärt Jacobi, dass die CDU tatsächlich mit zwei potenziellen Bewerbern Gespräche führe. Gezielt gesucht, habe man wohl nicht. In einem Fall habe Jacobi von einem möglichen Interesse gehört und dann den Kontakt aufgenommen. Beide potenziellen Bewerber hätten sich allerdings noch nicht entschieden, ob sie sich tatsächlich um das Amt bewerben wollen.

Bis 10. Februar können sich Bewerber noch melden. Wird es da nicht unwahrscheinlicher, dass sich tatsächlich noch jemand bewirbt, je näher das Datum rückt?

Die Gefahr sieht Jacobi grundsätzlich auch, aber er habe auch schon Wahlkämpfe erlebt, in denen Bewerber bis kurz vor Schluss mit der Verkündung ihrer Kandidatur gewartet hätten und dann wie „Phönix aus der Asche“ gestiegen seien, so der CDU-Vorsitzende.

Was ist bislang über die potenziellen Bewerber bekannt?

Dazu ob die beiden CDU-Mitglieder sind oder anderweitig eine Verbindung zur Partei haben, möchte sich Jacobi nicht äußern. Grundsätzlich komme es für die CDU aber nicht unbedingt darauf an, ob der oder die ein Parteibuch der Christdemokraten hat, wenn es um die Frage der Unterstützung gehe. Wichtig sei, dass es jemand Fähiges werde, der die „Stadt aus ihrem Tiefschlaf“ hole, erklärt Jacobi gegenüber der BZ.

Vieles werde nicht angepackt in Bietigheim-Bissingen. Jacobi nennt einige Beispiele, unter anderem die Bau- und Stadtplanung und kann sich einen Verweis auf Jürgen Kessings Ehrenamt als Präsident des Leichtathletikverbands nicht verkneifen. Man brauche in Bietigheim-Bissingen einen OB, der sich mit voller Kraft für die Stadt einsetze, so der CDU-Chef.

Macht es Jacobi am Ende selbst?

Auch wenn er nichts Weiteres über die Personen im Gespräch preisgeben möchte, erklärt er der BZ, dass er selbst nicht antreten werde. Er hege keinerlei Ambitionen dahingehend.

Warum kam es dann zum Wechsel an der Spitze des Stadtverbands?

Kai Hofmann habe vor allem aus persönlichen Gründen als Vorsitzender aufgehört, sagt Jacobi. Er war zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden (die BZ berichtete). Jacobi habe sich um den Vorsitz beworben, weil man in der Stadt einen neuen Weg im politischen Ehrenamt gehen wolle. So habe man die Mitarbeit erleichtert und auch zeitlich begrenzt ermöglicht. Laut Jacobi passe das parteipolitische Ehrenamt in der Partei in seiner bisherigen Form nicht mehr zur Lebenswirklichkeit. Deshalb versuche man nun, neue Wege zu gehen und das sei bislang schon erfolgreich. Man habe schon mehr Menschen, die mitarbeiten wollen als zuvor.

Fabian Gramling tritt nicht gegen Kessing an


Zu den prominenten Gesichtern der CDU im Landkreis gehört auch der Landtagsabgeordnete Fabian Gramling aus Bietigheim-Bissingen. Auf BZ-Nachfrage erklärt der in Besigheim aufgewachsene Gramling, dass er von einigen Seiten zu einer möglichen Kandidatur für die OB-Wahl angesprochen worden sei. „Ich habe das reiflich abgewogen und mich letztlich dagegen entschieden, weil es derzeit nicht in meine Lebensplanung passt.“ fr