Für Geschäftsführer Tobias Hopf von der Firma Auto-Blank ist die Welt noch weitgehend in Ordnung. Er kann beim besten Willen keinen Einbruch bei den Verkaufszahlen seiner Fahrzeugflotte erkennen und hält die Aufgeregtheit um den Abgasskandal eher für eine "Angelegenheit der Medien". Sein Argument: Nicht einmal in den USA habe es Einbußen gegeben. Im Durchschnitt verkauft sein Autohaus mit den drei Filialen in Kornwestheim und Bietigheim-Bissingen jährlich 2200 Fahrzeuge - und dabei soll es auch bleiben. "Wir sind jedenfalls guter Dinge", erklärte er gegenüber der BZ.

Die Presseprecherin der Hahn-Gruppe in Fellbach, Nicole Hahn, kann ebenfalls keinen relevanten Rückgang im Verkauf erkennen. Allenfalls entscheiden sich jetzt Privatkunden für alternative Fahrzeuge aus dem breiten VW-Angebot, das heißt für Fahrzeuge mit Benzinmotor. Für sie steht momentan die Aufklärung der Kunden an oberster Stelle der Firmenaktivitäten. Ganz wichtig sei dabei, darauf hinzuweisen, dass die in Europa jetzt angebotenen dieselgetriebenen Neuwagen mit der EU-Norm 6 alle gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen erfüllen.

Nicht alle VW-Händler im Kreis Ludwigsburg sind so auskunftsfreudig. Ganz im Gegenteil. "Wir geben dazu keine Auskunft", hießt es da oder, man habe dafür keine Zeit.

Für den Innungsobermeister der Kfz-Branche in der Region Stuttgart, den Ludwigsburger Thorsten Treiber ("Wir brauchen saubere Autos") ist klar, warum sich die VW-Händler und Servicestationen so bedeckt halten. Vermutlich kommt das dicke Ende für sie erst ab Januar, wenn die betroffenen Dieselfahrzeuge mit der Schummel-Software auf Weisung des Wolfsburger Konzerns nachgerüstet werden müssen. Denn dann wären auch die entsprechenden Zulieferer sowie die Händler und Werkstätten betroffen. Weil, wie Treiber aus Erfahrung weiß, der Mutterkonzern sie mit Mindestsätzen für ihre Leistungen und Arbeit bei der Nachrüstung abzuspeisen versuchen werde. Immer unter dem Motto: "Wir sind ja eine große Familie."

Auf jeden Fall werde jedoch der VW-Konzern seinen Spitzenplatz unter den Autobauern einbüßen.

Viel schlimmer ist für Treiber aber der Imageschaden, den die deutsche Industrie durch die VW-Abgasaffäre erlitten hat. Denn deren Produkte verkauften sich deshalb weltweit so gut, weil sie für Wertarbeit und Qualität standen. "Das ist sehr unglücklich für die gesamte deutsche Wirtschaft", meinte er.

Dabei steht der tatsächliche Schaden für die Marken VW, Audi oder Skoda nach neuesten Erkenntnissen noch nicht einmal fest. Bisher ist von 8,5 Millionen betroffenen Fahrzeugen auf EU-Ebene die Rede, die umzurüsten seien. Inzwischen aber wird weiter danach gefahndet, ob möglicherweise nicht noch mehr Fahrzeuge mit den Motoren der Baureihen EA 189 und EA 288 betroffen sind.