Der Erhalt des historischen Steillagen-Weinbaus ist auch in Bietigheim ein Thema. Es gibt seit vielen Jahren ein sogenanntes „Steillagenprogramm“, das Zuschüsse für die Wiederherrichtung von verwilderten Flächen gewährt. Auch die Instandsetzung von Mauern und Staffeln wird gefördert. Doch aus Sicht der Wengerter ist dies nicht genug. Jetzt soll ein Kraftakt helfen: Der Gemeinderat stimmt am kommenden Dienstag über eine Flurbereinigung im Bereich der terrassierten Weinbausteillage „Dürrer Berg“ ab.

Das Problem: Die Bewirtschaftung der Steillagen wird aus Sicht der erwerbsmäßigen Weinbauern wegen der gestiegenen Personal- und Sachkosten immer unwirtschaftlicher. Teile der Steillagen sind bereits aufgegeben worden.

Diese Tendenz werde befördert durch neue gesetzliche Regelungen, die den Weinbau auch auf bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen erlauben, so die Vorlage. Bisher weinbaulich genutzte, terrassierte Steillagen seien schon aufgegeben und auf ebene  Flächen verlagert worden. Die aufgelassenen Weinberge werden als Freizeitgrundstücke genutzt oder verwildern. Durch die Nähe von Freizeitgrundstücken und bewirtschafteten Weinbergen ergeben sich damit neue Konflikte, unter anderem mit Blick auf den Pflanzenschutz.

Wenn man wolle, dass in 10 oder 15 Jahren dort auch noch Weinbau betrieben werde, müsse man jetzt etwas tun, sagt Stephan Muck, einer der dortigen Wengerter und Stadtrat der Freien Wähler, auf Anfrage. Die Idee für die Neuordnung der Flächen habe sein Kollege Bernhard Schnaufer gehabt. Vom Landratsamt habe man bereits positive Signale erhalten.

Bewässerung und Aufzüge

Bei einer Flurbereinigung könnte der Bergweg „modernisiert“ werden, indem zwei Ausweichstellen und eine Wendeplatte angelegt werden, so der Vorschlag, der im Gemeinderat besprochen werden soll. Das soll die Bewirtschaftung erleichtern. Weiter ist an die Installation einer Anlage zur Tröpfchenbewässerung und die Herstellung von drei bis vier Transportbahnen gedacht. Es sei auch sinnvoll, Flächen zu tauschen, sagt Stephan Muck. Durch Zusammenlegung von Flächen zur Bildung wirtschaftlicher Größen mit durchgängiger Querbewirtschaftung soll der Arbeitsaufwand reduziert werden. Hier soll ein Nutzungskonzept erarbeitet werden.

Geklärt werden muss dabei laut Stadtverwaltung der Umgang mit Flächen, deren Nutzung bereits aufgegeben wurde und die brach zu fallen drohen. Auch eine Umstellung auf Premiumsorten mit entsprechender Vermarktungsstrategie wird ins Auge gefasst. Derzeit wachse dort zu 90 Prozent Trollinger, so Muck. Stattdessen könne er sich Merlot oder Cabernet Franc vorstellen.

Die Stadt rechnet mit Kosten von mindestens 150 000 Euro für Wendeplatte und Ausweichstellen. Die Bewässerungsanlage würde bei einer Fläche von 6,2 Hektar rund 136 000 Euro kosten, die Transportbahnen bei vier Aufzügen mindestens 80 000 Euro. Die Flurbereinigungsbehörde würde 65 Prozent dieser Kosten, also rund 186 000 Euro, bezuschussen, die restlichen 35 Prozent (rund 100 000 Euro) müssten die Grundstückseigentümer tragen. Die Stadt Bietigheim-Bissingen sei aber bereit, sich daran mit 80 000 Euro zu beteiligen, heißt es in der Vorlage.

Das weitere Prozedere: Falls der Gemeinderat zustimmt, werden im nächsten Schritt die Bewirtschafter und Eigentümer über das geplante Verfahren informiert. Falls diese Mitwirkungsbereitschaft signalisieren, wird das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung benachrichtigt und vorab dessen Zustimmung eingeholt. Dann könnten die Maßnahmen weiter konkretisiert und dem Gemeinderat abschließend vorgestellt werden. Der Antrag auf Anordnung eines Flurbereinigungsverfahrens kann dann zum September eines jeden Jahres beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung eingereicht werden.