Echte Rennatmosphäre herrschte am 15. Mai 1969 im Buch. Auf den Duft von Benzin und das Röhren von Motoren mussten die Zuschauer zwar verzichten, weil es sich lediglich um ein Seifenkistenrennen handelte, aber die Rennsportbegeisterung wurde dadurch vor 50 Jahren nicht im Geringsten geschmälert.

Der sportliche Ehrgeiz war enorm. Es ging um die spannende Frage, wer den Kreis Ludwigsburg bei den Bundesmeisterschaften, dem „Großen Opelpreis“ vertreten darf. Start war an der Breslauer Straße. Von dort ging es 350 Meter den Gröninger Weg hinunter zur Sudetenstraße. Bereits am Vormittag wurden die Seifenkisten in der Buchschule auf den normgerechten Zustand kontrolliert. Ab 11 Uhr fanden dann Probeläufe statt. Bei den B-Läufen waren zunächst nicht nach Vorschriften gebaute Seifenkisten am Start. Diese Kisten, Marke Eigenbau, fuhren nicht unter den strengen Regeln des Derbys, sondern schlichtweg zur Unterhaltung und Belustigung der Zuschauer. Die fahrenden Sofas und Eigenbauwagen hatten auch tatsächlich die Lacher auf ihrer Seite. Ordner sorgten dafür, dass keine Zuschauer die Rennstrecke während der Veranstaltung überquerten.

Um 14 Uhr starteten endlich die Boliden in der für die Qualifikation zum Großen Opelpreis relevanten A-Klasse. Um die leichte Kurve im Gröninger Weg auszugleichen, mussten die Rennfahrer zwei Durchgänge absolvieren. Jeweils zwei Boliden starteten von einer Rampe auf die Piste. Die Rennfahrzeuge erreichten immerhin rund 50 Stundenkilometer auf der abschüssigen Strecke. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club war für die elektrische Zeitmessung zuständig. In der Egerstraße war die Rennleitung. Von dort aus wurde das Renngeschehen über Telefon und Funk beaufsichtigt. Ein Reporter, der in der Mitte der Rennstrecke seinen Platz hatte, informierte die rund 3000 Zuschauer über die aktuellen Ereignisse auf der Piste und gab die Rennzeiten durch. Strohballen in den Kurven und im Ziel gewährleisteten die Sicherheit der Zuschauer und Rennfahrer. Der spannendste Standplatz war unten beim Zieleinlauf. Um die Fahrt nach dem Zieleinlauf abzubremsen, rauschten die Kisten geradewegs in mit Stroh gefüllte Säcke.

Eine gute Organisation des Rennens sorgte dafür, dass keine Langeweile entlang der Rennstrecke aufkam. Selbst Wurst- und Getränkestände waren für die Zuschauer eingerichtet. Das Fahrerfeld lichtete sich im Laufe des Nachmittags zusehends. Recht deutlich konnten sich allmählich drei Rennfahrer aus Möglingen letztendlich uneinholbar an die Spitze setzen. In einem spannenden Endlauf sicherte sich schließlich Rudolf Moz den Sieg. Er verwies Frank Henning und Helmut Pflugfelder auf die Plätze zwei und drei.

Der damalige Bürgermeister Lothar Späth nahm in Vertretung von Oberbürgermeister Karl Mai die Siegerehrung vor. „Bietigheim habe ein geräuschloses Rennen gesehen, für das man sich bei den Veranstaltern bedanke. Es freue ihn besonders, dass kein Verlierer unter den Jungen sei. Alle würden ihr Diplom erhalten“, so Lothar Späth. Unter dem Beifall der Zuschauer hängte Späth den Siegern die goldenen Siegerkränze um und überreichte ihnen ihre Urkunden und Medaillen. Zum Abschluss der Veranstaltung ließen die Zuschauer noch Ballons starten.