Sicherheit Vorahnung muss nicht eintreffen

Ein Blick in den Gästeblock beim Eishockey-Derby zwischen den Heilbronner Falken und den Bietigheim Steelers am vergangenen Sonntag in der Ege-Trans-Arena. Das Spiel stufte die Polizei als Hochrisiko-Begegnung ein.
Ein Blick in den Gästeblock beim Eishockey-Derby zwischen den Heilbronner Falken und den Bietigheim Steelers am vergangenen Sonntag in der Ege-Trans-Arena. Das Spiel stufte die Polizei als Hochrisiko-Begegnung ein. © Foto: Jan Simecek
Bietigheim-Bissingen / Jan Simecek 14.02.2018

Keiner außer den Beteiligten will sie, doch Fanausschreitungen gehören mittlerweile fast so zum Fußball wie Tore. Die Spiele anderer Sportarten waren davon, zumindest in Deutschland, weitgehend verschont geblieben. Doch im Eishockey werden Derbys inzwischen häufiger zum Hassgipfel. Das weiß auch die Polizei und stufte das Derby der Bietigheim Steelers gegen die Heilbronner Falken am vergangenen Sonntag als Risikospiel ein.

Die Meldung kam eigentlich zur Unzeit. Eine Woche vor dem Derby gegen Heilbronn vermeldete die Freiburger Polizei eine Massenschlägerei in Zusammenhang mit dem Bietigheimer Sonderzug in den Breisgau. Prompt wurde die Partie gegen Heilbronn deshalb zum Hochrisikospiel ernannt. „Diese Entscheidung trifft die Polizei. Dazu greift dann das Sicherheitskonzept, das vorab vom Ordnungsamt und unserem Sicherheitsdienst erstellt worden ist“, sagt Steelers-Heimspielleiter Manfred Renz. Organisatorisch hat er deshalb nicht viel mehr zu tun als bei anderen Heimspielen.

Das Sicherheitskonzept sieht beispielsweise vor, wie viele Ordner bei welcher zu erwartenden Zuschauerzahl vor Ort sein müssen. Eine halbvolle Halle unterscheidet sich nicht groß von einem ausverkauften Haus. Anders sieht es bei den zusätzlichen Polizeikräften aus. „Zwischen 4 und mehr als 50 Polizeibeamte sind je nach Spiel vor Ort“, heißt es von der Einsatzleitung. So ganz genau möchte man sich da aus taktischen Gründen nicht in die Karten schauen lassen. Ähnlich sieht es beim Ordnungsdienst der Stadt Bietigheim-Bissingen aus, das möglichst wenige Details des Sicherheitskonzepts nennen möchte. Gegen Heilbronn griff die Taktik, es gab keine nennenswerten Vorkommnisse.

Erstmals in der Derbygeschichte durften Besitzer von Karten auf der Gegengeraden und im Gästeblock die Halle nur über den Nordeingang betreten. Die Katakomben wurden überwacht, weil dort in der Vergangenheit bei einer Begegnung zwischen den Steelers-Amateuren und den Eisbären Heilbronn eine Rauchbombe gezündet worden war. Erstmals wurde sogar ein umzäunter Raucherbereich nur für die Falken-Fans ausgewiesen. Damit ersparte man sich erneute Kontrollen nach den Drittelpausen.

Auch die vor dem Spiel gezeigte Choreografie der Fans bewegte sich im Rahmen zum Sicherheitskonzepts. „Eine Viertelstunde vor Einlass prüfe ich zusammen mit der Feuerwehr und den Leuten, die die Choreografie angemeldet haben, ob tatsächlich das vorgeschriebene brandhemmende Material verwendet wird“, sagt Heimspielleiter Renz. Zertifikate müssen vorgelegt werden, es wird auch eine Feuerprobe gemacht. Einer der Veranstalter muss eine Unterschrift leisten und ist, falls doch nicht ordnungsgemäßes Material verwendet wird und etwas passiert, haftbar, so Renz.

Wie kann es trotz derartiger Vorkehrungen zu Vorfällen wie in Freiburger kommen? Ein führendes Mitglied der Bietigheimer Fanszene, der nicht namentlich genannt werden möchte, berichtet von den Ereignissen: „Als wir aus der Halle kamen, warteten dort bereits Freiburger Fußball-Ultras.“ Die Freiburger Polizei sei bei den Fans aller Sportarten bekannt, sagt der Steelers-Fan. Nach Darstellung der Polizei mussten die Beamten zwei rivalisierende Personengruppen trennen.

Doch nicht immer sind die Fans die Bösen, betont der Szenevertreter aus Bietigheim. Hier mussten beispielsweise schon Stadionverbote wieder zurückgenommen werden. Zudem werden Stadionverbote auch nicht überall gleich rigoros umgesetzt, ist sich der Steelers-Fan sicher: „Ich kann belegen, dass in Heilbronn Leute mit Stadionverbot kein einziges Heimspiel der Falken verpasst haben.“

In Bietigheim-Bissingen wird das Sicherheitskonzept aber konsequent umgesetzt. Und das beruhigt auch die Zuschauer, die einfach nur ein gutes Eishockeyspiel in der EgeTrans Arena sehen wollen.