Mondfinsternis Von der Stadt aus kaum zu sehen

Der Bissinger Horst Liebig mit seinem Spiegelteleskop. Um die Mondfinsternis zu sehen, muss der Hobby-Astronom jedoch raus aus der Stadt.
Der Bissinger Horst Liebig mit seinem Spiegelteleskop. Um die Mondfinsternis zu sehen, muss der Hobby-Astronom jedoch raus aus der Stadt. © Foto: Richard Dannenmann
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 27.07.2018

An diesem Freitagabend gibt es für die Hälfte der Welt ein besonderes Ereignis am Himmel: eine totale Mondfinsternis. Doch nicht nur das, diese Mondfinsternis ist mit einer Dauer von 103 Minuten die längste des 21. Jahrhunderts. „Eine totale oder auch eine partielle Mondfinsternis findet im Durchschnitt alle zwei bis drei Jahre statt“, sagt Astro-Amateur und Bissinger Horst Liebig. Also kein wirklich seltenes Ereignis. Doch die diesjährige totale Mondfinsternis ist dennoch eine Besonderheit: „Der Planet Mars ist zum selben Zeitpunkt erdnah, also in Opposition“, erklärt Liebig. Soll heißen, rund eine Stunde nachdem der Mond aufgeht, folgt der Mars und ist ebenfalls am Himmel zu sehen. Ein solches Zusammenspiel findet nur etwa alle 105 000 Jahre statt.

Raus aus dem Kessel

Trotz seines Spiegelteleskops, das sich Horst Liebig für sein Hobby angeschafft hat, kann er dieses Ereignis in seinem Garten – dort steht das Teleskop meistens – nicht sehen. Die Bepflanzungen, die Nachbarhäuser, aber auch die hellen LED-Straßenbeleuchtungen blockieren den Ausblick. „Der Mond steht sehr tief, rund zweieinhalb faustbreit über dem Horizont“, deswegen beobachtet Liebig die Finsternis mit Freunden in Ludwigsburg. Den Bietigheimern rät er „raus aus der Kessellage zu gehen“. Von der Stadt aus sei das Ereignis kaum zu sehen. Richtung Oberer Wald oder auch am östlichen Rand des Stadtteils Buch in Richtung Freiberg/Ludwigsburg sei die Sicht besser, sagt Liebig. „Schnappen Sie sich einen Stuhl und ein Fernglas und gehen Sie gegen 21 Uhr raus aus der Stadt“, empfiehlt der Astro-Amateur auch für andere Gemeinden und Städte.

Gegen 22.20 Uhr sollte die Mondfinsternis ihren Höhepunkt erreicht haben. „Der Mond steht dann im Südosten und westlich, also leicht schräg rechts, unterhalb des Mondes, ist der hell leuchtende Mars zu sehen“, Liebigs Hinweis ist wichtig, denn der orange-rote Mars ist an diesem Freitag nicht der einzige Planet der rot erstrahlt. Bei einer Mondfinsternis, die nur bei Vollmond stattfindet, blockiert die Erde das Sonnenlicht. Dadurch befindet sich der Mond im Schatten der Erde. Die rote Färbung entsteht durch langwelliges Licht  (rot), „das geht teilweise durch die Erdatmosphäre durch und wird vom Mond reflektiert“, erklärt er. Das Ergebnis: ein roter Mond. Gegen Mitternacht ist das Mond-Spektakel zu Ende, doch der Planet Mars wird bei klarer Sicht die ganze Nacht zu sehen sein.

Aber mit der klaren Sicht ist das so eine Sache. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und dem damit verbundenen Dunst, der derzeit herrsche, wird die Sicht behindert, weiß Liebig. „Der Mond wird eher blass und trüb sein. Auch eine Wolkendecke könnte den Mond-Beobachtern die Sicht verwehren. Doch die ist nach aktuellen Wettervorhersagen eher unwahrscheinlich.

Am Freitagabend ist am Himmel noch mehr geboten, so Horst Liebig: Neben Mond und Mars sind auch die Planeten Venus, Saturn und Jupiter zu sehen: „Am Westhorizont steht die helle, weiße Venus, im Südwesten steht der helle Jupiter ganz hell und im Süden der Saturn in gelblich-grau“, sagt Liebig. Der Astro-Amateur interessiert sich bereits seit rund 50 Jahren für die Astronomie, vor allem für Mars und Mond. „Da sehen wir direkt auf die Oberfläche und der Mars hat Jahreszeiten, die kann man beobachten“, erklärt er. Seine spektakulärste Beobachtung im Spätherbst 1989 war ein großes rötliches Polarlicht. „Das habe ich in unserer Region so nie wieder gesehen.“

Info Alle wichtigen Informationen zur Mondfinsternis gibt es online zusammengestellt. Astro-Amateur Horst Liebig empfiehlt diese Seite.

www.mofi2018.de

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