Was war, was kommt Vom Glasfaser- ins Kupferkabel

Jörg Palitzsch   über schnelles und noch schnelleres Internet  
Jörg Palitzsch  über schnelles und noch schnelleres Internet   © Foto: Andreas Lukesch
Jörg Palitzsch 16.06.2018

An dieser Stelle ist es mal wieder Zeit, Wunsch und Wirklichkeit gegenüberzustellen. So haben die Städte und Landkreise bisher nur einen kleinen Bruchteil der Fördermittel des für den Ausbau des so genannten „schnellen Internet“ abgerufen. Seit 2015 hat der Bund zwar rund 3,5 Milliarden Euro für Internet-Projekte genehmigt, tatsächlich abgeflossen sind bis Ende Mai 2018 aber nur rund 26,6 Millionen Euro, gleich 0,8 Prozent. Als Schuldiger wurde Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt auserkoren, der die Förderprogramme so kompliziert gemacht hätte, dass insbesondere die kleineren Städte und Gemeinden mit den Anträgen und umfangreichen Ausschreibungen heillos überfordert seien.

Ein Blick in die Kommunen zeigt, dass die einen schon weiter sind als die anderen, dass die einen  zunächst eine Beraterleistung mit Fördergeldern bezahlt haben und bei den anderen die Telekom mitmischt.

So will die Telekom etwa in Sersheim vor den Sommerferien mit dem Ausbau der Breitbandversorgung beginnen. Dazu werden neue Glasfaserkabel verlegt und bisherige Verteilerkästen zu „Multifunktionsgehäusen“ umgebaut. Das sind die großen grauen Kästen, die nur ins Ortsbild passen, wenn man sie hinter einer Hecke versteckt. In Sersheim sollen solche Kästen in der Eberhard-, Zeppelin-, Tal-, Sophie-Scholl-, Breslauer, Canaleser und Horrheimer Straße, im Dürer- und Parkweg sowie „Auf dem Kies“ hingestellt werden. Spätestens im Februar 2019 soll es im gesamten Ortsgebiet von Sersheim eine „schnellere“ Internetverbindung geben, die bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Download und bis zu 40 Megabit pro Sekunde im Upload ermöglicht. Kämmerer Matthias Hirner wies allerdings darauf hin, dass man seitens der Kommune weiterhin Leerrohre verlegen werde, vielleicht finde man ja irgendwann mal einen Betreiber, der noch schnellere Internetanbindungen zur Verfügung stellt.

Hirner weiß: Die Telekom legt die Glasfaserleitung nur bis zum Verteiler, also bis zum grauen Kasten in der Straße. Bis zu den Haushalten wird dann das bestehende Kupferkabel genutzt und bis zur Leistungsgrenze ausgereizt. Ziel der Telekom sei es, so der Vorwurf, möglichst viele Haushalte mit schnellerem Internet auszustatten, statt wenige mit dem schnellsten. Die Anforderungen steigen aber bald auf über 250 Megabit. Um diese Geschwindigkeiten zu erreichen, müssen dann erneut Straßen aufgerissen und das Kupferkabel durch Glasfaser ersetzt werden.

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