Kleintierzüchter Verein kann sich nicht auflösen

Das Vereinsheim der Kleintierzüchter im Finkenweg.
Das Vereinsheim der Kleintierzüchter im Finkenweg. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Martin Tröster 23.05.2017

Der Bietigheimer Kleintierzuchtverein hat kein Vereinsleben mehr. „Dieser Verein ist“, wie ein Züchter aus dem Landkreis sagt, „praktisch tot“. Allein, er kann nicht sterben. BZ-Informationen zufolge gibt es seitens der meisten Mitglieder das Bestreben, den Verein aufzulösen. Das funktioniert aber deshalb nicht, weil ein Vorstand seit Jahren nur noch auf dem Papier existiert. Und die Person, die dem Vereinsrecht zufolge eine zentrale Stellung für  die Auflösung des Vereins spielen müsste, ist laut übereinstimmenden Angaben aus dem Verein und aus dem Kreisverband der Kleintierzüchter nicht mehr erreichbar, und zwar schon lange: Dieter Heinisch.

Seit gut fünf Jahren habe es keine Hauptversammlungen mehr gegeben.. Auch habe der Verein keine Zahlungen mehr an den Kreisverband geleistet, wie ein Vereinsmitglied sagt und beim Kreisverband bestätigt wird.

Mehrere eingetragene Mitglieder haben versucht, den Vereinsvorsitzenden zu erreichen, doch bislang ohne Erfolg. Auch der BZ ist es nicht gelungen, den Vorsitzenden für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Vorsitzende des Kreisverbandes der Kleintierzüchter, Gerhard Bayha aus Markgröningen, bestätigt das: „Es sind viele ältere Mitglieder dabei, die wollen raus.“ In dem Verein sei die vergangenen Jahre ohnehin nichts mehr passiert, auch wenn offiziell noch „30 bis 40 Mitglieder“ (Bayha) gemeldet seien. Der Verein wurde 1903 gegründet. Bereits im Jahr 2003, bei der 100-Jahr-Feier in der Bietigheimer Aurainhalle, waren laut dem damaligen Bericht der BZ von den rund 125 Mitgliedern nur 15 als Züchter aktiv.

Hilfe von außen kommt nicht

Hilfe von außen kommt nicht, sie kann offenbar auch nicht kommen. „Wir vom Kreisverband können überhaupt nichts machen“, sagt Bayha. Er hat sich mit einigen verbliebenen Mitgliedern an die Stadt Bietigheim-Bissingen gewandt. Doch die Kommune könne da nicht viel machen, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. „Das muss vereinsrechtlich gelöst werden.“ Hochmuth bestätigt, dass das Problem bei der Stadt „seit Monaten“ bekannt sei.

„Wir verfolgen den Fall natürlich“, sagt Hochmuth. Nicht zuletzt wolle man auch wissen, wie es mit dem Vereinsgelände- und dem Vereinsgebäude weitergehe. „Wir haben natürlich immer Interesse, unabhängig davon, ob wir das Heim kaufen und für städtische Zwecke übernehmen würden oder nicht.“

Das Gebäude ist nicht im besten Zustand, auch das Grundstück wird von Nachbarn als störend ungepflegt wahrgenommen.

Die Auflösung eines Vereins

Einen Verein aufzulösen ist zunächst allein vom Vorstand zu erledigen, sofern er das Mandat des Vereines hat. Eine Ausnahme kann die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sein, oder wenn der Verein verboten würde, etwa wegen verfassungsfeindlicher Inhalte. Das Mandat, den Verein aufzulösen, kann nur die Mitgliederversammlung dem Vorstand geben. Eine Mitgliederversammlung kann aber nur vom Vorstand einberufen werden.

Laut einer Richterin am Amtsgericht Stuttgart, wo der Kleintierzüchterverein Bietigheim im Vereinsregister eingetragen ist, gibt es eine pragmatische Lösung, die vor allem aufgegriffen werde, wenn es „keine allzu große Gruppe“ sei: Die Auflösung geschähe über die Vollversammlung, die nicht vom Vorstand einberufen werden müsse. Um einen Verein auf diese Art und Weise aufzulösen, müssten alle Mitglieder ihre schriftliche Zustimmung erklären. mart