Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss  Uhr

Noch unbekannte Täter haben in der Nacht zum Mittwoch die Fassade des Paulaners in Bietigheim-Bissingen mit roter Farbe beschmiert und ein Fenster sowie zwei Glastüren eingeschlagen. Die Sachbeschädigung steht mutmaßlich im Zusammenhang mit dem Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbands Ludwigsburg, die am 23. Januar dort stattgefunden hatte (die BZ berichtete) und von einer friedlich verlaufenen Spontandemonstration mit rund 50 Teilnehmern begleitet worden war, teilt die Polizei in einer Pressemitteilung mit.

Antifa bekennt sich zur Tat

Unterdessen ist auf einer linksgerichteten Internet-Plattform ein Bekennerschreiben des antifaschistischen Kommandos (Antifa) veröffentlicht worden. Die Kriminalpolizeidirektion Böblingen hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Bislang liegen über den Absender des Bekennerschreibens keine polizeilichen Erkenntnisse vor. In dem Antifa-Schreiben, das am Mittwoch um 4.37 Uhr veröffentlicht wurde, steht unter anderem: „Wir haben dem Trachtenverein Bietigheim-Bissingen einen Besuch abgestattet.“ Tatsächlich hat der Trachtenverein bereits im Oktober 2017 das ehemalige Vereinsheim an die Stadt zurückgegeben.

Die Antifa-Bewegung nennt den Neujahrsempfang eine „Hetzveranstaltung“ und schreibt: „Nebenbei verdiente die AfD ordentlich mit, denn ein Ticket für den Neujahrsempfang hatte 20 Euro gekostet. 200 Tickets, munkelt man, wurden verkauft. Wir haben nun dem Veranstaltungsort unsere Rechnung präsentiert.“ Das antifaschistische Kommando fährt mit einer Beschreibung der Tat fort und erklärt das Handeln wie folgt: „Diese Aktion war notwendig, damit es sich der Trachtenverein in Zukunft zweimal überlegt mit der AfD gemeinsame Sache zu machen. Gasthäuser und Wirt*innen im Raum Ludwigsburg sollten sich bei zukünftigen Anfragen der AfD also lieber zweimal überlegen, ob sie rechte Hetzer und Faschisten bei sich aufnehmen wollen.“ Sie würden ähnlich bestraft werden.

Pächter Tim Heilig wollte sich zur Schadenshöhe und den Geschehnissen nicht äußern, doch merkte er an, „dass ich vom Paulaner lebe.“ Michael Mayer, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Ludwigsburg, nennt die Tat indes einen „Anschlag auf die Demokratie“. Zudem schreibt Mayer in einer Pressemitteilung, dass der AfD-Kreisverband Ludwigsburg diesen „perfiden Anschlag auf das Schärfste“ verurteile.

Bereits in seiner Begrüßung beim Neujahrsempfang soll Mayer gesagt haben: „Wenn uns Räume, so wie heute, abgesagt werden, wenn Gegendemonstranten ihren Hass uns entgegen brüllen, ja selbst wenn unsere Häuser oder gar unsere Leute angegriffen werden, dann machen wir was? Dann bleiben wir trotzdem besonnen, freundlich und korrekt.“

Info Der Neujahrsempfang der Alternative für Deutschland sollte ursprünglich in der Alten Kelter in Besigheim stattfinden. Wie die BZ berichtete, kündigte Bürgermeister Steffen Bühler den Mietvertrag. „Wir wollen die Veranstaltung nicht hier“, sagte Bühler auf BZ-Nachfrage.