Der Radsportverein Bissingen (RSV) hat lange soziale Verantwortung übernommen und unzählige Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit verschiedenen Disziplinen des Radsports begeistert. Nach mehr als 100 Jahren Vereinsgeschichte war jedoch 2017 Schluss: Aus Mangel an Mitgliedern, vor allem Nachwuchs sowie Nachfolgern in der Vereinsführung wurde der RSV aufgelöst (die BZ berichtete). Das sechsstellige Vereinsvermögen wurde an verschiedene gemeinnützige Einrichtungen verteilt. Unter anderem wurde der Förderverein der Schillerschule vor wenigen Tagen mit einer Spende in Höhe von mehr als 9200 Euro bedacht.

„Wir haben so gute Erfahrungen mit der Schule und über die Jahre viel vom überaus aktiven Schulleben mitbekommen“, sagen Heinz Schütt und Günter Eidmann. „Die Spende soll Anerkennung und Ansporn zugleich sein, wir sind überzeugt, das Geld ist hier in unserem sportlichen Sinne in guten Händen“, ergänzten die beiden ehemaligen Vorsitzende des RSV bei der Scheckübergabe vor wenigen Tagen.

Gutes Verhältnis

Das RSV-Training im Kunstradfahren konnte seit 1984 in der neu erbauten Turnhalle der Schillerschule stattfinden. Hier fühlte sich der RSV stets willkommen und konnte mit den Jahren ein sehr gutes Verhältnis zur Schulleitung und vor allem zum Hausmeister aufbauen. „Herr Brenner war immer hilfsbereit, wir haben uns einfach super verstanden“, erinnert sich Günter Eidmann, ehemaliger Veranstaltungsleiter des RSV, an den ehemaligen Schulhausmeister Adrian Brenner. Auch deshalb sei es dem RSV wichtig, die Schule zu unterstützen.

Die Förderung der Kinder werde an der Schillerschule gerade im unterrichtsergänzenden Bereich groß geschrieben. Im Sozialen genauso wie bei Bewegung und Sport. Der Förderverein finanziert die zahlreichen Präventionsprojekte, die regelmäßig an der Schule stattfinden. Darüber hinaus ist die Schule als „Gesunde Schule“ sowie „Schule mit sport- und bewegungserzieherischem Schwerpunkt“ zertifiziert. Es werde viel Wert auf das soziale Miteinander und Umweltaspekte gelegt, dies zeige sich auch in der Auszeichnung als „Fairtrade Schule“. Seit drei Jahren ist die Schillerschule zudem Referenzschule für Medienbildung für den Landkreis Ludwigsburg.

Schulhof attraktiver gestalten

Der Förderverein der Schillerschule Bissingen wurde 2015 ins Leben gerufen. Vom Gründungsvorstand sind nach wie vor Tina Daub, Sandra Haumann und Andrea Hildenbrand in der Vereinsführung aktiv. Der Förderverein zählt mittlerweile etwa 140 Mitglieder. „Wir haben uns riesig über die Spende des RSV gefreut“, sagt Hildenbrand, derzeit Schriftführerin des Födervereins. „Auch wenn wir unsere üblichen Ausgaben gut decken können und die Schule gut ausgestattet ist, gibt es doch das ein oder andere Schmankerl, das man sich mit so einem unverhofften Geldsegen leisten kann.“

Im Moment diskutiere der Verein viel darüber, wie der Schulhof attraktiver gestaltet werden kann, sodass den Kindern hier Anreize für Spiel und Bewegung geboten werde. „Wir haben immer mehr Kinder, die immer länger in der Schule sind, nicht nur im Ganztag. Denen wollen wir etwas Besonderes bieten. Ob das Fahrzeuge sind oder andere Spielgeräte, werden wir in Abstimmung mit der Schulleitung noch überlegen“, erklärt Andrea Hildenbrand.

Der Schulförderverein wolle ganz generell den Schulalltag für alle Kinder bereichern und trage dazu bei, vielfältige außerschulische Aktivitäten für alle zu ermöglichen. Ein besonderes Projekt ist die Leseförderung. Hier unterstützt der Verein seit seiner Gründung aktiv und eigeninitiativ die schulische Grundbildung und fördert einzelne Kinder nach Bedarf.

Mehr als 100 Jahre Vereinsgeschichte


Der Radfahrverein Bissingen wurde als Teil des Zentralvereins Sportvereinigung im Jahr 1905 gegründet. Der erste Vorsitzende war August Schrempf, der den Verein gemeinsam mit Wilhelm Hofer, Karl Scheuffele, Franz Schrempf und Paul Grotz gegründet hat.

Während der Nazi-Diktatur wurde die Arbeiter-Sportbewegung, welcher der Radfahrverein angehörte, verboten, das Vereinseigentum beschlagnahmt. Erst 1949 lebte der Verein unter dem Vorstand um Fritz Haiber wieder auf.

1954 wurde der Verein eigenständig. 1970 wurde der Verein umbenannt in Radsportverein Bissingen/Enz (RSV).

2005 feierte der RSV sein 100-jähriges Bestehen mit Festakt im Liederkranzhaus Bissingen sowie Festumzug und Hocketse.

In allen Bereichen nahm der RSV an Wettkämpfen in Bezirks-, Landes- und Oberliga teil und konnte zahlreiche Pokale gewinnen. Bis zum Jubiläum 2005 war der Verein im Kunstradfahren neunmal Deutscher Meister, 29-mal Süddeutscher Meister und 78-mal Württembergischer Meister. Außerdem erzielte der RSV 107 weitere Platzierungen.

2017 wurde die Auflösung des Vereins – nur noch 70 Mitglieder stark – beschlossen. Der amtierende Vorstand wurde mit der Liquidation des Vereins beauftragt. Nachdem die Vereinsgeschäfte ein Jahr ruhten, wurde das gut sechsstellige Vermögen 2019 an verschiedene gemeinnützige Einrichtungen gespendet. bz