Schwerpunkt Schulbeginn Unterrichtsversorgung: Lage ist „angespannt“

Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 08.09.2018

Der aktuelle Lehrermangel wirkt sich auch im Landkreis aus. Die Unterrichtsversorgung zum Schulbeginn sei über alle Schularten hinweg angespannt, sagt Hubert Haaga, Leiter des Staatlichen Schulamts. „Es konnten bis zum jetzigen Zeitpunkt rund 20 Stellen nicht besetzt werden.“ Vor allem die Sekundarstufe der Gemeinschaftsschulen und die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren seien betroffen, sagt Haaga. Auch Schulen in Bietigheim-Bissingen können davon ein Lied singen, wenngleich nicht alle.

„Bei uns sind noch mehrere Stellen nicht besetzt“, sagt Isolde Steigelmann, die Leiterin der Sandschule mit 550 Schülern und mehr als 50 Lehrern. Deren Kollegium hat sich auf einer dreitägigen Tagung, die seit Jahren vor Schulbeginn stattfindet, auch mit diesem Thema befasst. Die Rektorin nimmt ausdrücklich das Schulamt in Schutz, das sich viel Mühe gegeben habe, Lösungen zu finden. Doch es fehle beispielsweise an der Bereitschaft von jungen Gymnasiallehrern, die Lücken an der Sandschule, einer Gemeinschaftsschule (Klasse 1 bis 8) mit auslaufender Werkrealschule (Klasse 9 und 10), zu füllen. Die gingen lieber in die Wirtschaft, meint die Rektorin. Nun sollen Abordnungen aus anderen Schulen helfen. Isolde Steigelmann ist sich allerdings bewusst, dass dieses Mittel für die betroffenen Kollegen „alles andere als schön“ sei.

Notfalls Abordnungen

Dagegen kann Schulleiter Stephan Bender von der Waldschule Bissingen, der zweiten Gemeinschaftsschulen in der Stadt, nicht klagen. „Die Versorgung passt“, sagt er auf BZ-Anfrage. Allerdings mit der Einschränkung: „So lange es keine längerfristigen Erkrankungen gibt.“ An der Waldschule mit rund 400 Schülern unterrichten im kommenden Schuljahr 41 Lehrer, davon 4 neue. Eine Kollegin ist aus dem Erziehungsurlaub zurückgekehrt.

Die angespannte Situation schlägt sich an der Waldschule aber insofern nieder, als Bender eine Lehrkraft abordnen muss, um Lücken zu füllen. Die Waldschule verfüge aber über sogenannte „Krankheitsstellvertreterstunden“, sodass dies keine Ausfälle verursache.

Zufrieden mit der Situation ist Alexandra von Ostrowski, die Leiterin der Schillerschule (Grundschule), an der im kommenden Schuljahr 350 Schüler von 25 Lehrern unterrichtet werden, davon 4 neue Kollegen. Die Unterrichtsversorgung liege bei 100 Prozent, sagt die Schulleiterin. Das Schulamt habe für die Schule, in der es erstmals ein Ganztagsangebot gibt, eine ausreichende Versorgung gewährleistet, lobt Alexandra von Ostrowski. Ein Vorteil ihrer Schule sei auch, dass viele Lehrer hierher wollten.

Rund 40 befristete Verträge

Dr. Michaela Schmid, die Leiterin der Schule im Gröninger Weg, zählt zu den Rektoren, die keine 100-prozentige Unterrichtsversorgung vorweisen können. Das sei aber an ihrer Schule, die zu den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (100 Schüler, 40 Lehrer) zählt, nicht so ungewöhnlich, meint sie. Außer in einer Klasse, in der es einen Schüler mehr gebe, bleibe sie innerhalb der für diese Schulart vorgesehenen Klassengröße von 6 bis 8 Schülern.

Landkreisweit hat das Schulamt, dessen Zuständigkeitsbereich alle Schularten im Kreis außer den Gymnasien umfasst, zum Schließen von Lücken in der Unterrichtsversorgung  zum jetzigen Zeitpunkt rund 40 Lehrer mit befristeten Verträgen eingestellt, um längerfristige Ausfälle zu überbrücken. Doch Schulamtsdirektor Haaga warnt bereits: „Angesichts des ausgeschöpften Lehrerarbeitsmarktes wird es auch in diesem Jahr schwer werden, diesen Versorgungsstand bei zukünftigen längerfristigen Ausfällen das ganze Schuljahr über zu gewährleisten.“

Im abgelaufenen Schuljahr sei dies nur „durch die hohe Bereitschaft“ der Lehrer, Mehrarbeit zu leisten, durch den Einsatz von Pensionären und den Einsatz von nicht-wissenschaftlichen Lehrkräften in Vorbereitungsklassen für ausländische Schüler gelungen, hebt der Schulamtsdirektor hervor.

Haaga betont, dass die Lehrereinstellung noch nicht endgültig abgeschlossen sei. Das Schulamt schöpfe weiterhin „alle uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen“ aus,  um Schulen bei längerfristigen Ausfällen zu unterstützen. Dazu zählten der Versuch, ausgeschriebene Stellen doch noch zu besetzen, Deputatsaufstockungen, befristete Verträge sowie der Einsatz pensionierter Lehrer. Doch auch Abordnungen seien nicht auszuschließen, räumt der Leiter des Schulamts Ludwigsburg ein.

Lehrereinstellungen im Landkreis
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