„Deutsch geht gut!“ Überraschend reife Themen junger Menschen

Fabian Neidhardt ist zum ersten Mal Dozent bei dem Literaturprojekt „Deutsch geht gut!“. Er betreute an der Waldschule (Gemeinschaftsschule) Bissingen eine Gruppe von Mädchen, von denen drei am Donnerstag ihre Werke präsentierten.
Fabian Neidhardt ist zum ersten Mal Dozent bei dem Literaturprojekt „Deutsch geht gut!“. Er betreute an der Waldschule (Gemeinschaftsschule) Bissingen eine Gruppe von Mädchen, von denen drei am Donnerstag ihre Werke präsentierten. © Foto: Rena Weiss
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 18.05.2018

Der Tod eines Familienmitglieds, Mobbing an der Schule, ein Amoklauf oder die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendermenschen – die Texte der diesjährigen Schreibwerkstatt „Deutsch geht gut!“ handeln nicht etwa von seichten Themen, die man von 13- bis 16-Jährigen erwarten würde. Dieses Jahr handeln sie viel von Gleichberechtigung, Politik, Ängsten und Sorgen der 26 Teilnehmer der Schule im Sand, Waldschule, Realschule im Aurain sowie der Gustav-Schönleber-Schule Bietigheim-Bissingen (die BZ berichtete).

„Dieses Jahr ist die Themenauswahl sehr rührend und bewegend“, sagt Ines Franzke-Stahl. Sie ist eine von drei Dozenten, die den freiwilligen Teilnehmern das literarische Schreiben näherbringen wollte. So auch Fabian Neidhardt, der zum ersten Mal bei „Deutsch geht gut!“ mitmachte. „Ich wurde vollkommen in die Themenwelt meiner Gruppe geworfen“, sagt er. Und die bestand aus sieben jungen Frauen. Seine Schüler haben sich, so Neidhardt, an die „Königsdisziplin Roman gewagt“ und lasen nur Ausschnitte daraus vor.

Am Donnerstagabend präsentierten die Gruppen ihre Geschichten in der Gemeinschaftsschule im Sand. „Meine Mutter hatte mal wieder keine Zeit zu kommen“, schrieb ein Mädchen in ihrem fiktiven Text. Doch auch am Abschlusstag der Schreibwerkstatt schafften es nur wenige Eltern zu kommen. Dennoch schrieb nicht jedes Kind von eigenen Erfahrungen oder Wünschen. Zwei Mädchen schrieben jeweils eine Horrorgeschichte mit sogenannten „Cliffhanger“, denn das Ende verrieten sie beide nicht, sondern beendeten ihre Lesung im spannendsten Moment.

Der Literatur näherbringen

Überraschend war es auch für die Dozenten. So auch für BZ-Redakteurin Gabriele Szczegulski, die von Anfang an, also bereits zum 16. Mal, Dozentin ist. „Selbst wenn man am Anfang Pläne schmiedet, ist in der Gruppe alles anders und jedes Mal neu“, sagt sie. So habe sie, für eine Schreibwerkstatt ganz untypisch, dieses Jahr viel mit ihren Schützlingen gesprochen statt geschrieben. Aus Erfahrung wisse sie jedoch, dass viele im nächsten Jahr wieder an dem Projekt „Deutsch geht gut!“ teilnehmen. „So ein Projekt schweißt zusammen“, sagt auch Fabian Neidhardt, der seit rund zehn Jahren ähnliche Projekte betreut.

Gemein haben die Dozenten unter anderem, dass sie jungen Menschen Literatur näherbringen wollen. „Als ich in dem Alter war, wurde ich von einem Menschen – wie ich jetzt einer bin – unterstützt“, sagt Neidhardt, der, wie er sich selbst nennt, Straßen­poet. Das habe ihn beeinflusst und er hoffe, die gleiche Wirkung zu haben.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen unterstützt das Projekt ebenfalls und Bürgermeister Joachim Kölz versicherte am Donnerstag, dies auch nächstes Jahr zu tun.

Info „Deutsch geht gut!“ ist ein Projekt der Schule im Sand, der Waldschule, der Realschule im Aurain, der Gustav-Schönleber-Schule, der jeweiligen Fördervereine sowie der Stadt Bietigheim-Bissingen. In den mehrwöchigen Schreibwerkstätten leiten die Dozenten die Schüler an, eigene Texte zu produzieren.

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