Bietigheim-Bissingen Über die Kraft der Lieder

Bietigheim-Bissingen / SUSANNE YVETTE WALTER 10.10.2015
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Time to talk" gab es im Kronenzentrum in Bietigheim eine Begegnung mit Gesangscoach und Sängerin Beate Ling. Singen, so das Fazit ihres Vortrags, sei immer gut für die Seele.

Es war ein Donnerstagabend, der unter die Haut ging. Trauer, Tod und Trennung machte Beate Ling, Sängerin, Gesangscoach und Gesprächskreis-Referentin, auf ihre feinfühlige und doch direkte Art zum Thema. Für einen Besuch im Bietigheimer Kronenzentrum gewannen sie die Macherinnen von "Time to talk", einer Untergruppe von "Frühstückstreffen für Frauen e.V."

Beate Ling die Liedermacherin, die auch Gesangsgrößen musikalisch auf den Weg bringt, ist bekannt dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, weder in ihren Liedern noch im direkten Dialog mit ihren Zuhörern. Sie leitet nicht nur Stimmbildungsseminare für Chöre, Bands und Solisten. Sie leitet auch Stimmungsabende, die Wege weisen und Wege aufzeigen, die Beate Ling selbst gegangen ist.

Rund 50 Frauen erzählt sie im Kronenzentrum, wie sie selbst mit dem frühen Unfalltod ihres Bruders gelernt hat umzugehen. Beate Ling, die Sängerin, die einst Lehramt studiert hat, heute in Stuttgart lebt und in Pforzheim geboren ist, hielt sich in ihren akuten Trauerphasen auch an die Musik. Sie selbst weiß um die Kraft der Lieder: "Es gibt Lieder, die einen besonders begleiten. Lieder, die ein Gefühl auf den Punkt oder die Erinnerung an eine bestimmte Zeit zurück bringen. Lieder, die ein ganzes Kapitel Lebensgeschichte in ein einziges Stück Musik gießen können", sagt sie und schöpft in Bietigheim aus ihrem achten Soloalbum. Bewusst hatten die Organisatorinnen aus der Region einen neutralen Ort der Begegnung und kein Gemeindehaus gewählt, um die nicht abzuschrecken, die Berührungsängste mit dem christlichen Rahmen haben.

"Die abgründigen Zeiten, die gehören auch zu meinem Leben", gibt Beate Ling weiter und erzählt von ihren eigenen Erfahrungen mit dem plötzlichen Abschied. In ihren Liedern umschreibt sie den hilflosen Umgang mit dem Phänomen Trauer, spricht von "Klage ohne Ton" und macht im Refrain ihre mögliche Marschrichtung transparent. "Und sie singen an den Gräbern" heißt es in ihrem Lied.

Viel Zeit habe sie mit den Trauerritualen anderer Kulturen verbracht, lässt sie wissen und festgestellt, dass das Phänomen Tod in anderen Kulturen völlig anders gesehen wird. "Trauer ist das einzige Gefühl, das keine Vergangenheit kennt. Ich habe die Trauer angenommen. Das war ein entscheidender Schritt", sagt sie. Im gleichen Jahr, als ihr Bruder starb, wurde Beate Ling geschieden. "Ich musste mir eingestehen, dass mein Projekt Ehe gescheitert war. Ich hatte Schuldgefühle, die mich zermalmen wollten." Trost fand sie im Römer-Brief in der Bibel.

Im Bietigheimer Kronenzentrum ermutigt sie ihre Zuhörerinnen, in erster Linie in sich hineinzuspüren und selbst zu merken, für welche Formen der Hilfestellungen jeder einzelne empfänglich ist. Es war ein Abend zwischen gesungenen und gesprochenen Botschaften, gekürt vom gutem Essen, "um dem Winter des Lebens seine ohnmächtig machende Kraft zu rauben", so Beate Ling.

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