Bietigheim-Bissingen Tradition vom Aussterben bedroht

Claudia Pohl verwendet bei ihrer Kerzenherstellung nur Bienenwachs.
Claudia Pohl verwendet bei ihrer Kerzenherstellung nur Bienenwachs. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / BETTINA NOWAKOWSKI 12.01.2015
Der traditionelle Familienbetrieb "Holz- und Wachskunst Pohl" in der Bietigheimer Innenstadt ist der einzige im Landkreis Ludwigsburg, der eine immer seltener werdende Handwerkskunst betreibt.

Das handwerkliche Talent wurde Claudia Pohl in die Wiege gelegt: Schon der Großvater und der Vater, der 1980 das Fachgeschäft für Holz- und Wachskunst eröffnete, waren Schnitzer. "Ich bin irgendwie ins Geschäft reingerutscht", erklärt sie. "Eigentlich wollte ich in Richtung Touristik was machen, aber dann hat es mir einfach Spaß gemacht, im Betrieb mitzuarbeiten."

Der Vater hat sich inzwischen aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, hilft aber immer wieder aus im Familienbetrieb "Holz- und Wachskunst Pohl". Claudia Pohl hat sich ihre handwerklichen Kenntnisse im Holzschnitzen in Oberammergau und für das Kerzengießen in Regensburg angeeignet. "Es ist ein aussterbender Beruf, für den es bald keine richtige Ausbildung mehr gibt", stellt sie fest. Vor allem ist es ein Handwerk mit einer jahrhundertelangen Tradition. Früher waren noch große Heiligenstatuen wie eine Madonna gefragt, doch "das sind heute nur noch Liebhaberstücke", erklärt sie. Neben Holzschnitzereien und Krippenfiguren hat sie Dinge für den Alltag im Sortiment: Vesperbretter, Türschilder und Nudelhölzer, Schlüsselanhänger und Lederarmbänder, die auf Wunsch mit eingebrannten Namen oder Sprüchen verziert werden.

Etwas Besonderes sind die selbstgezogenen Duft- und Bienenwachskerzen. Geburtstags-, Hochzeits-, Tauf-, Kommunions- und Konfirmationskerzen werden auf Wunsch des Kunden individuell in Handarbeit verziert. Das Dekor habe sich im Laufe der Jahre geändert, heute seien mehr Glanz und Glitter gewünscht. "Es ist ein traditioneller Bereich, aber die Ausarbeitung ist sehr individuell und kreativ", so Claudia Pohl. Für die Bienenwachskerzen benutzt sie Granulat, das auch in der Kosmetik verwendet wird, weil es besonders sauber und frei von Rückständen ist. Die Duftkerzen werden mit natürlichen Essenzen von Lavendel, Orange, Rosen oder Apfel, Zimt und Vanille für die Weihnachtszeit hergestellt und mit Erdfarben gefärbt. "Alles dafür gibt es in der Natur."

Jedes Jahr ist sie mit einem Stand auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt. "Die Leute besinnen sich wieder mehr auf Traditionelles", so ihre Feststellung. Während im Herbst und Winter das Hauptgeschäft auf den Kerzen liegt, ist Claudia Pohl mit ihrem Vater während der Freiluftsaison auch in Tripsdrill zu finden. "Diese Zusammenarbeit entstand noch zu Lebzeiten des Seniorchefs", erzählt sie. Die Beschilderung und die Lehrtafeln auf dem Walderlebnis-Pfad wurden im handwerklichen Betrieb hergestellt und werden bis heute noch gepflegt und in Stand gehalten. Von Ostern bis zu den Herbstferien ist sie mit einem Stand in Tripsdrill vertreten. "Da macht auch der Vater noch mit, die Arbeit in der Natur macht ihm Spaß", so Claudia Pohl. Die Präsenz in Tripsdrill und auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigsburg sind eine gute Ergänzung zum Ladengeschäft. Claudia Pohl hofft, dass der augenblickliche Trend der Kunden, sich wieder auf Produkte aus dem traditionellen Handwerk zu besinnen, anhält: "Es ist wichtig, dass es solch kleine Läden wie unseren gibt. Sie beleben auch die Innenstadt und sorgen dafür, dass wieder mehr Leute in die Stadt kommen."

Zahlen und Fakten

Gründungsjahr: 1980

Firmensitz: Bietigheim-Bissingen

Geschäftsinhaberin: Claudia Pohl

Leistungsspektrum: individuelle Herstellung und Gestaltung von Holzwaren und Kerzen