Bietigheim-Bissingen / ANDREAS LUKESCH Die Stadt Bietigheim-Bissingen baut an immer mehr Bolzplätzen die Tore ab. Damit sollen die Plätze für junge Erwachsene unattraktiver werden. Ein Vorgehen, das nicht überall auf Verständnis trifft.

Für die Söhne von Matthias Haag gehören zu einem Bolzplatz auch zwei anständige Tore, sonst macht das Kicken keinen Spaß. Doch genau diese Tore gibt es auf dem von den Jungs und ihren Freunden bevorzugten Bolzplatz am Weilerlen nicht mehr. Sie wurden abgebaut und werden auch nicht wieder installiert.

Für Vater Haag ein echter Aufreger: "Wo bleibt denn da noch die Chance in unserer Stadt für die jugendlichen Freizeitspieler?", fragt er in einem Brief an die BZ und die Stadt. Er ist nicht der einzige Bietigheimer, der mit Unverständnis auf die Rückbau-Aktion der Stadt reagiert, zumal nicht zum ersten Mal Tore auf aufwändig hergestellten Bolzplätzen verschwinden. Im Sand, in der Turmstraße und in Untermberg sind die Flächen mittlerweile ebenfalls torlos.

Der Hintergrund der Maßnahmen klingt auf den ersten Blick tatsächlich völlig widersprüchlich. Die Bolzplätze sollen durch den Abbau der Tore unattraktiver werden - unattraktiver für junge Erwachsene, die offenbar gerne in den späten Abend- und Nachtstunden die Anlagen aufsuchen und dort nicht nur leise vor sich hinkicken, sondern mitunter sehr lautstarke Treffen veranstalten.

In der Nachbarschaft lassen bei einer solchen Fehlnutzung, wie es im Sprachgebrauch der Verwaltung heißt, die Proteste der Anwohner in der Regel nicht lange auf sich warten. Sie beschweren sich bei der Stadt, und die muss reagieren. In den vorliegenden Fällen hat sie dies mit dem Abbau der Tore getan. Nach allen Erfahrungen seien torlose Bolzplätze als spätabendliche Treffpunkte junger Erwachsener weniger beliebt, erklärt Stadt-Sprecherin Anette Hochmuth. Die Stadt greife auf dieses Mittel zurück, um den Bolzplatz nicht komplett schließen zu müssen. "Denn das wäre die nächste Konsequenz. Die Kinder und Jugendlichen können sich auf den Plätzen ja behelfen und die Tore mit Jacken oder Taschen markieren", ist sich Hochmuth sicher.

Matthias Haag weiß, dass so markierte Tore keine Alternative sind: "Die Jugendlichen wollen richtige Tore, sonst macht es keinen Spaß. Meine Kinder jedenfalls waren seit dem Abbau der Tore nicht mehr dort."

Hochmuth bedauert das, sieht auf absehbare Zeit aber kaum Chancen, dass der Bolzplatz Weilerlen irgendwann wieder mit Toren ausgestattet werden könnte. "Die Maßnahme greift. Überall dort, wo die Tore abgebaut wurden, mussten wir zwar zunächst um Verständnis werben, dann hat aber die Einsicht gesiegt. Und tatsächlich gibt es in den betroffenen Bereichen mittlerweile keine Beschwerden mehr."

Dabei hatte man es in Sachen Weilerlen auch mit einer anderen Maßnahme versucht. Ein Anwohner hatte sich laut Hochmuth bereit erklärt, den Bolzplatz abends und nachts abzuschließen. Doch dazu sei er mittlerweile nicht mehr bereit, weil er sich nicht den ständigen Attacken der Jugendlichen und jungen Erwachsenen habe stellen wollen, die ohnehin nicht auf ihn gehört hätten. Matthias Haag kann das alles nur verwundert zur Kenntnis nehmen. Auch er sei natürlich gegen nächtliche Ruhestörungen, aber Auffälligkeiten am Bolzplatz Weilerlen seien ihm bisher nicht zu Ohren gekommen. Und was das Abschließen anbelange, da müsse sich doch eine Lösung finden lassen, möglicherweise sogar mit dem benachbarten Tennisclub. Hauptsache, der Bolzplatz werde wieder mit Toren ausgestattet.