Jede freie Ecke des Kronenzentrums wurde am Wochenende zur Umkleide umfunktioniert: der kleine Saal, hinter der Bühne, selbst die eigentliche Gäste-Garderobe. Der Grund: das Dance Festival der Tanzschule „Move Me!“ aus Bietigheim-Bissingen und Ludwigsburg. 500 Tänzer insgesamt traten bei den drei Aufführungen auf und präsentierten alles, was es bei der Tanzschule zu lernen gibt: Hip-Hop, Breakdance, Standard, Latein, Formation, Modern Dance, Ballett und vieles mehr.

So unterschiedlich die Stilrichtungen, so unterschiedlich waren auch die Darbietungen der einzelnen Gruppen. Angefangen von den Frisuren, über die Kostüme bis hin zu der Musik. Ein Charakter stach allerdings besonders heraus. Mareike Hirschberg spielte Mullewatz, den Namensgeber des Dance Festivals. In einer fernen Galaxie, irgendwo in den unendlichen Weiten des Universums, weit weg von der Erde, lebt ein kleiner Außerirdischer. Sein Name ist Mullewatz. Mit diesen Worten begann das Dance Festival und stellte den Besuchern den Alien mit pinkem Wuschelkopf und blauem Fellkostüm vor. Schon bei den Proben bescheinigte die künstlerische Leiterin, Christina Blokkus, Mareike Hirschberg ein außerordentliches Schauspieltalent. Hirschberg überzeugte mit ihren großen Augen und starker Mimik. Das bestätigt auch Sven Steffen Gehring, Leiter der Tanzschule: „Unser Mullewatz ist jetzt der große Star bei den Kids. Er konnte nicht mehr unbemerkt durch die Massen gehen, ohne in Beschlag genommen zu werden.“

Ähnlich könnte es auch Ann-Kristin Joerres und Michael Mack ergangen sein. Ihr zeitgenössischer Tanz zeigte ein unglückliches Liebespaar, das sich im Tanz auseinanderlebte, wiederfand, nur um sich im dramatischen Finale wieder zu entfremden und Ann-Kristin Joerres leidend alleine zurückließ. Mal schnell, mal langsam, zeigte vor allem Joerres ihr Talent und Körperspannung bis in die Zehenspitzen. Das war auch wichtig beim ausverkauften Kronensaal, denn auch die hinterste Reihe sollte den Ausdruck, die Spannung und die Darstellung erleben und mitfühlen. Dies zu vermitteln gelang auch den Darstellern von Survivor, Wonderful World, Über den Dächern und Back Home, um nur einige zu nennen.

Mit Trampolin auf der Bühne

Ganz genretypisch war die Stimmung bei den Hip-Hop- und Breakdance-Darbietungen – auch im Publikum. Hier wurde gepfiffen und gejubelt. Dazu trug auch Choreografin Mira Kison bei. Sie war mit ihrer Jumping-Fitness-Gruppe auf der Bühne. Auf einem Trampolin sprangen die Tänzer in einer Geschwindigkeit herum, dass einem schon beim Zusehen die Puste ausging. Besonders war dabei, dass sie leuchtende Schuhe anhatten und zeitweise nur die Schuhsohlen im dunklen Saal zu sehen waren. Wer dann noch nicht überzeugt war, der schmolz spätestens bei den kleinsten Tänzern dahin, die im Tutu auf die Bühne stolzierten und zu Tschu Tschu Wa und Baby Shark tanzten – und damit vermutlich so manchem einen ungeliebten Ohrwurm verpassten.

Es war ein gelungenes Dance Festival, das zeigte auf welch hohem Niveau die Hobby-Tänzer hier ausgebildet werden. Damit legte die Schule aber auch die Latte hoch und zeigte, bei dem ein oder anderen haperte es noch an der Synchronität und an der Körperspannung. Noch, denn hier tanzen Mamas, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene – fern von jeder aufgezwungener Diät –, die Spaß am Tanzen haben. Etwas, dass der Tanzschule „Move Me!“ wichtig ist und sie am Wochenende mit einer vielfältigen Gesamtkomposition eindrucksvoll zeigte. So wurden die Tänzer und das Team hinter den Kulissen zu Recht mit stehendem und lang anhaltendem Applaus belohnt.