Bietigheim-Bissingen Tanzend in ein neues Leben

Elisabeth und Willi Walz aus Bietigheim-Bissingen feiern den Valentinstag nicht groß, doch Zeit für Zärtlichkeiten muss trotzdem sein.
Elisabeth und Willi Walz aus Bietigheim-Bissingen feiern den Valentinstag nicht groß, doch Zeit für Zärtlichkeiten muss trotzdem sein. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Rena Weiss 14.02.2018

Als sich Elisabeth und Willi Walz kennenlernten, lag sie ihm zu Füßen. Was zunächst wie eine süße Liebeserklärung klingt, war schmerzhafte Wahrheit. Denn Elisabeth Walz, damals Reisenbüchler, lernte Willi Walz beim Tanzen kennen. Ihr damaliger Tanzpartner setzte zu einer Discofox-Figur an, bei der sie sich nach hinten lehnen musste. Sein stützender Griff verfehlte und Elisabeth Reisenbüchler landete auf dem Boden.

Das Tanzen gab sie dennoch nicht auf und mittlerweile ist es das gemeinsame Hobby des Ehepaars. Deswegen wollten sie eines der Paare sein, das an diesem Mittwoch zum Valentinstag im Gemeinde­saal der Pauluskirche auf das Tanzparkett geht. Dort wollte die evangelische Gemeinde in Kooperation mit der Tanzschule Harry Hagen zum ersten Mal einen Tanzabend für Paare veranstalten. Doch, der Abend muss ausfallen, das teilt Pfarrerin Christa Epple-Franke der BZ am Dienstagabend mit: „Es gab einfach zu wenig verbindliche Anmeldungen.“

„Der Valentinstag gilt zwar der Jugend, doch obwohl wir zur älteren Generation gehören, möchten wir diesen Tag trotzdem feiern“, sagt die 68-Jährige. Es sei eben ein Tag der Liebenden und „wir lieben uns immer noch“, betont Elisabeth Walz und lächelt ihren Mann dabei an.

Vor mehr als zehn Jahren stolperte Elisabeth Walz in Willi Walz’ Leben, doch ein Paar wurden sie nicht sofort. „Wir trafen uns regelmäßig beim Tanzen und hielten Kontakt“, erinnert sich der 73-Jährige. Richtig zusammen kamen sie, als Elisabeth Walz ihren künftigen Ehemann vom Flughafen abgeholt hatte. „Ich hatte doch nur einen Scherz gemacht, aber da stand sie“, sagt Willi Walz und am 8. August 2014 um 8.08 Uhr wurde standesamtlich geheiratet. „Darauf habe ich bestanden. Die Standesbeamtin hat extra eine Minute und 20 Sekunden gewartet“, sagt Willi Walz. Es ist diese Verspieltheit, der schelmische Witz, dem Elisabeth Walz verfallen ist. Die kirchliche Trauung folgte diesen Januar.

Es ist nicht die erste Liebe der beiden Ruheständler. Beide waren bereits verheiratet und haben jeweils zwei Töchter aus erster Ehe. „Als mein erster Mann Hans verstarb, war ich eineinhalb Jahre nur auf dem Friedhof und zu Hause“, sagt Elisabeth Walz, „doch dann habe ich mir gesagt: Elisabeth, entweder du lebst jetzt oder du lässt es bleiben!“

Im Tanzen fand sie ihren Lebensmut wieder und ihren Ehemann. „Beim Tanzen kann man seine Gefühle ohne große Worte, sehr treffend ausdrücken“, sagt Elisabeth Walz. Es entstehe ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das man nur beim Tanzen finden könne. „Wir gehen zwei bis drei Mal in der Woche zum Tanzen“, fügt ihr Ehemann hinzu, und wenn er nicht so gut tanzen könnte, wäre sie heute nicht mit ihm verheiratet, erklärt sie. „Ein Mann, der nicht gut tanzen kann, kommt für mich nicht in Frage.“ Ihr Lieblingstanz ist der Tango, da können sie sich ganz nahe kommen und den Tanz darf auch keiner mit einem anderen Partner tanzen. „Tango ist halt leidenschaftlich“, sagt Elisabeth Walz.

Wenn das Ehepaar nicht gerade tänzelnd durchs Leben geht, dann sind auf ihrem Stückle in Mühlacker. Hier hat sich der ehemalige Wengerter einen Traum verwirklicht und 108 Rosenstöcke angepflanzt. „Aber zum Valentinstag gibt es keine Rosen“, sagt er und fügt hinzu, „vielleicht gibt es statt zwei Küsse halt drei“.

„Das Leben ist so kurz, man muss es genießen“, sagt die 68-Jährige, die früher bei der Stadt Stuttgart gearbeitet hat und auch schon Vizepräsidentin eines Karnevalvereins war. So ist ein weiteres Hobby der beiden das Vereisen. „Ich schwätz kein Wort Englisch und hab ein Viertel der Welt bereist“, sagt Willi Walz mit einem Lächeln im Gesicht.

Valentinstag-Tanzabend ist abgesagt

Der Tanzabend zum Valentinstag der evangelischen Kirchengemeinde und der Tanzschule Harry Hagen musste kurzfristig abgesagt werden. Bis zuletzt hoffte Pfarrerin Christa Epple-Franke auf weitere Anmeldungen. „Schweren Herzens müssen wir den Tanzabend absagen“, sagt sie. Es gab nicht genügend verbindliche Anmeldungen. „Es haben sich aber viele Paare für den Tanzabend interessiert“, sagt Christa Epple-Franke.

Es sollte ein Alternativprogramm zum sonst so kommerziellen Valentinstag werden. Doch Epple-Franke ist positiv gestimmt, dass es vielleicht in einer anderen Form in naher Zukunft klappen könnte. rwe