Harry Hagen, Inhaber einer Bietigheimer Tanzschule und Mitveranstalter der großen Tanz-WM, wirkte am frühen Samstagnachmittag noch recht entspannt, als die ersten Vorrundenpaare vor den Wertungsrichtern ihre  Choreografien auf der geräumigen Parkettfläche der EgeTrans-Arena hinlegten. Bietigheim war nach 2005 zum zweiten Mal Austragungsort des Großevents.

Rund 150, zum großen Teil turniererfahrene Tanzpaare waren mit ihren Trainern aus Deutschland, Österreich, Italien, Polen, Russland, der Schweiz und der Türkei angereist, um gegeneinander anzutreten. Der ambitionierte Bietigheimer Tanzlehrer hatte als Hauptverantwortlicher das Event minutiös durchgeplant, so dass die Turnierrunden (beim Discofox in vier, im Salsa in zwei Altersgruppen) und das umfangreiche Beiprogramm wie am Schnürchen abliefen. Die Stimmung in der Arena war freudig und ausgelassen. „Wir rechnen uns keine Chancen auf die vorderen Plätze aus“, sagte Trainer Matthias Boch vom TSC Bühl, „aber es macht richtig Spaß.“

Gemmrigheimer Paar dabei

Auch Sandra Kornfeld und Norman Hermannski aus Wesel in Nordrhein-Westfalen hatten keine Ambitionen auf einen vorderen Platz. „Wir machen mit, weil wir uns tänzerisch weiterentwickeln möchten und hier Freunde treffen“, sagte die Tänzerin. Mehr Ehrgeiz legte das Paar Erika und Christian Keller aus Gemmrigheim, dessen Trainer  Hagen ist, an den Tag. Die Kellers waren immerhin zwei Mal deutsche Vizemeister, einmal Vizeweltmeister und gingen als Mitfavoriten an den Start. „Vor Turnieren trainieren wir drei bis vier Mal in der Woche“, so Christian Keller

Das hohe tänzerische Niveau im tollen Ambiente war augenfällig, ebenso, wie variantenreich und ausdrucksstark der in den 70er-Jahren aus dem Foxtrott, dem Boogie-Woogie und dem Swing hervorgegangene Discofox und der Salsa sind. Auch wenn ein einheitlicher Grundschritt bei beiden Tanzstilen rudimentär noch erkennbar bleibt, gibt es unzählige Drehungen, Pirouetten, Verzierungen bis hin zu hochakrobatischen Figuren, deren Perfektion und Raffinesse in der Ausführung schließlich darüber entscheiden, wer bei Turnieren in die nächste Runde kommt.

Neben den Turnierrunden bot die in Kooperation mit der Stadt Bietigheim-Bissingen organisierte Veranstaltung auch Publikumstanz, Stände zum Bummeln und Informieren sowie Gesangseinlagen von Roland Bless und der Musicalsängerin Isabella Dartmann. Vor den Finalrunden, die etwa um 19 Uhr begannen, traten um die 160 Line-Dancer auf, und die Zuschauer konnten eine Wiener Walzer-Choreografie erlernen.

Immer spannender wurde es für die Aktiven und die etwa 700 Zuschauer auf den Rängen am  Abend, bis schließlich die Gewinner feststanden: Für das Gemmrigheimer Paar hat es nur zu einem fünften Platz gereicht. „Klar waren die enttäuscht, aber so ist das eben im Sport“, sagte Hagen. Gewonnen hat ein anderes deutsches Paar: Sascha Oltmann und Anica Wenzel aus Norddeutschland sicherten sich den Titel zum dritten Mal.