Leistungssport und Schule zu kombinieren, ist nicht immer einfach. „Ich sehe es als unsere Verantwortung, den Menschen, die intensiv Sport treiben, dabei zu helfen“, sagt Hanspeter Diehl, Schulleiter der Realschule Bissingen. Seine Schule ist neu dabei bei der Kooperation „Schule + Sport“ in Bietigheim-Bissingen. Diese Talentförderung gibt es seit dem Schuljahr 2018/2019. Nun einigten sich Hanspeter Diehl, Claus Stöckle, Rektor der Realschule im Aurain, Lutz Kretschmer und Nicole Stockmann, Schulleiter der Ellentalgymnasien I und II, Stefan Ranzinger, Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums, mit Günter Krähling vom Stadtverband Sport, Bastian Spahlinger, Geschäftsführer SG BBM Bietigheim, Christian Schäfer, Jugendmanager der SG BBM, sowie Gregor Rustige, Vereinsmanager des SC Bietigheim-Bissingen Steelers, auf ein weiteres Schuljahr mit Sportförderung.

„Zielorientierte Kinder und Jugendliche sollten wir unterstützen“, fasst es Diehl beim gemeinsamen Pressegespräch zusammen. Diese Kinder seien auch außerhalb des Sports zielorientiert. Vier seiner Schüler nehmen das Angebot wahr. Dieses beinhaltet immer dienstags eine Trainingseinheit statt den ersten beiden Schulstunden. Mittwochnachmittags wird der Unterricht mit Lehrkräften nachgeholt, die im engen Kontakt mit den jeweiligen Lehrern stehen. So soll vermieden werden, dass die Kinder zu viel Unterricht verpassen, den sie nicht mehr nachholen können und die Noten schlechter werden. Die Noten seien zudem ein Kriterium, ob ein Schüler sportlich gefördert werden könne. Sind sie zu schlecht, sollte der Schüler keinen Unterricht verpassen, erklären die Schulleiter.

„Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht“, sagt Stefan Ranzinger. Am Beruflichen Schulzentrum Bietigheim-Bissingen nehmen zwölf Schüler an der Talentförderung im Eishockey und Handball teil. Es sei zum einen ein Ausgleich zur Schule und zum anderen profitieren die Schüler im Unterricht, privat und beruflich davon. „Junge Leute, die intensiv Sport treiben, müssen sich organisieren können und konsequent sei“, nennt Ranzinger nur einige positive Aspekte, die ihm bei seinen Schülern aufgefallen seien. Ebenso erhöhe sich mit dem zusätzlichen Sporttraining die Chancen, den Traum vom Profi-Sportler wahr zu machen, erklärt Gregor Rustige, der „Schule + Sport“ mit ins Leben gerufen hat.

Keine Elitesportschule

„Wir sind froh, dass wir das nach drei Jahren hinbekommen haben“, sagt Claus Stöckle über die Gespräche im Vorfeld. An der Realschule im Aurain nehmen aktuell fünf Schüler daran teil, zwei beim Handball, zwei beim Eishockey und eine Schülerin ist Wettkampfgymnastin. Finanziert werde die Talentförderung, der Nachholunterricht sowie die nötigen Lehrkräfte durch den Stadtverband Sport sowie durch die Wiedeking-Stiftung. Wie Stöckle erklärt, gebe es zwar ein Bundeskonzept mit Olympiastützpunkten, „Eliteschule des Sport“ (EdS), sowie Partnerschulen des Sports, die finanziell vom Bund unterstützt werden, doch ein solches Konzept wie „Sport + Schule“ gehöre nicht dazu. Auch Rustige erklärt, dass in Deutschland der Übergang Schule-Leistungssport seit einigen Jahren über EdS organisiert ist. Die Schulen, die dieses Prädikat haben, bekommen finanzielle Unterstützung, sodass der entfallene Unterricht nachgeholt werden kann. In Bietigheim-Bissingen sei es nicht möglich, eine EdS zu installieren, da in Ludwigsburg und Stuttgart mehrere EdS etabliert sind, so der Steelers-Vereinsmanager.

Warum es dennoch sinnvoll sei, an der Förderung festzuhalten, erklärt Christian Schäfer: Die Leistung der Nachwuchssportler steigere sich und das Training könne optimal aufgebaut werden. Während so die eigenen Talente besser gefördert werden können, werde auch der Ruf der Vereine gesteigert. Das locke wiederum weitere Talente an, erklärt Schäfer.

Angebot ausbauen

14 Schüler von Klasse 7 bis Jahrgangsstufe zwei der Ellentalgymnasien reizt der hochklassige Sport. Die Sportvereine können sich vorstellen, das Angebot auch weiter auszubauen. Diese Meinung teilt auch Lutz Kretschmer, doch sagt er auch, dass es ein enormer organisatorischer Aufwand sei, die Stundenpläne für alle teilnehmenden Schüler anzupassen und die Nachholkräfte zu koordinieren. „Langfristig muss eine Strategie entwickelt werden“, sagt Kretschmer, denn die Förderung sei ein großer Fortschritt.