Unruhig sei das Jahr für die Realschulen gewesen, sagte Holger Gutwald-Rondot, Realschulrektor aus Sinsheim und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektorinnen und Realschulrektoren Baden-Württemberg. Am Donnerstag fand deren Jahrestagung im Kronenzentrum statt. Organisiert wurde diese von der Realschule im Aurain und deren Rektor Claus Stöcke sowie der Realschule Bissingen und Hanspeter Diehl, der auch im Geschäftsführenden Ausschuss der Arbeitsgemeinschaft ist.

125 Realschulrektoren aus dem ganzen Land waren gekommen, um sich Vorträge von den Leitern dreier vom Kultusministerium in diesem Jahr neu geschaffenen Institutionen anzuhören:  von der Leiterin des Realschulreferats im Kultusministerium, Petra Conrad, von Dr. Günter Klein, dem Direktor des Instituts für Bildungsanalysen, und Dr. Thomas Riecke-Baulecke, dem Präsident des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung.

Empfehlung verpflichtend

Im Schuljahr 2019/20 habe die Realschule als Schulform mehrere Probleme und Neuerungen, die nicht zu akzeptieren seien, gehabt. Das habe Unruhe in die Schulform gebracht, so Gutwald-Rondot im Gespräch mit der BZ. Da die Grundschulempfehlung nicht verpflichtend ist, seien auf der Realschule Schüler, die eigentlich vom Lernstand her auf die Hauptschule oder die Werkrealschule gehörten. Deshalb sei die Forderung der Arbeitsgemeinschaft, dass die verpflichtende Grundschulempfehlung wieder eingeführt werde – und zwar sofort.

Zum ersten Mal werden Realschüler in der neunten Klasse am Ende des Schuljahrs 2019/20 Hauptschulprüfungen ablegen können. Das müsse sofort wieder abgeschafft werden. Es könne nicht sein, auch personalbedingt, dass an einer Schule zwei unterschiedliche Abschlussprüfungen gemacht würden, nur weil Schüler auf der falschen Schule seien, so Gutwald-Rondot. Es dürfe nicht so weit kommen, wie gefordert werde, dass in den Klassen 5 und 6 das Niveau der Hauptschule zusätzlich eingeführt werde.

Eine Klassenarbeit mehr

Claus Stöckle von der Realschule im Aurain präzisierte das: „Unser Anliegen ist es, dass den Schulleitern nicht immer noch mehr aufgebürdet wird und dass sie durch zusätzliche Abteilungsleiter, wie es sie an Gymnasien gibt, entlastet werden.“

Mehraufgaben durch Neuerungen im Lehrplan, die Änderung der Lehrerausbildung, die noch mehr an den Schulen verankert werden soll, zusätzliche Lernstandsprüfungen der Schulen und die Einführung der Hauptschulprüfung müssten aufgefangen werden, so Stöckle. Beispielsweise, so sagte er, dass die Lernstandsprüfungen, deren Zahl das neue Institut für Bildungsanalysen erhöhen will, um bessere Aussagen über den Bildungsstand der Schüler zu bekommen, als Klassenarbeiten gezählt werden. „Für uns ist das eine unbenotete Klassenarbeit mehr.“

„Wir wären gerne Grundschulrektoren“, sagte Holger Gutwald-Rondot mit Seitenhieb auf die derzeitige Stärkung der Grundschulen, auch in finanzieller Hinsicht. „Wir sind aber frühestens 2022 dran mit einer finanziellen Aufstockung“, sagte er. „Aber Frau Eisenmann mag die Realschule, sie verspricht uns Unterstützung und Stärkung“, spielte er auf die Realschul-Sympathie von CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann an, die erst vor Kurzem in ihrem Ministerium das Realschulreferat wieder eingeführt hatte. Zu Recht, so Hanspeter Diehl, sei diese Schulform zahlenmäßig die zweitstärkste Schulform – Tendenz seit dem Wegfall der Grundschulempfehlung steigend.