Täglich grüßt der Bürgerentscheid

Andreas Lukesch 
fürchtet sich vor einer Zeitschleife
Andreas Lukesch fürchtet sich vor einer Zeitschleife © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 07.01.2017

Es war im Jahr 1993, als es die US-Filmindustrie schaffte, einen Filmtitel zum geflügelten Begriff zu machen. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hieß der Streifen mit Bill Murray. Ein Titel, der uns immer dann in den Sinn kommt, wenn wir uns in einer Zeitschleife wähnen. Als Bietigheim-Bissinger müssen Sie darauf gefasst sein, dass Ihnen genau das passieren kann. Also nicht mit einem possierlichen Murmeltier, sondern in Gestalt jener Akteure, die im vergangenen Jahr einen  erfolgreichem Bürgerentscheid initiiert haben und einfach nicht genug davon kriegen können, ihren Triumph auszukosten. Ja, verehrte Bürgerinitiative „Weder Gut noch Bio“, es ist Ihnen gelungen, eine Biomüllvergärungsanlage in Bietigheim-Bissingen zu verhindern. Das mag Sie mit  unerschöpflicher Genugtuung erfüllen, ist aber noch lange kein Grund, der Verwaltung und dem Gemeinderat wie ein trotziges Kind ständig eine lange Nase zu machen. Nichts für ungut, aber diesen Eindruck muss man bekommen, wenn die Bürgerinitiative bei jeder Gelegenheit zum Stift greift und in unversöhnlichen Kommentaren oder Leserbriefen darauf hinweist, dass man einen Bürgerentscheid gewonnen habe. Da reicht schon die Tatsache, dass der OB in seinem Brief an die Auslandsbürger den für die Bürgerinitiative so wichtigen Umstand nicht erwähnt haben soll, um ein Politikum daraus zu machen.

Wer in Bietigheim-Bissingen 2017 das Wort Biomüll nur in den Mund nimmt, muss damit rechnen, von der ihrer Grundfunktionen enthobenen Widerstandsgemeinschaft angeklagt zu werden. Was droht uns also im Murmeltier-Biomülljahr 2017? Eine kollektive Entsorgung des Abfallkalenders? Eine Sommerparty im Steinbruch Fink unter dem Motto „Wir erinnern nur mal daran, dass wir an dieser Stelle eine Biomüllvergärungsanlage verhindert haben“, zu der 82 Prozent der Bevölkerung eingeladen werden? Ein Gedenkstein mit der Aufschrift „An dieser Stelle verhinderten wir im Jahr 2016 nach Chr. eine Biomüllvergärungsanlage“?

Bill Murray ist der Zeitschleife entkommen, für Bietigheim-Bissingen habe ich da wenig Hoffnung. Es sei denn, die Verwaltung verschafft den Bürgerwillen-Verfechtern ein neues Betätigungsfeld. Es muss ja nicht gleich ein Tiefbahnhof sein oder  ein Windrad auf der Rommelmühle. Wir schlagen eine Gruppenkläranlage im Ellental vor. Eine, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht stinkt und schmutzt und LKW-Verkehr erzeugt. Das wär’ dann ein echter Aufreger 2017.

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