Noch nie habe sich die Welt tiefgreifender und rasanter verändert als heute, und Deutschland habe den Anschluss an die digitale Zeitenwende komplett verschlafen, sagte der 25-jährige Philipp Riederle, der „digitale Kopf Deutschlands“, im Rahmen des ersten Business-Dinners zum Thema „Gesundheitsvisionen“. Das Reha-Zentrum Hess und die Deutsche Apotheker- und Ärztebank hatten in die Kronenstuben in Bietigheim eingeladen.

Die Initiatoren dieses neu geschaffenen Gesprächsforums über den Umbruch von der molekularen hin zur digitalen Medizin wollten durch Expertenvorträge bei einem Dinner mit Networking-Charakter einen Beitrag dazu leisten, den Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen besser zu bewältigen. Die Crème-de-la-crème der digitalen Welt Deutschlands habe man zu dieser Veranstaltung eingeladen, sagte Milko Hess, der Inhaber des Reha-Zentrums Hess, vor etwa einhundert Ärzten, Apothekern, Vertretern der pharmazeutischen Industrie und Juristen in seiner Begrüßung.

Diskussion und Referate

In der knapp fünfstündigen Kick-off-Veranstaltung gab es neben Diskussionsrunden und einem Essen drei hochkarätige Referate. Der führende Experte für die digitale Wirtschaft in Deutschland, Professor Dr. Tobias Kollmann, warnte eindringlich davor, den Anschluss an die Zukunft der Branche zu verpassen, sprach über den viel zitierten Piranha-Effekt (Mit Piranhas sind Start-Ups gemeint, kleine Unternehmen versuchen im Internet mit innovativen digitalen Geschäftskonzepten, Teile der großen digitalen oder realen Märkte zu erobern) und zeigte das unternehmerische Ziel auf, sich im digitalen Zeitalter zu behaupten und sich Marktanteile zu sichern. Zu lange habe man sich auf dem errungenen Wohlstand ausgeruht, zu mächtig seien noch die alten (analogen) Hierarchien und Denkweisen.

Zu wenig Veränderungswille

Viel zu oberflächlich und langsam sei der Veränderungswille in Politik, Wirtschaft und Lehre. Dabei, so Kollmann, sei Digitalisierung eine reelle Chance, die drei großen Herausforderungen der Gegenwart, eine gerechte Ressourcenverteilung, eine lebenswerte Umwelt und ein gesundes Leben, zu bewerkstelligen. Daniel Zehnich, Banker und Innovator im Gesundheitsmarkt, referierte über eine Umfrage unter jüngeren Ärzten, Zahnärzten und Apothekern, in der es um erwartete Entwicklungen der Heilberufe bis 2030 geht. Das Rollenverständnis der Mediziner, unter denen immer mehr Frauen sein werden, werde sich mehr zum „Dienst- und Serviceleister“ hin bewegen, es werde mehr Teilzeitarbeit geben, und bisherige Arztleistungen würden künftig häufiger von medizinischem Fachpersonal übernommen.

Die Gesundheit als Renditebringer wird stärker in den Fokus rücken, so Zehnich, und große Ketten würden die Klinik- und Praxislandschaft nachhaltig verändern. Riederle, Speaker, Spiegel-Bestsellerautor, Podcaster und Unternehmensberater, rückte den Unterschied der Generationen der Deutschen ins Zentrum seines Vortrages. „Jüngere tickten einfach anders“, sagte Riederle, hätten andere Lebensziele, seien stärker auf das Hier und Jetzt fokussiert und sähen auch den Technologiefortschritt bei Apps oder Künstlicher Intelligenz angstfreier. Dabei seien Digitalstrategien, eine radikale Umstellung der Organisations- und Führungsstrukturen in medizinischen Unternehmen und Praxen für eine tragfähige Zukunft unverzichtbar. Als atemberaubend bezeichnete Riederle die Geschwindigkeit, mit der die Entwicklungen voranschritten, denn spätestens nach zwölf Monaten sei digital alles doppelt so schnell und komplex.

Auftakt einer Reihe

Die Initiatoren des Gesundheitsforums sehen die Veranstaltung als Startschuss eines regelmäßig wiederkehrenden Austauschs mit und zwischen den Akteuren des Gesundheitswesens in der Region. In Folgeveranstaltungen soll es um App-basierte telemedizinische Modelle gehen, digitale Gesundheitsdaten und die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz