Stadtentwicklung (Teil 3) Stürmisches Wachstum im 20. Jahrhundert

Bietigheim-Bissingen / Von Uwe Mollenkopf  13.09.2017

Als Bietigheim ins 20. Jahrhundert startete, hatte es mit 4350 Einwohnern (laut Volkszählung zum 1. Dezember 1900) immer noch die Größe eines heutigen Dorfes. Im damals noch selbstständigen Bissingen lebten rund 2700 Menschen. Ein stürmisches Wachstum sollte die Stadt in der Folgezeit nachhaltig verändern.

Zu den Meilensteinen der Stadtentwicklung zählte die Ausweisung großer Baugebiete, von denen das erste noch in den 30er-Jahren in Angriff genommen wurde.  Am östlichen Rand der Stadt im Gewann „Sand“ zwischen dem Forst und dem Enztal begann die Stadtverwaltung 1934 mit der Planung einer Siedlung. Startschuss war am 17. April 1935 mit dem ersten Spatenstich durch den damaligen Bürgermeister Gotthilf Holzwarth. 31 Werksangehörige der Firma DLW begannen auf Grundstücken mit je circa 10 Ar Eigenheime zu erstellen. Von August bis Oktober 1935 wurden die ersten Häuser bezogen. Die Konzeption: Jeder der Siedler musste eine Eigenleistung erbringen und nach Anleitung des Bauleiters auch gemeinschaftliche Arbeiten ausführen. Die Gemeinschaft wurde durch die Gründung des Vereins „Siedlerbund“ im Oktober 1935 gefestigt. In weiteren Bauabschnitten entstanden bis 1938 auf der 20 Hektar großen Fläche rund 170 Häuser.

1953: Stadtteil Buch entsteht

Die starke Zuwanderung von Heimatvertriebenen und Aussiedlern führte nach dem Zweiten Weltkrieg zum nächsten Wohnungsbauprojekt, dem Aufbau der Siedlung Buch. Laut Stadtchronik war es die größte derartige Siedlung in Baden-Württemberg. Angefangen wurde 1953 in der Sudetenstraße. Die Planungen gingen von rund 500 Bewohnern nach dem ersten Bauabschnitt und rund 6000 nach der endgültigen Bebauung aus. Heute wohnen im Gebiet Buch (mit Büttenwiesen und Wilhelmshof) nach den jüngsten Zahlen der Stadtverwaltung mehr als 10 500 Menschen. An der Nahtstelle, dem Bahnhof, sollten Bietigheim und Bissingen zusammenwachsen. Weitere Neubaugebiete kamen hinzu: Lug im Norden, Ahlesbrunnen/Helenenburg im Nordwesten und Kreuzäcker/Ellental im Südwesten.

Zum Wachstum trugen hohe Geburtenzahlen bis in den 60er-Jahre hinein bei – und eine Reihe von Eingemeindungen. Bereits im Jahre 1930 hatte sich die Gemeinde Metterzimmern freiwillig der Stadt Bietigheim angeschlossen. 1975 folgte die Fusion mit Bissingen, das zuvor (1953) um den Weiler Untermberg vergrößert worden war.

Wie ein Blick in die Bevölkerungsstatistik zeigt, war Bietigheim bis zur Mitte des Jahrhunderts auf 12 300 Einwohner, Bissingen auf etwa 5000 gewachsen. Zusammen zählten die beiden damals noch selbstständigen Gemeinden damit rund 17 300 Einwohner. Beim Zusammenschluss der beiden Kommunen im Zuge der Gebietsreform im Jahr 1975 wies die neue Gesamtstadt 34 000 Einwohner auf, die Zahl der Menschen hatte sich in gut 25 Jahren nochmals verdoppelt. Bis in die Gegenwart erhöhte sich die Zahl der Bietigheim-Bissinger auf 43 000.

Doch das nächste große Wohnungsbauprojekt steht schon bevor. Es hat wieder mit DLW zu tun, wird aber im Unterschied zu den bisherigen Siedlungsvorhaben nicht mehr auf der grünen Wiese verwirklicht. Auf dem DLW-Areal sollen, wie bereits mehrfach berichtet, 500 bis 600 neue Wohnungen entstehen. Auch im 21. Jahrhundert stehen die Zeichen bei der Stadtentwicklung in Bietigheim-Bissingen also weiter auf Wachstum.