Kunst Streben nach Harmonie in der Kunst

Künstlerin Antje Seemann beim Aufbau ihrer Ausstellung, die ab Freitag in der Galerie im Unteren Tor und in der Otto-Rombach-Bücherei (Foto) zu sehen ist. Hier hängt sie das Foto des Bienenfabel-Autors Bernahrd de Mandeville auf.
Künstlerin Antje Seemann beim Aufbau ihrer Ausstellung, die ab Freitag in der Galerie im Unteren Tor und in der Otto-Rombach-Bücherei (Foto) zu sehen ist. Hier hängt sie das Foto des Bienenfabel-Autors Bernahrd de Mandeville auf. © Foto: Oliver Bürkle
Bietigheim-Bissingen / Gabriele Szczegulski 22.06.2018

Charles Darwin, Robert Koch, Sigmund Freud, Ernst Haeckel, Wilhelm Conrad Röntgen, John Stuart, Friedrich Nietzsche, Bernard de Mandeville und Arthur Schopenhauer begrüßen derzeit die Besucher der Otto-Rombach-Bücherei mit ernstem Blick. Es sind Linolschnitte von Philosophen und Wissenschaftlern von der Künstlerin Antje Seemann, die dort ausgestellt sind. Die Serie mit Auftragswerken für die philosophische Zeitschrift „Der blaue Reiter“ ist ein Teil der Ausstellung der in Löchgau aufgewachsenen Künstlerin.

Marianne Gollnick und Michael Ganz zeigen die Ausstellung „Natur und Mensch“  zweiteilig, in der Bücherei und in ihren Ausstellungsräumen im Unteren Tor. Während die Porträts die Bücherei zieren, sind im Unteren Tor die Schnee- und Waldschnitte, inszenierte Landschaften, Island-Motive  und Mädchenbilder zu sehen.

Seemann arbeitet vor allem, wie zu sehen ist, in Schwarz-Weiß-Linolschnitten, aber die Kunstwerke mit Islandmotiven in „Theater der Farben“ sind eigenwillige Gemälde in Öl auf Holz. Nach Ausflügen zu Porträts und Menschen in ihren Linolschnitten kommt die Künstlerin hier wieder zu ihrem Metier, den Landschaftmotiven zurück. Aber: Sie malt auf Fotomotiven, bis die Originale nicht mehr zu entdecken sind, kaum ein ortskundiger Besucher wird sehen, dass auch Besigheim- und Löchgauansichten darunter sind. „Landschaften, die mir vertraut sind, habe ich in einem langen Prozess bearbeitet“, sagt Antje Seemann.  Jahre braucht sie, bis sie eines dieser Gemälde freigibt. „Ich strebe Harmonie und Gleichgewicht in meiner Kunst an, dafür lasse ich mir Zeit, bin lange nicht zufrieden.“ So komme hier ein Pinselstrich hinzu und dort würden kleine Flächen weggespachtelt oder mit Terpentin verwischt. „Ich lasse mir Zeit. Die Werke sagen mir, wann sie fertig sind, so lange lassen sie mich nicht in Ruhe“, so Seemann.

Antje Seemanns Drucke sind typisch in ihrer Kombination von kleinteiligen Details und Formenvielfalt. Bei den Porträts tritt Sigmund Freuds Porträt hervor, in dem klare schwarze und weiße Formen  Hintergrund, Anzug, Kragen und rechte Gesichtshälfte sowie die Stirn, aber Striche in wechselnden Richtungen Haut und Barthaar bilden.

Um Nah- und Fernwirkung geht es in den Mädchenbildern, in denen Antje Seemann ihre Töchter in der Natur zeigt. Mit viel Fantasie komponiert sie diese Bilder, wählt Streifen in der Kleidung, um Verbindungen herzustellen. „Ich suche immer die Fülle der Möglichkeiten“, sagt Antje Seemann und kann dadurch den Besuchern der Ausstellung einen großen künstlerischen Reichtum zeigen.

Info Die Ausstellung wird an diesem Freitag, 22. Juni, 20 Uhr, in der Otto-Rombach-Bücherei eröffnet und ist bis zum 28. Juli zu sehen.

Die Künstlerin Antje Seemann

Antje Seemann wurde 1967 in Braunschweig als Tochter des Bildhauers Karl-Henning Seemann geboren. Sie wuchs in Löchgau auf und besuchte bis zum Abitur das Christoph-Schrempf-Gymnasium in Besigheim, wo sie Kunstunterricht beim Besigheimer Künstler Matthias Gnatzy hatte. „Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass ich den künstlerischen Weg als meinen ansah“, sagt Antje Seemann heute. Sie studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und der Hochschule für Bildende Kunst in Braunschweig.

Seither stelllt sie im In- und Ausland aus. Sie bekam Stipendien im Künstlergut Prösitz, den Douglas-Swan-Förderpreis in Bonn. Bei einer Islandreise hielt sie sich im Künstlerhaus Gullkistan in Laugarvatn auf. Schon mehrmals hat sie in der Städtischen Galerie und in der Galerie im Unteren Tor  ausgestellt und beteiligt sich regelmäßig am Linolschnittwettbewerb der Stadt Bietigheim-Bissingen. Antje Seemann lebt und arbeitet heute in Aachen. sz

www.antjeseemann.de

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