Bietigheim-Bissingen / bz

Die Stiftung für Umwelt Bietigheim-Bissingen hat sich aufgelöst. Damit endet ein fast 30-jähriges bürgerschaftliches Engagement in der Stadt. Das teilt Manfred Sommer, ehemaliges Mitglied des Stiftungsvorstands, mit. Das Stiftungsvermögen von rund 32 000 Euro geht allerdings nicht verloren, sondern fließt als Zustiftungen an die Bietigheim-Bissinger Stiftungen Hospiz und Diakoniestation.

Der Umweltstiftung sei es nicht anders ergangenen, als mancher anderen kleinen Stiftung auch, teilt Manfred Sommer zu den Gründen für das Stiftungsende mit. Sie habe bei den derzeitigen niedrigen Bankzinsen ihre Stiftungsziele nicht mehr erreichen können. Mit Beschluss ihres Vorstands und mit Genehmigung des Regierungspräsidiums habe sie sich daher aufgelöst.

Initialzündung: Müllverbrennung

Die Vorgeschichte der Umweltstiftung begann mit der Gründung der „Bürgerinitiative für Müllvermeidung – gegen Müllverbrennung Bietigheim-Bissingen“ 1989, als der Landkreis Ludwigsburg auf einem Teil des heutigen Golfplatzgeländes Mon­repos eine Müllverbrenn­-
ungs­anlage bauen wollte. Der Bürgerinitiative sei es um ein besseres Müllkonzept, um Müllvermeidung und um eine gefahrlose Abfallbeseitigung gegangen, so Sommer. Unter dem Vorsitz von Professor Ernst Lober setzten sich Mitglieder der Initiative in Aufklärungsaktionen auf Wochenmärkten, in Podiumsdiskussionen, sogar in einem Müllkabarett dafür ein, die gesetzten Ziele zu erreichen. 1991 wurden die Verdienste der Bürgerinitiative um Natur und Umwelt mit dem Umweltpreis der Stadt Bietigheim-Bissingen und im gleichen Jahr mit dem Umweltpreis des Landkreises Ludwigsburg gewürdigt.

Das Engagement war nicht umsonst: Die Müllverbrennungsanlage wurde schließlich 1998 ad acta gelegt. Damit, so Sommer, habe die Initiative ihre Ziele im Wesentlichen als erreicht angesehen. Die für etwaige gerichtliche Auseinandersetzungen angesparten Mittel wurden nun in die 1998 gegründete Stiftung für Umwelt Bietigheim-Bissingen eingebracht. Vorsitzender war erneut Ernst Lober. Die in der Satzung festgelegten Ziele waren der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, die Förderung des Umweltbewusstseins und die Schonung der Umwelt.

Mit der Verleihung von Umweltpreisen an Einzelpersonen, Schulen und umweltorientierte Einrichtungen wurden entsprechende Verdienste gewürdigt. Damit sollte in der Öffentlichkeit „zum Weitermachen im Bemühen um eine gesunde Umwelt“ geworben und zum Nachahmen motiviert werden, so Sommer.

Die Liste der Preisträger ist lang. Sie reicht vom Forstmann und Stadtrat Dr. Hans HalIa und dem im Wanderwesen und in vielen Aktionen um die Stadtentwicklung tätig gewesenen Karl Huber bis zu dem Vorsitzenden des Bezirksimkervereins Erich Schilling und dem Bietigheimer Apfelsaftverein. Die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg gehörte für ihre Verdienste um eine umweltgerechte Abfallverwertung ebenfalls zu den Preisträgern.

Auch bei kommunalen Entscheidungen habe die Umweltstiftung Anstöße für Maßnahmen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen geben wollen, berichtet Manfred Sommer. So habe sie sich etwa in Sachen Feinstaubmessungen, Luftverschmutzung, Lärmbelästigung und Landschaftsverbrauch an die Stadt gewandt.

30 Jahre Einsatz für Umwelt

Nun, nach 30 Jahren Einsatz für bürgerschaftliche Ziele und die Förderung des Umweltbewusstseins, haben die Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative und der Umweltstiftung einen Schlussstrich gezogen. Das Vermögen wurde als Zustiftungen an die Stiftungen Hospiz und Diakoniestation übergeben.