Für Oldtimerfans aus dem Kreis Ludwigsburg und weit darüber hinaus gehört sie zu jeder Saison dazu, wie der Trabant zur DDR: Die Sternfahrt zum Saisonabschluss. Vor der Winterpause treffen sich Oldtimerbesitzer und -liebhaber ein letztes Mal, bevor sie ihre Schätze über die kalten Monate einmotten. Die gute Nachricht für sie: Die Sternfahrt findet auch in diesem Jahr statt. Allerdings mit einem anderen Ziel. Erstmals nach elf Jahren lenken die circa 1000 erwarteten Teilnehmer des Retro-Treffs ihre Schmuckstücke nicht auf den Parkplatz des Breuningerlands am Rand von Ludwigsburg. In diesem Jahr geht es nach Bietigheim-Bissingen zum  Möbelhaus Hofmeister.

Dass der Veranstalter Retro Promotion sich anderweitig nach einem Platz für die Oldtimer-Ausstellung umsehen muss, war schon seit längerem klar. Anfang April dieses Jahres hatte der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim nach einer Klage der Gewerkschaft Verdi, die die Mitarbeiter im Einzelhandel vor zu großer Belastung schützen wollte, die zurückliegenden verkaufsoffenen Sonntag für unrechtmäßig erklärt – eine Zäsur für den Einzelhandel in Kreis und Land.

Die Richter urteilten, dass ein Sonntagsverkauf nur dann zulässig sei, wenn er größere Veranstaltungen – etwa traditionsreiche Feste und Märkte –, die im Mittelpunkt stehen, einrahme. Das sei bei den verkaufsoffenen Sonntagen in Ludwigsburg nicht der Fall gewesen, rügte das Gericht, die Oldtimerfahrt sei eine „Alibiveranstaltung“. Im April war das Breuningerland letztmals an einem Sonntag geöffnet, das Urteil des VGH war noch nicht rechtskräftig. Verdi hatte kurzfristig auf einen Eilantrag verzichtet.

„Wir hätten die Veranstaltung gerne behalten“, sagt Breuningerland-Centermanager Jan-Bernd Tangerding. Er hält die Sternfahrt für „imageträchtig“ – und natürlich habe sie sich auch immer finanziell rentiert. Breuninger hatte sogar zugestimmt, den Parkplatz rund um das Einkaufszentrum wieder für die Sternfahrt zur Verfügung zu stellen. Allerdings wäre ein Zuschuss der Werbegemeinschaft der Geschäfte, die bislang geschätzt 30 000 Euro beigesteuert hatten, bei einem geschlossenen Einkaufscenter nicht mehr möglich gewesen, so Tangerding.

Was die einen ärgert, freut die anderen: Nun werden die Oldtimer am Sonntag, 20. Oktober, Hofmeister in Bietigheim-Bissingen ansteuern. Das Möbelgeschäft ist an diesem Tag zwar geöffnet, Kunden können aber – mit Ausnahme des gastronomischen Angebots – weder etwas kaufen, noch werden sie beraten. „Schausonntag“ nennt Hofmeister das. Deshalb müsse man auch keine Sorgen haben, dass Verdi dagegen klagt, sagt Hofmeister-Sprecherin Christiane Faber.

Und wie sieht es mit den weiteren verkaufsoffenen Sonntagen in Ludwigsburg aus? Von der Gewerkschaft war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen. Bei der Stadt geht man indes davon aus, dass der verkaufsoffene Sonntag beim Kastanienbeutelfest am 13. Oktober wie geplant stattfinden wird. „Wir haben bislang nichts Gegenteiliges gehört“, sagt Sprecherin Susanne Jenne. Der Gemeinderat beschäftige sich im November noch einmal mit dem Thema verkaufsoffene Sonntage.

Verdi klagte gegen die verkaufsoffenen Sonntage beim Breuningerland


Als Alibiveranstaltung bezeichnete die Gewerkschaft Verdi die Oldtimer-Sternfahrt, die beim Breuningerland im Tammerfeld im Jahr 2017 Anlass für zwei Verkaufsoffene Sonntage war, und klagte dagegen. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim hat der Gewerkschaft mit dem Urteil vom 20. März 2019 recht gegeben. Die beiden Verkaufssonntage sind rechtswidrig. Solche Veranstaltungen können nur dann „Anlass“ einer ausnahmsweise sonntäglichen Öffnung sein, wenn sie selbst einen beträchtlichen Besucherstrom anziehen und aus diesem Grunde Anlass bieten würden, die Offenhaltung der Verkaufsstellen freizugeben, hieß es im Urteil. Reine „Alibiveranstaltungen“, die lediglich dazu dienen sollten, einen Vorwand für eine Sonntagsöffnung von Geschäften zu schaffen, seien unzulässig.Sie dürften gegenüber der Sonntagsöffnung nicht in den Hintergrund gedrängt werden. Bei den beiden „Oldtimer-Sternfahrten“ im Jahr 2017 habe es sich nicht um zulässige Anlässe für die Sonntagsöffnungen gehandelt. bz