Wo in der Steigstraße 12 in Bissingen unweit des Liederkranzhauses bisher ein Haus stand, tut sich jetzt eine leere Fläche auf. Die Stadt als Eigentümerin hat das Gebäude abreißen lassen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sorgte das bei der CDU für Unmut.

Hermann Eppler, Stadtrat der Christdemokraten aus Bissingen, machte darauf aufmerksam, dass die Stadt das dortige Grundstück im Jahr 2017 erworben habe. Damals habe die Begründung der Verwaltung gelautet, angesichts der Tatsache, dass es wenig Wohnraum gebe, könne das Gebäude mit einfachen Mitteln wieder hergerichtet werden. „Und jetzt ist das Ding platt“, bemängelte Eppler.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing begründete in seiner Antwort den Abriss damit, dass das Haus so marode gewesen sei, dass man keine andere Wahl gehabt habe. Claus Stöckle (CDU) hielt dem entgegen, dass die Verwaltung das doch auch schon 2017 hätte wissen können. Damals habe es geheißen, man habe sich das Gebäude angeschaut, es solle sofort hergerichtet und vermietet werden, hieb Fraktionskollege Eppler nochmals in dieselbe Kerbe.

Jaisle: Kosten zu hoch

Claus-Dieter Jaisle, der Leiter des Hoch- und Tiefbauamts, erklärte demgegenüber in der Sitzung, es habe sich herausgestellt, dass es zu teuer gewesen wäre, das Gebäude wieder in Schuss zu bringen. Auch die Heizung sei kaputt gewesen.

Wie Anette Hochmuth, die Sprecherin der Stadtverwaltung, am Donnerstag auf BZ-Anfrage bestätigte, wurde das Haus 2017 von der Stadt gekauft, „um die Weiterentwicklung der Stadt in diesem Gebiet offen zu lassen und Spielräume für weitere Verwendungen des Geländes zu erhalten“, auch im Blick auf die umgebende Bebauung. Wie berichtet wurde in der Vergangenheit auch schon über die Zukunft des Liederkranzhauses diskutiert, das eine Zeitlang als Asylunterkunft diente. Hochmuth betont allerdings: „Es gab und gibt bisher keine konkrete Nutzung oder Planung, aber solche Überlegungen zur Weiterentwicklung der Stadt werden auch stets unter langfristigen Gesichtspunkten getroffen“. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Es sei seinerzeit auch beabsichtigt gewesen, das Gebäude in der Zwischenzeit eventuell für die Obdachlosenunterbringung oder sonstige Unterbringungsfälle zu nutzen. Der Zustand im Inneren des Hauses habe dies nach näherer Prüfung durch das Bauamt jedoch nicht zugelassen. Eine Sanierung von 80 000 bis 100 000 Euro wäre unverhältnismäßig gewesen, so die Sprecherin. Nachdem der Zustand des Hauses marode sei und eine Nutzung derzeit nicht in Aussicht stehe, sei daher der Abriss in Angriff genommen worden. „Damit erspart sich die Stadt Kosten zur Verkehrssicherung des Gebäudes.“

Stattdessen soll die Fläche nun erst einmal vorgehalten werden. Es gehe um mittel- bis langfristige Ziele der Stadtentwicklung, so Hochmuth. Oberbürgermeister Kessing schloss in der Sitzung nicht aus, dass auf der Fläche auch wieder Wohnraum entstehen könne.