Vereinszentrum Startschuss für das TSV-Vereinszentrum

Eine Grafik zeigt das geplante TSV-Sportvereinszentrum im Ellental. Sie ist im Vergleich zum ersten Entwurf überholt worden. Von der dunklen Fassade hat man zu einem hellen Äußeren gewechselt. Die Kubatur ist geblieben.
Eine Grafik zeigt das geplante TSV-Sportvereinszentrum im Ellental. Sie ist im Vergleich zum ersten Entwurf überholt worden. Von der dunklen Fassade hat man zu einem hellen Äußeren gewechselt. Die Kubatur ist geblieben. © Foto: TSV-Grafik
Bietigheim-Bissingen / CAROLINE HOLOWIECKI 18.03.2016
Zuerst war die Aufregung groß gewesen, dann war's sehr ruhig geworden - und nun wird tatsächlich endlich gebaut. Der TSV Bietigheim 1848 setzt an diesem Freitag den Spatenstich für sein Vereinszentrum.

Der mit knapp 4000 Mitgliedern größte Verein in Bietigheim-Bissingen, der TSV Bietigheim 1848, packt sein Mammutprojekt an. An diesem Freitag um 14 Uhr nimmt der Bau des vereinseigenen Sportzentrums im Ellental seinen Beginn. Bald drei Jahre werden dann seit der ersten öffentlichen Darstellung der Pläne vergangen sein.

Im dreistöckigen Neubau an der Schwarzwaldstraße sollen die Geschäftsstelle, Seminar- und Kursräume, eine große Bewegungslandschaft für Kinder sowie ein Fitnessbereich entstehen. Der TSV will so auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen reagieren: den Ganztagsunterricht an den Schulen, der zunehmend die Hallen blockiert und so in Konkurrenz zu den Vereinen und ihren Trainingszeiten tritt, den demografischen Wandel und den wachsenden Bedarf an sportlicher Betätigung bei individuellen Trainingszeiten.

Die TSV-Mitglieder waren sich in der Sache einig gewesen. In einer Hauptversammlung im November 2014 hatte eine Abstimmung über das Projekt 211 Ja- und lediglich sechs Nein-Stimmen gebracht; 97 Prozent Zustimmung. Die Finanzierung des 5,75-Millionen-Euro-Komplexes ist gesplittet. Der Verein bringt 500 000 Euro selbst auf. Der Zuschuss der Stadt Bietigheim-Bissingen beträgt 750 000 Euro, der WLSB-Zuschuss beläuft sich auf 378 000 Euro, und der Rest muss mit Fremdkapital finanziert werden. Das 2500 Quadratmeter große Grundstück hat der Verein von der Stadt in Erbpacht erhalten. Ein Grundstück nebenan, auf dem einmal eine Erweiterung vorgenommen werden könnte, ist optioniert.

Von einer anderen Seite setzte es jedoch sofort nach dem Bekanntwerden der Planungen heftige Kritik: vonseiten der Betreiber von Fitnessstudios. In der Konkurrenzsituation zu Vereinszentren sahen und sehen sich die kommerziellen Anbieter im Nachteil. Angeführt von Milko Hess, dem Inhaber von Reha Hess, führte ein Bündnis von acht Studiobetreibern Argumente wie Bürgerschaften für Kredite, pachtfreie Grundstücke, Vorteile bei der Haftung und in puncto Steuern sowie Sonderzahlungen von Stadt und Sportverbänden ins Feld. So könnten die Vereine besonders günstige Preise anbieten. Nachdem der Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen Ende Juli 2014 den hohen Zuschuss für den TSV freigegeben hatte - bei 500 000 Euro liegt normalerweise die Obergrenze, die Stadt hatte jedoch ein besonderes öffentliches Interesse erkannt -, hatte Hess im Namen seines Verbands mit einer Klage gedroht.

Gekommen ist letztlich nichts, sagt der TSV-Geschäftsführer Jan Bodmer. "Das Regierungspräsidium hat alles geprüft und als rechtmäßig eingestuft", berichtet er. Der TSV habe auch nie beabsichtigt, in Konkurrenz zu Fitnessstudios zu treten, die Klientel sei eine andere. Hess bestätigt, dass der Zwist auf Stadtebene beigelegt ist. Nicht jedoch auf höherer. Der Bundesverband Gesundheitsstudios Deutschland lasse aktuell vom Europäischen Gerichtshof prüfen, ob geförderte Vereinszentren im Sinne des Wettbewerbsrechts zulässig seien.

Für den TSV-Vorsitzenden Günter Krähling sind diese Querelen Vergangenheit. Er freut sich, dass nach einer etwas verzögerten Planungsphase der Bau endlich beginnt. Bei der Mitgliederversammmlung im November 2014 war man von einer Eröffnung im Herbst 2016 ausgegangen, aktuell terminiert Krähling die Fertigstellung aufs Frühjahr 2017. Spätestens im Sommer, zum Richtfest, möchte der Verein in die gezielte Mitgliederwerbung einsteigen. Nach Vereinsberechnungen werden rund 1200 Mitglieder notwendig sein, die das Zentrum nutzen, um die Kosten zu amortisieren, so Krähling. Das Zentrum und seine Angebote nutzen können werden nur TSV-Mitglieder.

Was nicht unmittelbar mit dem Bau des TSV-Vereinsheims zusammenhängt, aber dessen Standort im Ellental tangiert: Im Zuge des Bebauungsplans "Ellental, fünfte Änderung" wird die Straßenführung in dem Gebiet verändert. Markanteste Neuerung: Die Schwarzwaldstraße vor dem Altenheim Pro Seniore soll zur Einbahnstraße in Richtung Freibad werden. Die Autos, die in die andere Richtung fahren, werden auf dem jetzigen Fußweg unterhalb geführt. Er wird ausgebaut. Baustart soll laut Annette Hochmuth, Sprecherin der Stadtverwaltung, noch in diesem Jahr sein.

Vereinszentren auch in Besigheim und Großsachsenheim

WLSB Das TSV-Vereinszentrum wird nicht das erste hierzulande sein - in ganz Württemberg gibt es rund 40. Der Ausbau wird vom WLSB, dem Württembergischen Landessportbund, forciert und gezielt gefördert. Viele Vereine sind darüber hinaus im Netzwerk Sportvereinszentren organisiert.

Besigheim Vorreiter war im Landkreis Ludwigsburg die Sportvereinigung Besigheim. Sie eröffnete 2004 das Fitness- und Kommunikationszentrum Fitkom in der Jahnstraße und setzte damit den Aufschwung des Vereins in Gang. Das Fitkom selbst hat aktuell etwa 1500 Mitglieder. Der Sportvereinigung gehörten 2004 rund 2300 Männer und Frauen an, mittlerweile ist die Grenze von 3100 Mitgliedern erreicht, die Marke 4000 wird angepeilt. Aktuell wird das Fitkom deswegen erweitert. Bis Mitte 2016 sollen mehrere neue Übungsräume gebaut werden: eine Gymnastikhalle mit 200 Quadratmetern für Aerobic oder Rückenfit-Kurse, eine weitere Halle für funktionales Training mit 120 Quadratmetern und ein Gymnastikraum mit etwa 170 Quadratmetern. Im Erdgeschoss entsteht ein etwa 90 Quadratmeter großer Cardio-Zirkel, für Indoor-Cycling werden ebenfalls neue Möglichkeiten geschaffen. Die Verwaltung bekommt neue Räume, die Umkleiden werden erweitert, ein neuer Sozialraum entsteht, und der Tagungsraum wird neu eingerichtet. Die Gesamtkosten betragen rund 3,23 Millionen Euro Euro. Vom Landessportbund (WLSB) erhält die Spvgg einen Zuschuss in Höhe von 300 000 Euro und von der Stadt eine finanzielle Förderung von 500 000 Euro.

TVG Auch der TV Großsachsenheim hat sich schon vor Jahren den Traum eines eigenen Vereinszentrum erfüllt - und lag damit goldrichtig. Im Januar 2012 ging der Sportpark Sachsenheim offiziell in Betrieb - Kosten: 2,5 Millionen Euro -, keine anderthalb Jahre später war eine Erweiterung in Form eines 150-Quadratmeter-Anbaus für rund 400 000 Euro beschlossene Sache. Die Kapazitäten reichten nicht aus. Mit 350 Nutzern hatte man zu Beginn kalkuliert, nach einem Jahr trainierten bereits mehr als 1000 Frauen und Männer im vereinseigenen Fitnessstudio. Unzählige Namen standen auf der Warteliste. In puncto Mitgliedergewinnung hat sich der Bau ausgezahlt. Zu Beginn der Sportpark-Baus hatte der TVG eta 1400 Mitglieder, heute sind es etwa 2600.

SOL/CAH

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