Die Umstellung auf das neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen in Bietigheim-Bissingen liegt bereits einige Jahre zurück. Anfang 2015 brach an Enz und Metter das doppische Zeitalter an. Die Eröffnungsbilanz wurde hingegen erst in der jüngsten Ratssitzung mitsamt eines Prüfberichts des Rechnungsprüfungsamtes vorgestellt und einstimmig gebilligt. Grund sind laut Pressesprecherin Anette Hochmuth die „sehr aufwendigen“ Vorarbeiten.

Immerhin mussten für die Bilanz 8059 Vermögensgegenstände einzeln bewertet werden, wie es in der Vorlage der Verwaltung an die Gemeinderatsmitglieder heißt. Und es galt zu entscheiden, was wie zu bewerten ist. Der Gesetzgeber hat für die erstmalige Bewertung des Vermögens nur einen groben Rahmen vorgegeben. Zur Konkretisierung wurde von Vertretern aus Gemeinden, Städten und Landkreisen sowie von Vertretern der kommunalen Landesverbände, des Datenverarbeitungsverbundes, der Gemeindeprüfungsanstalt und des Innenministeriums zwar ein Leitfaden zur Bilanzierung erarbeitet, daneben hat die Stadt Bietigheim-Bissingen aber auch noch eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Inventarordnung und eine Inventurrichtlinie erlassen.

Der ganze Aufwand wird betrieben, um eine Basis für eine „ressourcenorientierte und generationengerechte Steuerung“ zu haben, wie es in der Vorlage heißt. Anders ausgedrückt, es kann so der „Werteverzehr“ beim städtischen Vermögen in Form von Abschreibungen in den Haushaltsplan einfließen.

Wie der Bilanz zu entnehmen ist, beläuft sich das Gesamtvermögen der Stadt auf immerhin 412 Millionen Euro. Darunter entfallen 226 Millionen Euro auf das Sachvermögen. So haben die Finanzfachleute unter anderem den Wert der städtischen Grünfläche auf 5,2 Millionen Euro beziffert, Ackerland auf 6,8 Millionen, Wald auf 3,2 Millionen und die sonstigen unbebauten Grundstücke auf 10,7 Millionen Euro.

Schulen sind 30 Millionen wert

Alle Schulen zusammen haben einen Wert von 30,8 Millionen Euro, sämtliche soziale Einrichtungen werden mit 22,6 Millionen Euro bewertet. Sporthallen, Museen, Spielplätze und was sonst noch dem Sport oder der Kultur dient wird auf 17,7 Millionen Euro beziffert, Verwaltungsgebäude, Feuerwehr, Bücherei, Kronenzentrum, Arkadengebäude und Ähnliches auf 31,2 Millionen.

Straßen, Wege und Plätze werden in der Bilanz mit 38,9 Millionen Euro angegeben, Brücken und Tunnel mit 29,2 Millionen. Rund 3 Millionen Euro beträgt der Wert der städtischen Fahrzeuge.

185 Millionen Euro umfasst das Finanzvermögen von Bietigheim-Bissingen. Davon sind 69,4 Millionen Unternehmensanteile, etwa an der Wohnbau GmbH, 57,8 Millionen finanzielle Forderungen, zum größten Teil Darlehen an die städtische Holding.

Bei den ganzen Millionenbeträgen hatte sich die Verwaltung in ihrer Vorlage um drei Millionen Euro vertan, worauf SPD-Stadtrat Werner Kiemle bei der Beratung im Gemeinderat hinwies. Nach Auskunft von Jens Klinger, dem Leiter der Kämmerei, handelte es sich jedoch lediglich um ein Versehen, das bereits korrigiert worden sei.

Auch wenn die Bilanz erst jetzt fertig geworden ist, hat die Stadt bisher schon mit Abschreibungen kalkuliert. So wurden für den laufenden Etat 7,5 Millionen Euro an Abschreibungen berechnet. Dennoch ergab sich im Ergebnishaushalt ein Überschuss von 3,9 Millionen Euro, der planerisch höchste Überschuss seit Einführung der Doppik im Jahr 2015, wie Erster Bürgermeister Joachim Kölz bei der Haushaltseinbringung betonte.