Bietigheim-Bissingen Städtepartnerschaft: Nicht mehr so gefragt - Bilanz zum Bietigheim-Bissinger Programm

Bietigheim-Bissingen / JULIA SCHWEIZER 23.04.2016
Stolze fünf Partnerstädte im Ausland zählt Bietigheim-Bissingen, und das schon seit teils mehr als 50 Jahren. Doch der Austausch ist nicht mehr so beliebt wie früher.

Es vergeht kaum einen Monat, in dem nicht Delegationen in Bietigheim-Bissingen sind - oder hiesige Gemeinderäte, Musiker oder Schüler in einer der fünf Partnerstädte im Ausland. Das geht zumindest aus dem Partnerschaftsprogramm für dieses Jahr hervor. Anfang Mai etwa reist eine Gruppe mit der Schiller-Volkshochschule nach Sucy-en-Brie, wenig später sind Ellental-Gymnasiasten vor Ort, andere Schüler voraussichtlich im Juli in Szekszárd. Bissinger Realschüler sind im September wieder in Kusatsu sowie Engländer aus Surrey-Heath hier beim Pferdemarkt. 50.000 bis 100.000 Euro in Jubiläumsjahren investiert die Stadt.

Die Liste der Austausche ist zwar umfangreich - und doch werden die meisten Partnerschaften nicht mehr so gelebt, wie das früher der Fall war. So hat etwa die jetzt zuständige Sprachlehrerin in Surrey Heath persönliche Kontakte nach Bad Mergentheim - und die Gruppen reisten eher dorthin, bedauert Stadtsprecherin Anette Hochmuth, die auch zuständig ist für Städtepartnerschaften. Ähnlich sehe es mit Frankreich aus. Der Grund sei dort auch in einer jüngsten Schulreform zu suchen, die das Fremdsprachenlernen "nicht allzu sehr begünstigt", sagt Hochmuth. Allerdings würden ebenso deutsche Schüler lieber Spanisch statt Französisch lernen.

Eher finanzielle Gründe sind es, die den Austausch mit Ungarn erschwerten, weiß Hochmuth. Immerhin habe man die Eltern beruhigen könnten, die vor der Begegnung der Musikschulen im März angesichts der Flüchtlingssituation besorgt angefragt hätten, ob sie ihre Mädchen noch auf die Straßen lassen könnten, sagte Hochmuth.

Konstanz gibt es eigentlich nur beim Austausch zwischen Kusatsu und der Bissinger Realschule. Eine kleine Gruppe Japaner kommt im Juli hierher, Bissinger Schüler sind dann im September vor Ort. Ähnlich traditionell sind Besuche ausländischer Delegationen zum Pferdemarkt. Während die Engländer eigentlich immer dabei sind (Hochmuth: "Das ist als regelmäßigster Teil der Beziehung noch übriggeblieben"), stehen den Franzosen oft andere Termine zu Beginn des Schuljahres im Weg. Auch 2016 ist das Kommen noch nicht fix.

Richtig gut läuft es dagegen mit Spanien, auf Basis von Projekten, wie etwa der Ellental-Gymnasien. Zudem pflegt auch die Schiller-VHS mit einigen Sprachkursen den Austausch, ebenfalls mit dem Örtchen Aranjuez, aus dem Ende April mehr als 20 Gäste erwartet werden. Andere Schulen seien ebenfalls auf Sprachkurse umgeschwenkt, auch wenn das teurer sei als der klassische Schüleraustausch.

Richtig toll seien auch die Sommercamps gewesen, die es vor vielen Jahren regelmäßig gegeben habe, erinnert sich Hochmuth. Je fünf Jugendliche aus jeder Partnerstadt trafen dabei in Bietigheim-Bissingen auf ebenso viele deutsche und besuchten Workshops zu einem bestimmten Oberthema, etwa Tanz, Fotografie und vieles mehr. "Das war immer eine super Woche", erinnert sich Hochmuth. Doch aus Personalgründen musste sie dieses Projekt einstellen. Man sei nun aber am Überlegen, ob man es mithilfe eines großen Vereins wiederaufleben lassen könne.