Starkregen Stadt will sich gegen Unwetter rüsten

Wasser auf der Straße nach einem Unwetter am 6. Juli 2012 beim Bietigheimer Kaufland. Die Stadt will sich auf solche Ereignisse besser vorbereiten und dazu ein Konzept erarbeiten.
Wasser auf der Straße nach einem Unwetter am 6. Juli 2012 beim Bietigheimer Kaufland. Die Stadt will sich auf solche Ereignisse besser vorbereiten und dazu ein Konzept erarbeiten. © Foto: Helmut Pangerl
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 10.11.2018

Bietigheim-Bissingen am 4. Juli dieses Jahres: Bis weit nach 22 Uhr sind die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz, nachdem gegen 16.30 Uhr gewaltige Regen- und Hagelschauer auf die Stadt niedergeprasselt sind. Es gibt mehr als 50 Einsatzstellen. In der Unterführung am Bietigheimer Bahnhof sind Autos von den Wassermassen eingeschlossen, der Grotz-Tunnel in Bissingen muss zeitweise gesperrt werden. Durch einen umgestürzten Baum auf den Gleisen zwischen Bietigheim und Tamm ist der Zugverkehr für rund eine halbe Stunde unterbrochen. Kann man sich auf solche Naturkatastrophen besser vorbereiten? Die Stadtverwaltung meint ja und schlägt dem Gemeinderat, der am Dienstag tagt, die Einführung eines interkommunalen „Starkregen-Risikomanagements“ gemeinsam mit der Gemeinde Tamm vor.

Die Verwaltung reagiere damit auch auf Anträge aus dem Gemeinderat (Freie Wähler im Jahr 2012, CDU 2017), die unter dem Eindruck starker lokaler Regenfälle zur Erstellung einer Starkregengefahrenkarte beziehungsweise zur Erstellung eines Maßnahmenkonzepts gestellt wurden, heißt es in der Vorlage an die Stadträte. Unter „Starkregenereignissen“ versteht man lokal begrenzte Unwetter mit einer großen Niederschlagsmenge und Intensität (ab 5 Liter in 5 Minuten oder 10 Liter in 10 Minuten pro Quadratmeter). Infolge des Klimawandels sei mit einer Zunahme solcher lokaler Starkregen zu rechnen, so die Verwaltung.

Das ist insofern problematisch, als solche Gewitter schwer vorhersagbar sind, woraus sich kurze Vorwarnzeiten ergeben. „Durch die hohe Niederschlagsintensität fließt ein großer Teil oberirdisch ab auf Wegen, Straßen und Geländeeinschnitten mit entsprechenden Gefahren für Gebäude, Fahrzeuge und im Extremfall auch für Menschen“, berichtet die Verwaltung. Das Starkregen-Risikomanagement solle diese Gefahren aufzeigen, die Bürger für die Eigenvorsorge sensibilisieren und Vorschläge zur Risikoreduzierung machen.

Unterstützung kommt vom Land Baden-Württemberg, das Ende letzten Jahres einen aktuellen Leitfaden zu diesem Thema herausgegeben hat. Darüber hinaus wurde durch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg zur Qualifizierung der Fachbüros für dieses neue und komplexe Aufgabengebiet ein standardisiertes Referenzverfahren entwickelt. Oberflächenabflusskennwerte sowie die jeweiligen Einzugsgebiete und hydraulischen Gegebenheiten seien landesweit digital ermittelt und den Kommunen zur Verfügung gestellt worden, heißt es in der Gemeinderatsvorlage.

Kritische Objekte benennen

Das Starkregen-Risikomanagement teilt sich in drei Phasen auf. Zunächst werden, basierend auf der Datengrundlage, simulationsgestützte Gefährdungsanalysen für Starkregenszenarien unterschiedlicher Intensität durchgeführt und Starkregengefahrenkarten erstellt. Anschließend wird eine Risikoanalyse gemacht, bei der die Starkregenkarten ausgewertet und besonders risikobehaftete Objekte, Infrastruktureinrichtungen und Gebiete identifiziert werden. Das mögliche Schadenspotenzial wird dabei abgeschätzt. Für besonders kritische Objekte werden sogenannte „Risikosteckbriefe“ erstellt.

Das Ganze soll dann zu einem Handlungskonzept führen, in welchem unter anderem dargelegt ist, wie durch Informationen vorgesorgt werden kann, wie das Krisenmanagement aufgebaut ist und was an kommunalen baulichen Maßnahmen nötig ist. Aufgrund der sich überschneidenden hydraulischen Einzugsbereiche der Markungen von Bietigheim-Bissingen und Tamm soll das Projekt interkommunal angegangen werden.

Laut Vorlage wurden vier Büros um ein Angebot gebeten. Das günstigste Angebot wurde mit 89 500 Euro vom Ingenieurbüro Winkler und Partner aus Stuttgart abgegeben. Der Betrag reduziere sich für Bietigheim-Bissingen durch die interkommunale Beauftragung auf rund 61 000 Euro, so die Stadt. Den Restbetrag trägt die Gemeinde Tamm. Zudem gilt das Vorhaben zu 70 Prozent als förderfähig. Das heißt, den Löwenanteil würde das Land übernehmen. Die Verwaltung schlägt daher vor, das Ingenieurbüro erst nach Vorliegen eines Förderbescheids zu beauftragen.

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