Ganz im Zeichen der Zeit hat Spillmann zum 1. Juli drei Omnibusse mit Hybrid-Antrieb in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um Mercedes-Citaro-Hybrid-Fahrzeuge. Schon äußerlich unterscheiden sich die neuen Busse von den herkömmlichen Omnibussen. Eine hellblaue Kante und eine Wölbung an der Fahrzeugfront sowie bei den Spillmann-Bussen eine auffällige Gestaltung signalisieren dem Fahrgast, dass er mit einem Fahrzeug der neuen Generation fährt.

Die Hybrid-Technologie ist laut Tobias Hähnle vom ÖPNV Planungs- und Qualitätsmanagement bei Spillmann, eine Übergangslösung. Bei Hybrid-Fahrzeugen sind in der Regel zwei unterschiedliche Antriebstechniken im Einsatz. Beim Mercedes-Citaro-Hybrid ist ein Dieselmotor im Einsatz, der durch einen elektrischen Fahrmotor unterstützt wird. An die Steckdose müssen die Hybrid-Busse bei Spillmann jedoch nicht. Bei jedem Bremsvorgang erzeugen die Fahrzeuge elektrische Energie.

Energie wird gespeichert

Dieses Verfahren wird Rekuperation, und die Bremse deshalb Rekuperations-Bremse genannt. Die so gewonnene Energie wird direkt in einem auf dem Omnibus-Dach montierten sogenannten Rekuperations-Modul gespeichert. Speziell beim Anfahren unterstützt ein Elektromotor den Dieselmotor mit der so gewonnenen Energie. Die dadurch verbesserte Antriebsdynamik spart nach Angaben des Herstellers Sprit und vermindert somit auch den Schadstoffausstoß. Nach Auskunft von Tobias Hähnle tatsächlich ein sehr effektives Verfahren, das in der Praxis zu einer Einsparung von 1,5 bis 2 Liter Diesel auf 100 gefahrene Kilometer führt. Ein Linienbus fährt bei Spillmann im Jahr rund 60 000 Kilometer. Daraus ergibt sich eine jährliche Einsparung von mindestens 900 Liter Diesel pro Fahrzeug gegenüber herkömmlichen Omnibussen. Die Hybrid-Busse haben mittlerweile jeweils rund 15 000 Kilometer zurückgelegt. Technische Probleme sind an den Fahrzeugen bislang keine aufgetreten.

Der Fahrgast merke von der neuen Antriebstechnik eigentlich nichts. Der einzige Unterschied zu den anderen Linienbussen ist die neue Innenausstattung. Die neuen Fahrzeuge sind mit W-Lan und USB-Ladesteckdosen ausgestattet. Eine Besonderheit ist auch, dass die neuen Busse sogenannte Motto-Wagen sind. Jeder der drei Hybridbusse ist individuell bedruckt. Der Bus Nature glänzt mit Landschaftsmotiven, der Science-Bus gibt sich futuristisch und ist blau bedruckt. Auch bei den Bodenbelägen finden sich diese Themen wieder. Der Science-Bus hat einen Bodenbelag in Form von Puzzlesteinen in Mosaikform, im Nature-Bus hingegen bewegt sich der Fahrgast auf aufgedruckten Kieselsteinen zu seinem Platz. Im Themenbus Garden ist der Boden mit einem Rasenmuster bedruckt. Spillmann lege großen Wert auf eine optisch ansprechende Erscheinung der Omnibusse. Man wolle mit den Bussen der neuen Generation den Kunden, einen frischen ÖPNV-Gedanken und den best möglichen Fahrkomfort vermitteln, so das Unternehmen.

Schritt zur reinen E-Mobilität

Spillmann sieht die Hybridbusse als ersten Schritt auf dem Weg zur reinen E-Mobilität. Im Schnitt sind die Omnibusse sechs Jahre im Einsatz und werden dann durch neue Fahrzeuge ausgetauscht – auch die mit Dieselmotor. Aktuell werden bei Spillmann pro Jahr etwa sechs Busse ersetzt.

Bis Ende 2020 will Spillmann die Hälfte seiner aktuell rund 38 Omnibusse zählenden Fahrzeugflotte auf Hybrid-Fahrzeuge umstellen. Am Ende der ersten Stufe werden ausschließlich Hybrid-Busse auf den Buslinien unterwegs sein. Reine Diesel-Omnibusse sind bei Spillmann demnach nur noch bis Ende 2024 im Einsatz. Ab 2025 werden dann im Rahmen der turnusmäßigen Fahrzeugflotten-Erneuerung die Hybridbusse durch rein elektrisch betriebene Busse für die innerstädtischen Buslinien ersetzt. Das verlangt auch der Gemeinderat Bietigheim-Bissingen (die BZ berichtete).

Eventuell werden dann die vollelektrischen Omnibusse länger im Einsatz sein. Man geht davon aus, dass beispielsweise durch den Austausch der Batterie eine längere Einsatzzeit der Fahrzeuge erzielt werden kann. Dies erfordert jedoch, dass bis dahin die Infrastruktur im Betriebshof angepasst wird. Für die reinen Elektrobusse müssen dann auch Ladestationen für das sogenannte Overnight-Charging, also das Aufladen über Nacht, bereitstehen. Auch Fachpersonal für die Wartung der Hochvolt-Fahrzeuge muss entsprechend geschult werden.

Anders sieht es momentan bei den Reise-Bussen aus, die bei Überlandfahrten eingesetzt werden. In welchem Umfang dann dort rein elektrisch betriebene Omnibusse zum Einsatz kommen, wird von der technischen Entwicklung (Stichwort Reichweite) abhängig sein.

Einsparung von Kohlenstoffdioxid


Laut Tobias Hähnle von Spillmann verbrauchen die Citaro-Hybridbusse etwa 1,5 Liter Diesel pro 100 Kilometer weniger. Bei einer jährlichen Fahrleistung von rund 60 000 Kilometer pro Bus ergibt sich daraus eine Einsparung von mindestens 900 Liter Diesel. Bei der Verbrennung von einem Liter Diesel entstehen nach Angaben der Dekra 2,65 Kilogramm Kohlenstoffdioxid (CO2). Legt man diese Daten zugrunde, stößt jeder Hybridbus im Spillmann-Linienverkehr jährlich etwa 2,38 Tonnen CO2 weniger aus. mh