Unübersehbar ist der 24 Meter hohe Spielturm mit 19 Meter lange Rutsche und Kletternetz idyllisch an der Enz gelegen. Der Spielturm am Spielplatz in der Wobachstraße im Bietigheimer Bürgergarten könnte bald Geschichte sein. Das deutete Bürgermeister Joachim Kölz bei der Haushaltsbesprechung des Verwaltungs- und Finanzausschusses an. Der Prüfdienst habe angekündigt, dass er den Turm nächstes Jahr nicht mehr abnehmen werde, erklärte Kölz. Dann muss die Stadt entscheiden, ob er abgerissen wird oder saniert. Für Letzteres stehen die Chancen wohl schlecht.

Hohe Sanierungskosten

Der Spielturm wurde zur Landesgartenschau 1989 errichtet und sei inzwischen in die Jahre gekommen, erklärt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Vor 30 Jahren gab die Stadt rund 200 000 D-Mark für den Turm aus. Doch über die Jahre wurden Teile vielfach erneuert. Die Rutsch-Röhre beispielsweise wurde 2003 für 23 000 Euro erneuert. Sie war durch die häufige Nutzung förmlich durchgerutscht. „Die Sanierungskosten haben den einstigen Baupreis um ein Mehrfaches schon überstiegen“, sagt Hochmuth. Dennoch sei jetzt die Zeit der Entscheidung gekommen: entweder ein grundsätzlicher Neuaufbau mit hohen Kosten oder ein neuer Turm. „Tragende Teile halten nicht mehr lange“, erklärt die Stadtsprecherin den Sachverhalt und ergänzt: „Er ist natürlich noch sicher, sonst hätten wir ihn schon geschlossen.“ Derzeit und auch im neuen Jahr sei der Betrieb noch gewährleistet. Die Verwitterung schreitet jedoch fort. „Man sieht am Turm, dass einzelne Hölzer neuer sind als andere.“ Einzelne Streben seien in Beobachtung, wenn deren Zustand schlechter wird, werden auch sie ersetzt.

Zwar ist der Spielturm noch nicht auf der Tagesordnung einer Gemeinderatssitzung, doch wolle sich die Stadt rechtzeitig um neue Spielmöglichkeiten kümmern und habe deswegen auch 125 000 Euro dafür im Haushaltsplan 2020 bereitgestellt. „Wobei noch nicht verbindlich gesagt werden kann, ob das ausreicht.“ Die Verwaltung prüfe die Alternativen und werde diese nach Abschluss der Prüfung im Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen, heißt es vonseiten der Stadt.

Bestnote für Spielturm

2014 erhielt die Stadt Bietigheim-Bissingen in puncto Spielplätze die Gesamtnote 2,4. Im Auftrag der Stadtverwaltung testete Wilfried Trapp die rund 70 Plätze in der Stadt. Seit drei Jahrzehnten plant er Freizeit-Areale für Kinder und Jugendliche. Der Spielplatz Wobachstraße erhielt von ihm die Bestnote.

Bestnote fürs Spielen, doch beliebt war der Spielturm nicht nur bei Kindern. Denn in den 30 Jahren seit es den Spielturm gibt, machten sich auch Vandalen an ihm zu schaffen. Es ist unter anderem die abgeschiedene Lage, die den Spielplatz im Bürgergarten für Vandalismus so attraktiv macht. Eine der letzten Fälle wurde im Mai dieses Jahres gemeldet. Ein Sicherheitsnetz wurde zerstört. Deshalb musste der Turm gesperrt werden. Schon vor zehn Jahren forderte ein Stadtrat die Einzäunung des Spielplatzes, um ihn vor weiteren Attacken zu schützen, doch die Stadt entschied sich dagegen. „Wir können nicht sämtliche Spielplätze einzäunen, überwachen und mit großflächigen Hinweisschildern ausstatten“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Kessing damals.

Sicherheitsüberprüfung des Spielturms


Der Spielturm in der Wobachstraße werde regelmäßig sicherheitstechnisch geprüft. Das unterliegt in der Verantwortung der Stadt Bietigheim-Bissingen. Wenn es konkrete Mängel gibt, die schnell behoben werden müssen, werde dies auch gleich gemacht, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Alle 14 Tage werde das Spielgerät zudem von Mitarbeitern des Bauhofs geprüft. Hinzu kommt eine umfassende Untersuchung einmal jährlich durch einen externen Sachverständigen eines Prüfdienstes wie Tüv oder Dekra. rwe