Die Gewerbetreibenden im Buch setzen seit vier Jahren auf diesen Mittelaltermarkt – einen der ersten im Jahr weit und breit mit hohem Wetterrisiko. Klar haben die Händler, die sogar von der Nordsee, Tschechien und Ungarn kommen, das eingeplant. Sie kommen trotzdem.

Unter ihnen sind Gaukler wie der „Luftikus aus Schwieberdingen“ mit seinem Gemini. Der Gemini ist nicht etwa sein Zwilling. Er ist sein kleiner gelber Drache, eine Handpuppe. „Der Luftikus ist ein ganz spontaner Straßenkünstler, der immer da auftaucht, wo keiner mit ihm rechnet“, beschreibt ihn Sandra Sodogé, die dieses Mal zusammen mit Markus Wiedenhöfer den Markt auf die Beine gestellt hat.

Nicht von der Stange

Die Ständelandschaft, die den Besucher hier erwartet, ist alles, bloß nicht von der Stange. Die Händler kommen mit handgenähten Zelten, ledernen Unterständen und auf so mancher kleinen Holztaverne ist oben sogar ein Dachgiebel. Viele Händler, die weitere Wege haben, übernachten im Auto. Einige Mittelalterfans kommen im Hippiebus und schlafen darin. Den Stoff für die Gewandeten liefert Hagen, der Stoffhändler aus Oberfranken. Er wendet die dicken Ballen hin und her: „Alles aus deutscher Produktion“.

Roland und Carmen Bröckel sind aus Murr mit ihren Imkerprodukten gekommen. „Für das erste Mal und das bei so miesem Wetter, läuft der Markt eigentlich ganz gut“, zieht Carmen Bröckel am Sonntag früh eine erste Bilanz. Dass die Besucher trotz schlechtem Wetter kommen, freut auch Markus, den Metmönch. „Ist das Wetter lausig, trinken die Leute mehr Met“, weiß er. Deshalb hat er nach Bietigheim gleich zwölf Sorten mitgebracht: Schlehen, Quitten und Holunder liefern die spezielle Note. Ganz oben unter den Favoriten rangiert der Waldbeer-Vanille-Met.

Doch ganz spurlos ging der Sturm am Samstagabend auch nicht am Markt vorbei. Martin Simon, der an seinem Stand mineralisches Tierfutter verkauft, hat seinen Pavillon eingebüßt. „Am Nachbarstand hat es eine ganze Zeltbahn weggerissen“, erzählt er. Doch an den meisten Ständen hat der Wind nur gerüttelt, ohne Schäden zu hinterlassen. So können die „Leitwölfe“ am Sonntagvormittag schon wieder ihre Schwerter wetzen für die Schaukämpfe in der von Stroh gesäumten Arena. Alle 16 Schaukämpfer kommen aus dem Tübinger Raum und sorgen dafür, dass nicht nur Kindern Augen und Ohren offen stehenbleiben.

Der Bader heizt seinen Zuber an. Er heißt Tallin, hat langes wallendes Haar und gehört zur Lagergruppe „Franka Farula Kaup“, die gerne Einblick in mittelalterliches Lagerleben geben. In den mit Wasser gefüllten Holzzuber führen einladend zwei Holzstufen. Quietscheenten warten am Beckenrand.

Noch ist das Wasser kalt

Noch ist das Wasser kalt. „Zwei Stunden“, meint Tallin zuversichtlich. Er muss es wissen, denn schließlich ist er der Einheizer. Der Ofen ist in den Zuber integriert. Der Vorteil: Einmal schön warm, hält der Zuber seine Wassertemperatur.“ „Jetzt noch eine Flasche Met und dann nie wieder aussteigen“, schwärmt Nadine Bucher aus Bietigheim. Wie sie denken zwar viele, die meisten belassen es aber dabei. „Zu wenige trauen sich, zu baden“, bedauert Tallin und schickt die Zögernden gern zum Nachbarstand, wo der Dieter vom Galgenberg gerne sein „historisches Gesöff“ anbietet.

Später dann wiederkommen

„Die sollen sich Mut antrinken und dann wiederkommen“, regt er an. Allerlei historisches Trinkgerät wie Trinkhörner und Tonkrüge gibt’s in vielen Varianten auf dem Markt zu kaufen, ebenso Schmuck. Der mittelalterliche Waffenfreund kommt auf seine Kosten, und wer ein warmes Schaffell sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Altes Handwerk ist stark vertreten von der „Kupfergeschmeiderei“ bis zur Kaffeerösterei.

Donner und Doria, die drei Musici aus dem Erzgebirge scharen die ersten Besucher am Sonntagmorgen gleich wieder vor die Bühne. Ihr Blickfang Kathereyn von Wolkensteyn wirft die Haare nach hinten und greift nach der großen Trommel. Das Trio Donner und Doria unterhalten abwechselnd mit dem Duo Forzarello die Zuhörer. Destructivus, der Schuldvolle, schlägt die Saiten der selbstgebauten Mittelaltergitarre an und Johannes, der Pfeifer, ist gleich wieder in seinem Element: der Klang seiner Piccoloflöte beschallt zart den ganzen Markt. Das ist das Zeichen für den Baumstriezelbäcker aus Ungarn, die Glut seiner Holzkohle anzufachen. Er legt den Teig über vier Rollen. „Jeder Baumkuchen braucht drei Minuten. Hefeteig wird mit Zucker, Zimt, Schoko oder Vanileearoma bestrichen“, erklärt er. Dazu einen Moccaglühwein.