Bildung Sozialarbeit gestaffelt nach Schülerzahl

Uwe Mollenkopf 17.11.2018

Die Schulsozialarbeit habe längst „den Geruch des Anfangs“ verloren, sagte Thomas Reusch-Frey (SPD), der Sprecher des Stiftungsrats zur Förderung von Sozialeinrichtungen in Bietigheim-Bissingen, bei der Sitzung des Gremiums am Dienstag im Rathaus. Sie werde inzwischen sehr geschätzt. So sehr, dass jetzt eine Aufstockung nötig wurde: Der Stiftungsrat stimmte der Schaffung einer Fachbereichsleitungsstelle für die Schulsozialarbeit mit einem Stellenumfang von 50 Prozent zu.

Begründet wird dies damit, dass die Jugendförderung „Das Netz“, zu der auch die Schulsozialarbeit gehört, mit knapp über 20 Mitarbeitern in den letzten Jahren zu einem größeren Träger der Jugendhilfe und außerschulischen Jugendbildung angewachsen ist. Damit seien auch die Anforderungen an die Gesamtleitung deutlich gestiegen. Nötig sei eine Entlastung, weshalb nun für den größten Fachbereich der Jugendförderung, die Schulsozialarbeit, mit nunmehr elf Mitarbeitern an zehn Schulen eine eigene Teamleitung und Anlaufstelle eingerichtet werden soll. Es gehe dabei um die Qualitätssicherung und die Koordination der Aufgaben, erklärte Thomas Reusch-Frey.

Die neue 50-Prozent-Stelle  soll mit einer vorhandenen 50-prozentigen Schulsozialarbeitsstelle kombiniert werden.

Das ist jedoch nicht die einzige Änderung, die im Stiftungsrat einstimmig beschlossen wurde. Das Gremium befürwortete auch eine Staffelung der Schulsozialarbeitsstellen an den Schulen der Stadt Bietigheim-Bissingen nach der Schülerzahl: Demnach sollen Schulen unter 250 Schülern 0,5 Stellen bekommen, Schulen ab 250 bis 500 Schülern eine Stelle und Schulen über 500 Schülern 1,5 Stellen.

Derzeit ist an den meisten Grundschulen eine volle Stelle für die Schulsozialarbeit vorgesehen. Lediglich die Grundschule der Waldschule mit zwei Zügen und das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) Gustav-Schönleber-Schule haben aufgrund geringer Schülerzahlen nur eine halbe Stelle. In der Sekundarstufe ist unabhängig von der Größe der Schule jeweils eine volle Stelle für die Schulsozialarbeit eingerichtet.

Das habe zu einem Ungleichgewicht bei der Stellenverteilung in der Sekundarstufe geführt, die von den Elternbeiräten und den Schulleitern im letzten Schulbeirat beklagt wurde, heißt es in der Vorlage. Sowohl für die Grundschulen als auch für die Sekundarstufe soll deshalb eine „transparente und gleichberechtigte Staffelung der Stellen“ festgelegt werden.

In der Praxis bedeutet die Neuregelung, dass das SBBZ, die Grundschule Waldschule und die Gemeinschaftsschule/Werkrealschule im Sand, die weniger als 250 Schüler haben, mit einer halben Sozialarbeiterstelle auskommen müssen. Die übrigen Grundschulen, die Gemeinschaftsschule/Werkrealschule Waldschule und die Realschule Bissingen, die in den Bereich zwischen 250 und 500 Schülern fallen, erhalten jeweils eine Stelle. Mehr als 500 Schüler und damit ein Anrecht auf eineinhalb Stellen haben die Realschule im Aurain und die Ellentalgymnasien.

Platzmangel am Gymnasium

Die Neuregelung führt an den beiden großen Schulen um eine Stellenausweitung um jeweils eine halbe Stelle,  an der Schule im Sand zu einer Stellenreduzierung um 0,5 Stellen.

Allerdings: Die Besetzung der zusätzlichen halben Stelle in den Gymnasien ist aus Platzgründen während der laufenden Bauphase schwierig, deshalb soll hier mit der Stellenbesetzung noch gewartet werden. In der Realschule im Aurain ist die baldige Umsetzung dagegen möglich.

Im Sitzungsrat sprach Claus Stöckle (CDU), der Rektor der Realschule im Aurain, den Sozialarbeitern seinen Dank aus. „Wir brauchen diese Menschen“, erklärte er. Es gebe eine „überproportionale Zunahme an Einzelfallhilfen“. Diese Fälle dehnten sich leider auf alle Schulen aus.

Werner Kiemle (SPD) erklärte, es sei wichtig, dass die Schulsozialarbeiter dort seien „wo man sie braucht“ und hinterfragte die Reduzierung im Sand. Bürgermeister Joachim Kölz stellte indes klar, dass die Grundschule im Sand weiter eine volle Stelle habe, die Reduzierung auf eine halbe Stelle betreffe nur die Gemeinschaftsschule angesichts geringerer Schülerzahlen.

Etat von 1,5 Millionen Euro

Im Jahr 2019 verfügt die Stiftung zur Förderung von Sozialeinrichtungen in Bietigheim-Bissingen über einen Etat von rund 1,5 Millionen Euro. Davon kommen 1,1 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt. Die Stiftung hat die Trägerschaft für die offene Jugendarbeit übernommen. um

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