Der Tisch ist voll mit Bildern, einem Atlas und jeder Menge dicker Bücher mit Reiseberichten. Die Titelbilder zeigen Orte in Jordanien, Israel, Ägypten, Türkei, Nordsudan oder Usbekistan. Wenn Dieter Petri von seinen Reisen erzählt, dann leuchten seine Augen und es sprudelt nur so aus ihm heraus. Denn es sind nicht einfach nur Urlaube, die der ehemalige Religionslehrer, Pfarrer und Schuldekan mitorganisiert, sondern Studien- und Begegnungsreisen, die viel Planung beinhalten.

150 Seiten Reisebuch

Jedes Reiseziel wurde von dem Bietigheimer gezielt ausgewählt. Oft wandelt er auf biblischen Spuren. „Ich gehe dorthin, wo man eigentlich sonst nicht Urlaub macht“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Für jede Studienreise hat er ein Reisebuch mit durchschnittlich 150 Seiten. Darin enthalten, sind unter anderem wichtige Informationen über das jeweilige Land, die Reiseroute und Bilder. Bilder, die der Hobby-Fotograf meist selbst im Rahmen seiner Recherche geschossen hat. Die ersten Studienreisen organisierte er als Lehrer und Pfarrer für seine Schüler. Mit der Schulpartnerschaft zwischen den Ellental Gymnasien und der israelischen Schule Eynot Yarden High School in Amir habe es angefangen. „Dadurch habe ich Freunde in Israel und Palästina“, sagt der Ruheständler. „Irgendwann sind dann aber kaum noch Schüler und Lehrer mit“, erinnert sich Petri an die Anfänge, „das war wie eine Lawine“, spricht er das große Interesse auch außerhalb der Schule an.

Seit vielen Jahren arbeitet Petri deswegen mit einem Reisebüro zusammen, um auch anderen derartige Reisen anzubieten. „Man muss mit einem örtlichen Reiseunternehmen zusammenarbeiten“, sagt er im Hinblick auf die Sicherheit in manchen Ländern. Zwar musste mal hier und  da umdisponiert werden, gefährlich war es für Dieter Petri und seine Mitreisenden bislang jedoch nie. Vielleicht auch, weil ihm der Kontakt zu den Einheimischen wichtig ist und war: „Ich möchte, dass Begegnungen zwischen Menschen stattfinden können.“ Deswegen gibt es zu jeder Studienreise auch einen Besuch mit beispielsweise örtlichen kirchlichen Gruppen oder politischen Personen, wie Generalsekretäre oder deutsche Botschaftern. „Das ist besonders interessant, weil diese Menschen mit deutschen Augen auf das jeweilige Land blicken“, findet Petri. „Was uns in den Ländern des Orients sehr beeindruckt hat, war die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen – insbesondere im Iran.“

Neben den Iranern bietet das Land auch so manch beeindruckendes Fotomotiv. Zum Beispiel den Paradiesgarten Bagh-e Shazdeh in der Provinz Kerman. „Er liegt inmitten der Wüste, dem Ort der Dämonen, von der er durch eine Mauer abgetrennt ist.“ Das Wort Paradies, wie es auch in der Bibel vorkommt, geht auf die altpersische Bezeichnung für ein umgrenztes oder eingehegtes Gebiet wie einen herrschaftlichen Park, einen Tier-, Lust- oder Zaubergarten zurück, weiß der Pfarrer. Der Garten im Iran stellt heute eine der letzten intakten, nach dem Vorbild alt­ persischer Paradeisos-Gärten konzipierten Anlagen dar. „Der Garten selbst wird durch unterirdisch hergeleitetes Wasser bewässert und zeigt eine reiche bunte Vegetation.“ Der Lehrer steckt wohl immer noch in ihm drin. Zu gern teilt er sein Wissen mit interessierten Mitreisenden.

Damit solche Reisen und Begegnungen zustande kommen, unternimmt der Bietigheimer Vorreisen, in denen er sich die Ziele genau anschaut, Fotos macht, mit dem Reisebüro abstimmt, wo es hingehen kann und wen die Gruppe besuchen könnte. „Man muss sich vorher ein Bild machen, was in dem Land möglich ist“, stellt er klar. Genau diese Recherchen lässt er zu Reiseführern binden. So eben auch in Libyen – die bislang schönste Reise für Dieter Petri. Dort wäre er auch gerne erneut hingeflogen. „Ich bin jemand, der gerne mehrmals in ein Land reist. So entdeckt und erfährt man mehr.“ Deswegen war es für ihn auch schade, dass er die für 2011 geplante Tour nach Libyen wegen dem dort herrschenden Bürgerkrieg absagen musste. Es sei emotional für Dieter Petri, was in vielen der von ihm bereisten Länder passiere, doch das Reisen möchte er nicht aufgeben. Im September geht es nach Usbekistan. „Dort sind wir unterwegs auf der Seidenstraße“, freut er sich schon.