Bietigheim-Bissingen So funktioniert die Bioanlage

Ein Blick in die Biovergärungsanlage in Backnang.
Ein Blick in die Biovergärungsanlage in Backnang. © Foto: Andreas Dalferth
UWE MOLLENKOPF 12.07.2016
Wärme und Strom aus Bioabfall – das ist das Prinzip der Biogutvergärung, wie sie im Steinbruch Fink geplant ist. Dazu sind eine ganze Reihe von Schritten nötig.

So kontrovers über Standort, Verkehrsanbindung oder Sorgen um Geruchsbelästigung der im Steinbruch Fink geplanten Biogutvergärungsanlage in Bietigheim-Bissingen vor dem Bürgerentscheid diskutiert wird, so einleuchtend ist die Funktionsweise. Ob Eierschalen, Speiserest, Obstsabfäll, Baum- und Strauchschnitt oder verwelkte Blumen – alles, was zum Bioabfall zählt, enthält Energie. Und diese Energie soll künftig zur Erzeugung von Wärme und Strom genutzt werden, so die Idee.

Die Bissinger Anlage soll dazu die getrennt erfassten Bioabfälle aus der kommunalen Bioabfallsammlung des Landkreises Ludwigsburg und umliegender Landkreise verarbeiten. Die Biogutvergärung Bietigheim GmbH will auf diese Weise auf eine Menge von 48.000 Tonnen pro Jahr kommen. Wie die Projektpartner in ihrer Vorlage für den Gemeinderat erklärt haben, wird für die Anlage eine Fläche von 2,84 Hektar benötigt.

Und so funktioniert’s: Müllfahrzeuge, die auf der Biogutvergärungsanlage verwogen werden, liefern das Material an und entladen ihre Fracht in der Anlieferungshalle. Die Materialbewegung im geschlossenen Anlieferungsbereich und in der Aufbereitungshalle geschieht mit dem Radlader. Das Material wird nun aufbereitet. Das heißt, es wird zerkleinert, gesiebt, und Metall wird daraus entfernt (Abscheidung). Der auf diese Weise behandelte Bioabfall wandert zunächst in einen Zwischenspeicher. Daraus kann man sich für die Vergärung im Fermenter kontinuierlich an 365 Tagen im Jahr bedienen. Die Befüllung geschieht mithilfe eines Krans.

Der Fermenter oder Gärtank  ist das Herzstück einer jeden Anlage. In ihm finden die Abbauprozesse der organischen Substanz statt, bei denen das Biogas entsteht. Das erzeugte Gas wird dann im Gasspeicher gesammelt und der Gasverwertung zur Verfügung gestellt.

Bevor das Gas weitergeleitet wird, ist allerdings eine Entwässerung und Schwefelreinigung mittels Aktivkohle vorgesehen. Nach der Gasaufbereitung wird das Gas zu den Blockheizkraftwerken geleitet. Zwei große Motoren (Standort Eishalle) übernehmen die komplette Gasverwertung. Nur ein kleiner Teil des Gases bleibt da und wird mittels eines kleinen Motors zur Eigenstrom- und Eigenwärmeerzeugung eingesetzt.

Was übrig bleibt, der Gärrest, wird entwässert (Fest-Flüssigtrennung). Der flüssige Teil (Flüssigdünger) wird aus einem kleinen Vorlagebecken direkt in den Nachgärer gepumpt. Zwei weitere Gärrestbehälter sind nachgeschaltet. Die drei Behälter erhalten jeweils ein Rührwerk und werden mit einer gasdichten Membran zur Gasspeicherung abgedeckt. Die Gärrerstlager weisen eine Lagerkapazität für neun Monate auf.

Die festen Gärreste kommen in der Nachrottehalle in belüftete Boxen. Am Ende der mehrwöchigen Nachrotte wird der erzeugte Kompost abgesiebt und von der Anlage abgefahren. Der Kompost wird vor den Kompostlagerboxen an der Längsseite der Kompostierungshalle abgeholt, die flüssigen Gärreste durch Landwirte im Freien auf einer Verladestation.

Folgende Mengen an Energie und Dünger sollen jährlich erzeugt werden: 11.900 MWh Strom, 12.500 MWh Wärme (die ins Fernwärmenetz Kreuzäcker/Innenstadt eingespeist wird), rund 15.000 Tonnen Kompost und 20.000 Tonnen Flüssigdünger. Die Betreiber gehen davon aus, dass zugleich 5000 Tonnen Störstoffe – Material, das nicht in den Biomüll gehört – anfallen.

Die Anlage wird geschlossen ausgeführt, um keinen Geruch nach draußen dringen zu lassen. Alle Hallenteile werden abgesaugt. Die Abluft wird über Wäscher und Biofilter vor Abgabe an die Atmosphäre gereinigt.

Wie die BZ über den Bürgerentscheid berichtet

BZ-Countdown Im Countdown zum Bürgerentscheid am 17. Juli berichtet die BZ in dieser Woche täglich rund um das Thema. Die Argumente von Befürwortern und Gegnern der Anlage werden gegenübergestellt und das Prozedere bei der Abstimmung erläutert. Am Montag lesen Sie dann natürlich die Abstimmungsergebnisse sowie Reaktionen und vieles mehr in der Bietigheimer Zeitung. Und schon am Sonntag gibt es alle wichtigen Nachrichten aktuell auf Facebook und Twitter. Nach diesem Bericht über die Funktionsweise der Anlage geht es in der Ausgabe am Mittwoch um die Knackpunkte, über die die Parteien streiten.