Bietigheim-Bissingen/Ludwigsburg / MICHAEL KRAUTH  Uhr
Der Fachbereich Vermessung, Flurneuordnung und Geoinformation beim Landratsamt arbeitet derzeit eng mit drei Bietigheimer Schulen zusammen. Hierbei dreht sich alles um das Tüfteln an sicheren Radwegen.

Die Schüler der Bissinger Realschule, der Bissinger Waldschule und der Realschule im Aurain sind derzeit gemeinsam mit Experten des Ludwigsburger Landratsamts intensiv damit beschäftigt, die Sicherheit ihrer jeweiligen Radschulwege zu verbessern. Hierbei geht es vor allem darum, von den jungen Radfahrern selbst Informationen aus erster hand dazu zu erhalten, welche Routen sie auf dem Weg zum Unterricht einschlagen. Diese werden dann in ein Geoinformationssystem eingetragen. Am Ende dieses aufwendigen Prozesses sollen konkrete Radschulwegepläne für jede der drei genannten Schulen entwickelt werden.

Laut Stephan Bender, Rektor an der Bissinger Waldschule, haben seine Schüler von den Mitarbeitern des Landratsamts eine spezielle Software zur Verfügung gestellt bekommen, in die sie ihre ganz individuellen Radwege einpflegen können. "Es geht uns hierbei vor allem darum zu erfahren, wo es entlang der Route Gefahrenstellen gibt, die man künftig beheben könnte", sagt Bender, der im Rahmen des Projekts auch eng mit der Bissinger Realschule zusammenarbeitet. Der dortige Konrektor, Ulrich Gschwender, ist ebenfalls bestens mit dem Projekt vertraut und beschreibt dessen verschiedene Phasen: "Mit der digitalen Eingabe sind unsere Schüler jetzt fertig, nun ist das Landratsamt am Zug, die digitalen Spuren zu Radschulwegeplänen zusammenzuführen". Mit Blick auf mögliche Gefahrenstellen galt es für die Schüler jedoch nicht nur, auf diese hinzuweisen, sondern sie zusätzlich zu klassifizieren, erklärt Gschwender. Beispielsweise konnte man angeben, ob es für die Schüler an manchen Stellen zu einem klassischen "Autofahrer-Radfahrer-Konflikt" komme, ob die Bordsteinabsenkung an Überwegen schlecht oder eine Ampelschaltung ungünstig für die jungen Verkehrsteilnehmer sei. "In einem ersten Schritt ging es darum, die eigene Route auf Papier als Hausaufgabe aufzuzeichnen", erklärt Gschwender, der davon ausgeht, dass bei diesem Arbeitsschritt außerhalb der Schule auch zahlreiche Eltern in die Diskussion über Sicherheit auf dem Radweg mit eingebunden wurden. Die Hausaufgabe war an den Erdkundeunterricht gekoppelt. Schüler, denen die Arbeit an dem Projekt ganz besonders am Herzen lag, hatten zudem die Möglichkeit, die Gefahrenpunkte entlang ihres Wegs nicht nur zu benennen, sondern davon auch selbst Fotos zu machen und diese mit Hilfe der Software hochzuladen.

Nun kümmern sich im nächsten Schritt die Mitarbeiter des Fachbereichs Vermessung, Flurneuordnung und Geoinformation beim Landratsamt darum, die digitalen Daten auszuwerten und Karten für die weitere Analyse zu erstellen. Sobald diese Bearbeitung der Pläne abgeschlossen ist, gehen sie wieder zurück an die entsprechenden Schulen - bei der Waldschule sowie der Realschule in Bissingen wird ein spezieller Arbeitskreis, der sich aus Elternvertretern und Lehrern zusammensetzt, die Ergebnisse dann genau unter die Lupe nehmen. Anschließend werde man dann Kontakt mit der Stadtverwaltung aufnehmen, um sich über offizielle Radschulwegepläne auszusprechen, so Gschwender.

Auch an der Realschule im Aurain ist man davon überzeugt, dass eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts in punkto Sicherheit auf dem Radschulweg zu deutlichen Verbesserungen führen könnte. Die Vorgehensweise ist laut Rektor Claus Stöckle an ein erfolgreiches Projekt der Ellental-Gymnasien angelehnt (wir berichteten). Stöckle geht davon aus, dass an seiner Schule die Erhebungsphase bis im April abgeschlossen sein könnte und man dann das "ehrgeizige Ziel" in Angriff nehmen könnte, bis zum Sommer fertige Radschulwegepläne zu erarbeiten. Gefahrenstellen zu entschärfen komme den Schülern sehr zu Gute. Denn diese machen sich "über drei Korridore" mit einer durchaus hohen Verkehrsbelastung - von Metterzimmern über die Altstadt, vom Stadtteil Buch über den Bahnhof und vom Stadtteil Sand aus - auf den Weg zu ihrer Schule.