Es war die wohl größte Fitness- und Gesundheitsbewegung in Deutschland: die Trimm-Dich-Bewegung. In den 1970er-Jahren startete die Bewegung mit Kampagnen des Deutschen Sportbundes (DSB). Drei Werbeagenturen wurden 1969 beauftragt, Konzepte für eine Kampagne zu entwickeln. Die junge Agentur „Werbeting 2000“ aus Frankfurt hatte dabei die Idee zum Konzept „Trimm Dich durch Sport“.

Damit traf die Werbeagentur einen Nerv. Sie setzte nicht auf Gesundheitsmotivation mit rationalen Argumenten und dem erhobenen Zeigefinger, sondern hob Spaß, Lebensfreude und Abenteuer hervor, heißt es in der Arbeit von Verena Mörath „Die Trimm-Aktionen des Deutschen Sportbundes zur Bewegungs- und Sportförderung in der BRD 1970 bis 1994“ von 2005. Vor diesem Hintergrund entstand die Leit- und Symbolfigur der Trimm-Aktion, der „Trimmy“. Seine Eigenschaften: „Er ist kein Supermann und kein Held, ein ganz durchschnittlicher, kleiner, schmächtiger und unscheinbarer Bursche“, beschrieb ihn der Grafiker Dieter Sihler, der ihn entworfen hatte. Trimmy sei die personifizierte Lebenslust, fand zudem Jürgen Palm, früherer Referent der Geschäftsstelle des DSB und Mitglied des „Arbeitskreises Zweiter Weg“, später DSB-Geschäftsführer Breitensport.

Damit stand die Kampagne, die durch die Massenmedien im ganzen Land verbreitet wurde. Ein Vorgehen, das im Sport bislang nicht gemacht wurde. Ähnlich verhielt es sich auch beim Sponsoring und die zahlreichen Medienpartnerschaften. Start der Aktion war im März 1970. Doch erst anderthalb Jahre nach dem offiziellen Start verabschiedete der Hauptausschuss des DSB ein Memorandum, das die Ziele der Kampagne benannte. Die Trimm-Aktion sollte hiernach neue Teilnehmer überzeugend ansprechen, Interessierten Wege der Sportausübung aufzeigen sowie vermehrte und differenziertere Voraussetzungen der Sportbetätigung schaffen.

Bundeswehr half beim Aufbau

Auch im Kreis war die Trimm-Dich-Bewegung beliebt. In Bietigheimer Forst wurde am 18. September 1971 ein Trimm-Dich-Pfad eingeweiht. Er war drei Kilometer lang und verfügte über 20 Stationen. Die Einrichtung entstand auf Initiative von Oberforstrat Georgii, der dabei vom Sportamt der Stadt Bietigheim, einigen Vereinen und der Bundeswehr unterstützt wurde. Gekostet hatte die Anlage rund 7000 D-Mark – ohne die freiwilligen Leistungen der Vereine und der Bundeswehr.

Bereits im Frühjahr 1971 wunderten sich wohl manche Spaziergänger darüber, welche Vorbereitungen im Forst getroffen worden sind. Im September zeigte sich das Ergebnis nach Wochen andauernden intensiven Arbeiten, hieß es damals in der Bietigheimer Zeitung. „Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung hatte Oberforstrat Georgii seit längerer Zeit den Gedanken aufgegriffen, auch in Bietigheim einen Trimm-Dich-Pfad für jedermann anzulegen.“ Unterstützt wurde er dabei von Stadtinspektor Stein vom städtischen Sportamt, den Mitarbeitern des Forstamts, der TSV Bietigheim, der SV Germania, der Leichtathletik-Gemeinschaft und der Bundeswehr.

Drei Kilometer lang

In erster Linie galt es, die etwa drei Kilometer lange Strecke zu markieren. Zwei Kilometer Erdwege mussten aufgeschüttet und für jede Jahreszeit begehbar gemacht werden. Dafür wurde Material verwendet, dass vom oberen Hartplatz im Ellental abzufahren war. Der Parcours begann am Forsthaus, wo der Besucher parken kann, und führte grob zur Krautschüssel, Lusthaus, Pflanzenschule und über die Fohlenweidehütte wieder zum Ausgangspunkt. Auf dieser Strecke befanden sich 20 Stationen, die nach den Ideen und Plänen der VITA-Versicherung aufgebaut worden sind. Die sportliche Betätigung begann demnach mit leichten Freiübungen und steigerten sich bei den an den einzelnen Stationen aufgebauten Geräten immer mehr.

So gab es unter anderem folgende Übungen: Kniewippen mit Armschwingen, Armkreisen und Rumpfwippen, Klimmzug am Reck, Flanke über Hindernis, Hängen an Ringen, Rumpfkreisen, Hüpfen, Liegestützen und federndes Laufen. Leistungsmäßig entsprach dieses Übungsprogramm ungefähr einer Turnstunde. „Seinen Körper trimmen, kann hier jedermann, denn vor jeder Station sind entsprechende Tafeln aufgestellt“, hieß es damals in der Zeitung.

Zwar erfreute sich der Trimm-Dich-Pfad großer Beliebtheit und das über Jahre hinweg, doch wurden die einzelnen Stationen auch immer wieder von „Rowdies“ kaputtgemacht, wie es in einem Artikel vom 3. September 1985 heißt. Immer wieder werden Schilder abgeschlagen, Seile kaputtgemacht oder landen Gymnastik-Hölzer des Pfads gar in Kaminen. Doch trotz den teuren Reparaturen entschied sich die Stadt damals, den Pfad zu erweitern und zu modernisieren.

Während die Bewegung über Jahre hinweg Hunderte in den Wald zog, besteht der Trimm-Dich-Pfad in Bietigheim heute in seiner ursprünglichen Form nicht mehr. „Es gibt noch vier Stationen zwischen Lusthaus und Krautschüssel, die von uns gepflegt werden“, sagt Christian Feldmann, der für den Staatswald Bietigheimer Forst zuständig ist.

In Vergessenheit geraten


Die Agentur „Werbeting 2000“, die das Konzept entwickelte, griff dabei auf den Begriff „Trim“ zurück. Der wurde von Norwegern zu ihrer bevölkerungsweiten Aktion zu Sportförderung entwickelt. Die  Agentur hatte damals für ihr Engagement im Vorfeld keinerlei Aufwandshonorar erhalten, obwohl die Mitarbeiter drei Monate an ihrem Konzepten arbeiteten.

Nach den Trimm-Dich-Kampagnen engagierte sich der Deutsche Sportbund weiterhin mit verschiedenen Kampagnen und Aktionen für den Breitensport und die Fitness der Bevölkerung. Im Zuge neuer Modesportarten geriet die Trimm-Dich-Bewegung allmählich in Vergessenheit – Joggen löste die Pfade ab. Dazu kamen die finanziellen Ausgeben, die die Kommunen hatte, um die Pfade instand zu halten. rwe