Mit seinen Augen fixiert Özcan Arslan den Boxsack. Plötzlich schnellt die Hand des Kickboxers nach vorne, gleichzeitig holt er mit dem Bein aus und tritt mit dem Fuß ebenfalls explosionsartig gegen den Sack. Dazu schreit er kraftvoll und lässt die Wände in dem kleinen Sportsaal seiner Kampfsportschule in Sersheim erzittern.

Özcan Arslan ist immer noch topfit, auch wenn seine beiden Weltmeistertitel im Kickboxen nun schon ein paar Jahre zurückliegen. „Kondition, Kraft, Ausdauer und eine mentale Ruhe lassen sich allesamt mit Kickboxen trainieren. Es enthält Elemente vom Karate und Taekwondo“, erklärt er. Auch er selbst hat zunächst mit Taekwondo angefangen. „Erst danach bin ich zum Kickboxen gekommen, habe aber schon mit zehn Jahren 1992 mein erstes Turnier gewonnen“, erinnert sich Arslan, der heute gemeinsam mit seinem Bruder Hasan, ebenfalls ehemaliger Vize-Weltmeister im Kickboxen, die Hwa-Rang Kampfsportschule in der Mettertalgemeinde betreibt.

Jugendliche, die mit 14 oder 15 Jahren mit dem Kickboxen anfangen wollen, haben nach Ansicht des erfahrenen Sportlers das ideale Einstiegsalter. „Unsere Sportart hat ja manchmal mit einigen Imageproblemen zu kämpfen, und manche Jungen kommen, weil sie Schläge erlernen wollen, um sich besser verprügeln zu können, berichtet Arslan, „sie merken aber sehr schnell, dass unser Training hart ist und wir auf Benehmen und gegenseitigen Respekt viel Wert legen.“

Er bezeichnet das Kickboxen manchmal scherzhaft als „die Sportart der Weltmeister“, denn es gibt mehrere international tätige Verbände, die allesamt ihre Weltmeister küren. Im Jahr 2000 wurde er Weltmeister der World Kickboxing and Karate Association (WKA) – in Louisville in Kentucky, USA, in der Geburtsstadt von Muhammad Ali, „meinem großen Vorbild“, betont der gebürtige Sersheimer. Zehn Jahre später wiederholte er im spanischen Alicante seinen Triumph. Von seinen nationalen und internationalen Erfolgen zeugen die zahlreichen Pokale und Trophäen im Vitrinenschrank. Zu Arslans Paradedisziplinen gehörten das klassische Vollkontakt-Kickboxen sowie das Pointfighting (siehe Infobox).

Kickboxen ist bei Frauen und Männern gleichermaßen beliebt. Die Kickbox-Schüler der Sersheimer Kampfsportschule sind zwischen 14 und 60 Jahren alt. Rund 60 Prozent davon sind Männer und 40 Prozent sind Frauen. „Sie kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Gerade Jugendliche, die sehr unruhig und zappelig sind, gewinnen durch das Kickbox-Training mehr an innerer Ruhe und Ausgeglichenheit“, erklärt Arslan. Einige seiner Nachwuchstalente könnten eine vielversprechende Karriere vor sich haben. „Sie könnten ins Nationalteam kommen, aber dafür müssen sie trainingsfleißig sein und dabei bleiben.“ Er selbst habe in seiner aktiven Zeit fünf- bis sechsmal pro Woche, jeweils zwei bis drei Stunden, trainiert.

Die verschiedenen Schlag- und Trittkombinationen erlernen die Kickboxer im Training, wobei ähnlich wie beim Boxen mit der Führhand gearbeitet wird und die andere Hand den Schlag erfolgreich abschließen soll. Reich geworden ist Özcan Arslan, der 2017 sein letztes Turnier bestritt, mit seinen sportlichen Erfolgen nicht. Das Kickboxen genießt immer noch ein Nischendasein. Auch heute arbeitet der 37-Jährige neben der Kampfsportschule als Programmierer.

Info Von Montag bis Donnerstag von 18.30 bis 20 Uhr sowie von 19 bis 20.30 Uhr findet in der Kampfsportschule Hwa-Rang Kickbox-Training statt. Neue Sportler sind willkommen.

Die Kategorien des Kickboxens


Vollkontakt Über die gesamte Dauer eines Kampfs wird in einem Boxring gekämpft. Nur bei Regelwidrigkeiten unterbricht der Ringrichter.

Pointfighting lehnt sich an das Fechten an. Der Kampf wird auf Matten ausgetragen, und nach jedem gültigen Treffer kurz unterbrochen.

Leichtkontakt Hier sind K.o.-Schläge wie beim Vollkontakt verboten, sonst gelten dieselben Regeln. Der Sieger wird nach Punkten und Treffern gekürt.

K1 ist laut Özcan Arslan „eine Mischung aus Kick- und Thaiboxen“. Dabei sind auch Kniestöße zum Kopf und Körper des Gegners erlaubt. mig